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60 Jahre Priester in spannender Zeit

Altbischof Franz Kamphaus begeht am 21. Februar sein diamantenes Priesterjubiläum
60 Jahre Priester in spannender Zeit
60 Jahre Priester in spannender Zeit
Weltjugendtag 2005 in Deutschland: Tage der Begegnung. © KNA

„Ich werde Pastor“: Als der 13-jährige Franz Kamphaus im Februar 1945 mit diesem Satz selbstbewusst auf die Frage nach seinem Berufswunsch antwortete, überraschte er damit nicht nur sein damaliges Gegenüber und später auch seine Eltern, sondern ein wenig sogar sich selbst. „Ich weiß nicht, wo das herkam“, beschreibt der ehemalige Limburger Bischof nachdenklich diesen „ganz verrückten“ Moment. Man könne es Eingebung oder Fügung nennen, „aber es war in mir und ist in mir geblieben. Ich wusste: Das bin ich. Das will ich werden.“ Wie ernst ihm dieser Wunsch war, als Kind geäußert, aber fern aller Kindlichkeit, dafür hat er sich mit seinem Leben verbürgt: Am 21. Februar begeht der Geistliche, der seit seiner Emeritierung 2007 im Sankt Vincenzstift in Rüdesheim-Aulhausen lebt, sein diamantenes Priesterjubiläum.

© Jochen ReichweinBei der Einweihung der durch Künstler mit Behinderung gestalteten Marienkirche im Sankt Vincenzstift.
© Bistum Limburg"Wenn ich zurück denke, hätte ich mir das nicht träumen lassen."

„Wenn ich an den Anfang zurückdenke, hätte ich mir das nie träumen lassen“, sagt der 87-Jährige. Am 2. Februar 1932 in Lüdinghausen geboren und als eines von fünf Kindern auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen, war ihm, wenn auch religiös erzogen, dieser Weg nicht vorgezeichnet. Viel gesprochen wurde darüber Zuhause dennoch nicht. „Hast Du Dir das gut überlegt?“ Einzig das fragte ihn der Vater kurz vor dem Abitur, wahrscheinlich wohl wissend, dass sein Sohn einem einmal gefassten Entschluss folgen würde; mit genau der Standfestigkeit, mit der er später an seinen Überzeugungen festhielt: Vom sprichwörtlichen „westfälischen Dickschädel“ sollte in den kommenden Jahren nicht selten die Rede sein.

© Bistum LimburgKamphaus war in der Bischofskonferenz von 1986 bis 1991 Jugendbischof; im Bistum Limburg gründete er die drei Jugendkirchen.

Also studierte er Theologie und Philosophie in Münster und München, wurde 1959 im Dom zu Münster von Bischof Michael Keller zum Priester geweiht und stellte seinen Dienst unter das programmatische Schriftwort: „Wir wollen nicht Herren über Euren Glauben, sondern Diener Eurer Freude sein.“ Einen Monat zuvor hatte Papst Johannes XXIII. das II. Vatikanische Konzil ausgerufen. Heute könne man sich die dadurch ausgelöste Gefühlslage nicht mehr recht vorstellen, meint er, und bringt sie im Rückschau auf die Formel: „Eine bewegte und bewegende Geschichte“. Für ihn sei es schlichtweg ein Geschenk gewesen, „ausgerechnet in dieser spannenden Zeit Priester sein zu dürfen.“ Dass er es die ganzen 60 Jahre gerne war und geblieben ist, dazu habe die Aufbruchsstimmung rund um das Konzil wesentlich mit beigetragen.

© Bistum LimburgKardinal Joseph Höffner spendete Franz Kamphaus die Bischofsweihe, Mitkonsekrator war unter anderen der Bischof von Münster, Reinhard Lettmann (rechts).

Nach fünf Kaplansjahren holte ihn der damalige Bischof von Münster, Joseph Höffner, zum Aufbaustudium zurück, wo er mit einer Arbeit über das Thema promovierte, das ihm Herzensanliegen ist: „Von der Exegese zur Predigt.“ Die Verkündigung sei einer der Gründe dafür, dass er die Liebe zur Heiligen Schrift als prägend erfahren habe, sagt Kamphaus, der zeit seines Priesterlebens für seine sprachmächtigen Auslegungen berühmt und gerühmt wurde: „Mach´s wie Gott: werde Mensch“ ist nur eine seiner prägnanten Formulierungen, die zum geflügelten Wort wurden. Der Homiletikprofessor, der sich bis heute bei jeder Messe darum bemüht, „eine astreine Predigt vorzubereiten“, hat eine einfach Antwort auf die Frage, warum ihm das Wort so wichtig ist: „Weil es Jesus wichtig war.“

© Bistum Limburg.Immer auf Augenhöhe - hier bei einem Besuch im Main-Taunus-Zentrum

Neben seiner Lehrtätigkeit in Münster wurde er 1972 zum Regens des dortigen Priesterseminars berufen und 1982 von Kardinal Höffner zum  Bischof geweiht. „Den Armen das Evangelium verkünden“ lautete sein Leitspruch, den er in 25 Jahren als Bischof von Limburg auf unverwechselbare Weise mit Leben erfüllte. Dazu gehörte die bewusste Entscheidung für einen einfachen Lebensstil mit seiner Wohnung im Priesterseminar, während im Bischofshaus zeitweise eine Flüchtlingsfamilie unterkam. Den grünen Golf steuerte er viele Jahre selbst. Auf unprätentiöse Art begegnete er den Limburgern in der Stadt, den Gläubigen aus dem Bistum, Honoratioren wie Obdachlosen gleichermaßen.

© Bistum LImburg2004 in Kumbo (Kamerun) mit dem damaligen Bischof von Kumbo, Cornelius Fontem Esua.

Missionar war er, wie als Kind ursprünglich gedacht, dann doch nicht geworden, dafür war der Münsterländer Bauernsohn zu heimatverbunden. Aber den Impuls, „über den Tellerrand“ zu schauen, griff er als Bischof wieder auf und öffnete mit zahlreichen Partnerschaften, angefangen bei Sambia bis hin zu den Philippinen, die Perspektive des Bistums Limburg. „Unsere Kirche ist nur katholisch, wenn sie Weltkirche ist“, lautete sein Credo, das sich auch in seinem Engagement in der Bischofskonferenz niederschlug. Hier war er viele Jahre für das Hilfswerk Misereor verantwortlich und ab 1999 bis zu seiner Emeritierung Vorsitzender der Kommission Weltkirche.

© Bistum LimburgAbschied in Limburg - die Sternsinger sagen dem emeritierten Bischof Lebewohl.

Die Entscheidung, danach in das Sankt Vincenzstift, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, zu ziehen, „habe ich keinen Tag bereut“, sagt Kamphaus. An der Konzeption der Neugestaltung der Marienkirche durch Künstler mit Behinderung hat er entscheidend mitgewirkt und noch im März vergangenen Jahres ein neues Buch mit Gedanken zur Bergpredigt publiziert. Wenn er auch das aktuelle Geschehen in Gesellschaft und Kirche aufmerksam verfolgt, hält er sich mit Kommentaren und Ratschlägen aus Prinzip zurück: Auf keinen Fall will er als Emeritus zum Schulmeister derjenigen werden, die jetzt das Sagen haben.

Dass ihn allerdings der Zustand „seiner“ Kirche schmerzt, räumt er ein: „Sie liegt am Boden und nicht wenige sind dabei, sie auszuzählen.“ Nach dem Missbrauchsskandal gelte es, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen, Transparenz herzustellen, aufzuklären und den Opfern Vorrang einzuräumen, sagt Kamphaus und lobt Bischof Georg Bätzing für seinen „besonnenen und weitblickenden Umgang“ mit dem Thema. Darüber hinaus ist er davon überzeugt, dass es „ein Segen ist, dass wir gerade jetzt Papst Franziskus haben“ und dass die Kirche einen neuen Aufbruch wagen müsse: „Es fehlt das III. Vatikanum.“

© Bistum LimburgMit einem großen Fest wurde der Emeritus im Sankt Vincenzstift in Aulhausen begrüßt.

Die Jahre zwischen 80 und 90 sind nichts für Feiglinge: Dieser Satz sei wahr, sagt Kamphaus, der sich mit seinen 87 Jahren „auf der Zielgeraden“ fühlt. Die Beschwernisse des Alters forderten ihm täglich viel Geduld mit sich selbst ab, gesteht er, wobei ihm diese Eigenschaft nicht gerade in die Wiege gelegt worden sei. Dass er noch regelmäßig die Messe feiert, gehört zu seinem Leben ebenso wie das Stundengebet und die tägliche Meditation, „ein schweigendes Da-Sein vor Gott.“ Jeden Mittag isst er zusammen mit den Bewohnern in der Caféteria, „als einer von ihnen“, wie er sagt. Mit ihnen und an diesem Ort wird er auch sein besonderes Jubiläum begehen: „Ich feiere mit den Menschen, mit denen ich lebe.“ Im Rückblick gebe es für ihn, so sein Fazit, „nichts Wichtigeres als dankbar zu sein, sehr dankbar.“

© Bistum Limburg2017 beim Hildegardisfest und Kreuzfest in Eibingen - von den Gläubigen wie immer mit viel herzlichem Beifall bedacht.