Kategorien &
Plattformen

Atmen heißt Leben

Bischof Georg Bätzing predigt an Pfingstsonntag
Atmen heißt Leben
Atmen heißt Leben
Darstellung des Heiligen Geistes in der Kapelle des Limburger Bischofshauses. © F. Schuld/Bistum Limburg

Durch die Corona-Pandemie ist das Selbstverständlichste der Welt betroffen, nämlich das Atmen. Davon sprach Bischof Georg Bätzing bei seiner Predigt am Pfingstsonntag, 23. Mai, im Limburger Dom. „Atmen heißt Leben. Diese Pandemie entpuppt sich als „Atemstörung“ nicht nur in medizinischer Hinsicht. Wenn ich dem Atmen nicht mehr trauen kann, reflektiert der Soziologe Hartmut Rosa, wenn ich nicht mehr unbesorgt ein- und ausatmen kann, dann hat das die größte mögliche Verunsicherung unserer Weltbeziehung zur Folge. Denn der Boden unter unseren Füßen und die Luft, die uns unsichtbar umgibt, sind das Fundamentalste, was wir kennen“, sagte der Limburger Bischof. Der Gottesdienst wurde live auf Youtube und Facebook übertragen.

Atmen bedeute Leben und zwar in einem sehr umfassenden Sinn. „Denn ohne Atem gehen uns auch die Worte aus, die Stimme fehlt, Singen unmöglich, der Geruchssinn ist gestört“, sagte Bätzing. Atmen schaffe Freiheit, gebe Energie und stifte Gemeinschaft. „Vom ersten Schrei an bis zum letzten Seufzer atmen wir unbewusst. Wir tun es einfach, vegetativ gesteuert wie alle lebenswichtigen Funktionen, aber die Atmung ermöglicht alles andere: Denken, Wahrnehmen, Fühlen, Sprechen, Laufen, Arbeiten, Ruhen, Lieben – einfach alles, auch das Beten.“

Der Heilige Geist als Lebensatem

Wenn das Atmen stocke und gestört sei, hätten die Menschen allen Grund, sich dieser selbstverständlichsten Grundlage des Lebens einmal bewusst zu werden, darüber nachzudenken und dafür zu danken. Auch der Heilige Geist sei Lebensatem. Damit knüpfte Bischof Georg Bätzing an das Pfingstevangelium an und sprach davon, dass an Pfingsten etwas Schöpferisches und Neues geschehe. „Da wird der jungen Kirche Lebensatem eingehaucht. Da reift eine Frucht, die sich dem Lebenswerk und der Lebenshingabe Jesu verdankt und mit seinem letzten Atemzug nicht erstickt, sondern erst richtig nach draußen dringt.“ Damit habe die Kirche ihren Anfang genommen. Atmen und Hauchen bedeute Leben, bedeute Leben zu geben.

Die Bezeichnung „Atem Gottes“ sei deshalb nicht zufällig eine der ältesten Metaphern für den Heiligen Geist. „Nie zuvor ist mir die Metapher vom Atem Gottes für den Heiligen Geist so nah und tröstlich gewesen wie jetzt in Zeiten der Pandemie“, sagte Bätzing. „Und noch nie hat es mich innerlich so gedrängt, zu beten und zu flehen, der Atem Gottes möge kommen und unsere Welt und jeden Menschen erfassen. Er möge die Kranken heilen, die Traurigen tragen, die Toten im Hauch der Ewigkeit bergen. Er möge die Mutlosen aufmuntern, die Ungeduldigen bremsen. Er möge wehen und uns alle als Geschwister zusammenführen, die wir miteinander das Haus dieser Erde bewohnen.“

Die Predigt im Wortlaut

Cookie Einstellungen

Statistik-Cookies dienen der Anaylse, indem Informationen anonymisiert gesammelt werden.

Anbieter:

Bistum Limburg

Datenschutz