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Auf Risiko und Wagnis setzen

Teilnehmer des Forums Sozialpastoral üben sich in Aktion und Kommunikation
Auf Risiko und Wagnis setzen
Auf Risiko und Wagnis setzen
Haste mal ´n Euro? Spiel mit vertauschten Rollen beim Forum Sozialpastoral © Reichwein/Bistum Limburg
© Reichwein/Bistum LimburgSusanne Gorges-Braunwarth lädt ein zu einer Entdeckungsreise

Für "eine Kirche, die hinausgeht", braucht es Menschen, die sich was trauen: Das 26. Forum Sozialpastoral am Freitag, 18. Oktober, im Wilhelm-Kempf-Haus, machte den „Mut, Wagnisse einzugehen“, von dem die zuständige Dezernentin Dr. Hildegard Wustmans in ihrem Grußwort sprach, gleich selbst zum Programm. Die rund 60 Teilnehmer, darunter viele ehrenamtlich Engagierte, starteten mit viel Bewegung und ungewohntem Körpereinsatz in den Nachmittag. Unter therapeutischer Begleitung absolvierten sie einen Crash-Kurs in Sachen Kommunikation.

„Wie gelingt es uns, in Kontakt zu treten mit anderen Menschen?“ umschrieb Dr. Susanne Gorges-Braunwarth, Abteilungsleiterin Pastoral in Netzwerken, die anstehende „Suchbewegung“. Für den guten Verlauf des von ihr selbst so bezeichneten Experiments sorgte der in diesem Rahmen ungewöhnliche Referent. Rolf Heinzmann, Gestalttherapeut aus Karlsruhe,  der nicht nur Arzt, sondern auch Physiker ist und unter anderem als Supervisor arbeitet, hatte eine „Einladung zum Spielen“ mitgebracht. Mit wenig Theorie, dafür gelassen vorgetragenen Anleitungen hatte er seine Klientel gut im Griff und freute sich seinerseits über die "spannende Exploration".

© Reichwein/Bistum LimburgViel Aktion und Interaktion in der Aula

So viel Interaktion ist selten in der Aula des Wilhelm-Kempf-Hauses: Bereitwillig und offensichtlich mit viel Spaß folgten die Teilnehmer den ersten Handlungsanweisungen:  durch den Raum laufen, sich dezent anrempeln, sich auf unterschiedliche Weise begrüßen – nach „Sozialarbeiterart“ , so Heinzmann, nämlich mit einer unbeholfenen, körperfernen Umarmung, wie er sie unter großem Hallo selbst vorführte, oder nach kalifornischer Sitte: „Mensch, das ist ja Wahnsinn, Dich hier zu sehen!“ Die therapeutiche Ermutigung, zu übertreiben, wurde mit Überschwang und großem Geräuschpegel umgesetzt.

Hast du mal einen Euro?

Die nächsten Übungen waren dann schon für Fortgeschrittene: Nähe und Distanz ausloten, die eigene (Körper)Grenze wahrnehmen und dem Trainingspartner ein deutliches Stop signalisieren, aktiv und passiv Grenzüberschreitung erleben. Wie Kommunikation verläuft, wenn die Beziehung nicht auf Gleichheit und Symmetrie beruht, wurde in verschiedenen Rollenspielen trainiert. „Hast du mal einen Euro?“ Gar nicht so einfach, mit dieser – im Alltag oft als Witz formulierten - Frage an einen anderen Menschen heranzutreten und die altbekannten, ausweichenden Antworten zu bekommen: „Keine Zeit, kein Kleingeld dabei, ich muss auch für mein Geld arbeiten.“ Sich einfühlen und ein Gespür dafür entwickeln, ob die Beziehung ausgeglichen ist, ob beim Geben und Nehmen ein "Kontenausgleich" stattfindet: So lautete auch beim Training in kleinen Gruppen die Aufgabe.

Keine einfachen Lösungen

In der kurzen Austauschrunde im Anschluss war positives Erstaunen  zu hören: Sie sei den Leuten bei einem Forum Sozialpastoral noch nie so nahe gekommen, stellte eine Teilnehmerin schmunzelnd fest. Als sinnvoll und gut wertete ein anderer Teilnehmer den Rollen- und Perspektivwechsel. Er fühle sich im Kontakt mit Hilfsbedürftigen auf der Straße tatsächlich oft hilflos und wisse keine einfache Lösung, meinte er und lieferte dem Therapeuten damit Stoff für dessen Schlusswort: So etwas habe er auch gar nicht im Gepäck, sagte er. Seine Intention sei es stattdessen gewesen, "Sie durcheinander zu bringen.“  Das sei nötig, um zu einer neuen Klarheit zu kommen.  

© Reichwein/Bistum Limburg

Es gehe bei einer Neuausrichtung der pastoralen Arbeit um unverdiente, bedingungslose, vorurteilsfreie Kommunikation und Begegnung mit allen Menschen, auch und gerade mit jenen, „die nicht so leben wie man selbst“, hatte eingangs Hildegard Wustmans vorgegeben und das Papst-Wort von der „verbeulten Kirche“ zitiert. Dazu brauche es Akteure, die sich auf „befremdliche Orte“ einlassen und etwas riskieren. Wie das möglich sein kann, zum Beispiel am Bahnhof oder auf dem Friedhof, bei Festen oder im Anziehpunkt, konnte im zweiten Teil des Tages in verschiedenen Workshops entdeckt und entwickelt werden. Mut machten zum Abschluss bereits gelingende Beispiele wie die vom Café International in Frankfurt und dem Straßenkreuzer von St. Ursula.  

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