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Beim Frauenanteil in Leitungspositionen viel Luft nach oben

Abschluss des Mentoring-Programms für 33 Frauen
Beim Frauenanteil in Leitungspositionen viel Luft nach oben
Beim Frauenanteil in Leitungspositionen viel Luft nach oben
Auch zwei Frauen aus dem Bistum Limburg haben bei dem Programm teilgenommen: Von links: Mentorin Juliane Schlaud-Wolf mit Kerstin Angele und Sabine Müller-Wendt mit Mentor Franz-Josef Straßner. © Hildegardis Verein

Mehr als 30 Frauen aus 14 Bistümern, zwei Caritasverbänden und dem Hilfswerk Misereor haben in diesen Tagen das einjährige Mentoring-Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen erfolgreich beendet: Am Mittwoch, 26. Juni, ging in Bamberg das dreitägige Abschlussseminar für die 17 Mentees zu Ende. Eine Woche zuvor fand das Abschlussseminar für 16 Frauen einer weiteren Gruppe in Siegburg statt. Vertreter der jeweiligen Bistumsleitungen nahmen an beiden Veranstaltungen teil.

„Das Thema Frauen in Leitungsämtern auszublenden, wird künftig nicht mehr möglich sein, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen in Ordinariaten, kirchlichen Verbänden und Hilfswerken sowie der Caritas geht“, sagte Weihbischof Herwig Gössl (Bamberg). Das bei der jüngsten Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz erklärte Ziel, mindestens ein Drittel der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, wäre ohne den Hildegardis-Verein und sein Mentoring-Programm nicht zu erreichen, fügte er hinzu. Aber nicht alle der unterschiedlichen Ziele des Programms seien in gleicher Weise erreicht worden: „Vor allem mit Blick auf die Erhöhung des Frauenanteils in Leitungspositionen ist, wenn ich in unser Bistum blicke, noch Luft nach oben.“

Weihbischof Gössl erinnerte daran, dass es in katholischen Jugendverbänden seit Längerem üblich ist, Leitungsämter paritätisch zu besetzen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen seien grundsätzlich positiv. „Es ist zu überlegen, wie in ähnlicher Weise paritätische Führungsmodelle auf verschiedenen kirchlichen Ebenen etabliert werden können – in einigen Diözesen wird bereits daran gearbeitet“, betonte er. Es sei wichtig, „mit Mut und Zuversicht“ weiter an der Umsetzung der Ziele zu arbeiten.

Ein Highlight der dreitägigen Veranstaltung war die Präsentation der innovativen Projekte, die die Mentees im Laufe des Mentoring-Jahres in ihrem Arbeitsumfeld entwickelt und umgesetzt haben. Diese Projekte wirkten in den Bistümern und darüber hinaus, sagte die Geschäftsführerin des Hildegardis-Vereins, Birgit Mock: „Mit ihnen haben die Frauen auf Bedarfe und Veränderungen in ihren Organisationen reagiert und Verantwortung übernommen.“ Behandelt wurden so unterschiedliche Themen wie die bistumsweite strategische Aufarbeitung der Missbrauchsstudie, die Optimierung von Datenbanken und Arbeitsabläufen in Stiftungen sowie eine zielführendere Werbung für die Berufe der Kirche.

Am Dienstag, 25. Juni, feierte Domkapitular Dr. Norbert Jung  mit den Mentees und ihren Mentorinnen und Mentoren eine Messe. Jung wandelte in seiner Predigt ein Zitat aus Melinda Gates’ jüngst erschienenem Buch über die Stärkung der Rechte von Frauen auf die Kirche um: „Wenn wir der Kirche Auftrieb verschaffen wollen, dann müssen wir die Frauen stärken. Es ist dies das umfassendste und wirksamste Investment mit der größten Hebelwirkung, das wir in der Kirche tätigen können.“

Zum Abschluss des Treffens signalisierten Mentees und Mentorinnen, dass sie das Programm „Kirche im Mentoring“ weiter fortgeführt und in ihren Bistümern nachgearbeitet wissen wollen: Es sei nicht damit getan, sich Frauenförderung medienwirksam auf die Fahnen zu schreiben, sagte Katharina Jestaedt, stellvertretende Leiterin des Katholischen Büros in Berlin und Mentorin. „Das Thema müsste flächendeckend in den kirchlichen Verwaltungen implementiert werden, damit eine nachhaltige Wirkung erzielt werden kann.“ Christiane Dietz, Referentin für Fort- und Weiterbildung im Erzbistum Paderborn und Mentorin, fügte hinzu: „Ich wünsche mir, dass mein Erzbistum und auch die anderen Bistümer mit den Frauen, die das Mentoring-Programm absolviert haben, im Dialog bleiben. Personalentwicklungsgespräche mit den Absolventinnen sind notwendig, um ihnen Perspektiven innerhalb des Bistums aufzuzeigen.“

Eine der Mentees, Dr. Christiane Bongartz, Direktorin der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen, richtete sich mit einem Wunsch direkt an die geweihten Männer innerhalb der Kirche: „Sprechen Sie überall, wo es geht, über Rechte von Frauen in der Kirche und kämpfen Sie für Gleichberechtigung.“ (pm dbk) 

Interview mit Mentees

Die Pressestelle des Bistums LImburg hat mit den Limburger Teilnehmerinnen ein Interview geführt: Hier können Sie es nachlesen

Zahlen und Daten zum zweiten Durchgang

Nach dem erfolgreichen ersten Durchgang von „Kirche im Mentoring“ wurde der zweite Durchgang von 2018 bis 2020 aufgrund der hohen Nachfrage seitens der (Erz-)Bistümer in drei Gruppen aufgeteilt, von denen zwei in den vergangenen zwei Wochen zu Ende gegangen sind; die dritte Gruppe startet vom 8. bis 10. Juli 2019 in München in das Mentoring-Jahr. Die 17 Mentees der einen Gruppe  kommen aus den (Erz-)Bistümern Aachen (3), Augsburg (2), Bamberg (2), Caritasverband Berlin (2), Limburg (2), München und Freising (3) und Paderborn (2) sowie dem Hilfswerk Misereor (1). Die 16 Mentees der anderen Gruppe, deren Abschluss am 19. Juni 2019 in Siegburg stattfand, wurden von den (Erz-)Bistümern Dresden-Meißen (3), Essen (4), Köln (2), Münster (2), Osnabrück (1), Freiburg (2) und dem Caritasverband Würzburg (2) entsandt.

Allgemeine Information zu „Kirche im Mentoring“

„Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“, das Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen in der katholischen Kirche, wird vom Hildegardis-Verein in Kooperation mit der Deutschen Bischofskonferenz für die (Erz-)Bistümer durchgeführt. Es zielt darauf ab, Frauen zu ermutigen, eine Führungsposition innerhalb der katholischen Kirche zu übernehmen. Das Programm will darüber hinaus zu einer geschlechtergerechten Personal- und Organisationsentwicklung beitragen, für den Arbeitsplatz Kirche werben und eine nachhaltige Nachwuchssicherung ermöglichen.