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Den Kulturwandel annehmen

Drei Fragen an Domkapitular Wolfgang Rösch
Den Kulturwandel annehmen
Den Kulturwandel annehmen
Seit sieben Jahren im Amt: Generalvikar Rösch übernahm in der Krise Verantwortung und setzt sich für ein angstfreies Miteinander ein.

Vor sieben Jahren, am 23. Oktober 2013, wurden Sie vom Heiligen Stuhl zum Generalvikar ernannt und eingesetzt. Dem emeritierten Bischof von Limburg, Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst, wurde eine Zeit außerhalb der Diözese gewährt. In dieser Zeit galt es zu klären, wie es zur Krise rund um das Bischofshaus und die Amtsführung des Bischofs gekommen ist. Rückblickend: Was war Ihre größte Herausforderung damals und was wirkt von damals noch nach?

Vertrauen war zerstört, Menschen verletzt und das Bistum Limburg in den Schlagzeilen. Als Generalvikar stand ich genau für diese Institution und bekam die Verantwortung, die Situation zu lösen. Diesen Gestaltungsauftrag kann man nur erfüllen, wenn man Vertrauen geschenkt bekommt – und Vertrauen bekommt man nur, wenn Leitungshandeln als berechenbar und transparent erfahren wird.

Im Nachhinein bin ich sehr dankbar für die Menschen, die sich in ihrer Not öffnen konnten und an der Aufarbeitung mitgewirkt haben. Kirche muss sich verändern, um Kirche Christi bleiben zu können. Und das geht nur mit Vertrauen. Ich bin überzeugt, dass dieses Vertrauen dann wieder wächst, wenn ich selber Vertrauen habe in die Menschen, denen ich begegne und Vertrauen habe, dass in jeder Geschichte etwas von Gottes Heilsgeschichte verborgen ist. In jeder Krise und in jeder Herausforderung liegt eine Chance, um etwas besser zu machen.

 

Die Krise von damals ist größtenteils aufgearbeitet. Heute stehen das Bistum und die katholische Kirche vor anderen und großen Herausforderungen. Auch die Arbeit des Bischöflichen Ordinariats, der bischöflichen Verwaltung, dessen Chef Sie als Generalvikar sind, wird sich verändern. Welche Ideen und Strategien sind Ihnen dabei wichtig?

Wir erleben einen totalen Kulturwandel. Die richtigen Strategien und Antworten der Vergangenheit tragen nicht mehr, Selbstverständlichkeiten und Routinen, in denen wir aufgewachsen sind, haben ihre Plausibilität verloren. Kirche verändert sich und das ist gut so, denn sie ist kein Selbstzweck. Die große Herausforderung für die bischöfliche Verwaltung ist wohl, diesen Kulturwandel anzunehmen und sich wirklich verändern zu wollen. Als Generalvikar möchte ich dazu beitragen, dass die Bereitschaft zur Veränderung zu einer Grundhaltung in unserer Arbeit wird. Ich möchte, dass unser Handeln von der Überzeugung getragen ist, dass wir alle Teil haben an der Sendung Jesu Christi, egal ob in der Pastoral oder in der Verwaltung. Wir dürfen helfen, erfahrbar zu machen, dass ein Leben aus dem Glauben einen Mehrwert hat. Und das gelingt am besten, wenn wir von den Menschen her denken, für die wir da sind. Überall, wo das schon gelebt wird, erfahren Menschen ihre Arbeit als sinnstiftend und Kirche wird als lebensfördernd erlebt.

 

Bischof Georg Bätzing hat als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz eine grundsätzliche Handreichung zur Corona-Pandemie (Corona und die Suche nach der künftig gewesenen Zeit) geschrieben. Er wählte das Futur II als Tempus, das im Deutschen nur selten vorkommt und stellt die Frage „Wie wird es gewesen sein?“. Stellen Sie sich vor, wir sind im Jahr 2030. Welche Antwort möchten Sie dann auf die Frage des Futur II geben wollen.

Wir werden dabei gewesen sein. Das können wir dann sicher sagen. Aber was es mit uns gemacht haben wird, darauf werden wir sehr verschiedene Antworten geben. Der Glaube schützt uns nicht vor Corona, das Christsein bewahrt uns nicht vor den wirtschaftlichen Folgen. Ich wünsche mir, dass ich dann sagen könnte: „Wir haben in der Unplanbarkeit nicht kopflos gelebt, sondern werden Verantwortung gelernt haben. Wir haben uns im social-distancing nicht zurückgezogen, sondern werden den Blick auf Notleidende geschärft haben. Wir sind der Versuchung zur Resignation nicht erlegen, sondern werden das Unterscheiden gelernt haben. Wir haben im Verlust der Selbstverständlichkeiten nicht der Angst Macht über uns gegeben, sondern werden das Vertrauen bewahrt haben. So benutze ich das Futur II hier weniger als Prognose, viel mehr als hoffnungsvolle Ermutigung.

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