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Der erste Tag einer neuen Zeit

Weihnachtspredigt von Dr. Georg Bätzing
Der erste Tag einer neuen Zeit
Der erste Tag einer neuen Zeit
In einem "armen Stall" kam der Erlöser zur Welt, um ihr das Heil zu bringen. © W. Baumann

Die Welt braucht die Botschaft von Weihnachten, um globale Herausforderungen wie der weltweiten Armut, wie Korruption, wie dem Wohlstand weniger auf Kosten vieler, wie Anspruchsdenken und Rücksichtlosigkeiten und der Ausbeutung der Schöpfung begegnen zu können. Dies hat Bischof Dr. Georg Bätzing in seiner Weihnachtspredigt am 25. Dezember im Hohen Dom zu Limburg deutlich gemacht. „Jesus kam, um die Armut der Menschen zu teilen. Bei seiner Geburt wählte er das Los eines schutzlosen, ganz und gar abhängigen Lebens und teilt damit das Schicksal vieler Menschen. Der arme Stall von Bethlehem ist dafür ein eindrückliches Bild“, sagte der Bischof von Limburg. 

An Weihnachten habe Gott seine Idee von der Rettung der Welt ins Spiel gebracht. Der neue Mensch sei geboren und suche nach Nachahmern, nach Anhängerinnen und Gläubigen, die seinen Spuren folgen wollen, um neue Menschen zu werden. Das sei Gottes große Weihnachtsidee. Gott werde Mensch und er greife in das Leben seines Volkes ein. Weihnachten sei der erste Tag einer neuen Zeit.

Der Planet braucht entscheidende Veränderungen

Bischof Bätzing erinnerte in seiner Predigt an den Propheten Amos, der im achten Jahrhundert vor Christus lebte. Dieser habe damals die Zustände im Gottesvolk kritisiert, da es offensichtlich das Recht Gottes missachtete und eigene Interessen und den eigenen Wohlstand auf Kosten der Schwachen verfolgte. „Was Amos beklagt, ist leider Gottes auch heute Realität“, so der Bischof. Ausbeutung, Korruption, Rechtsbruch oder auch Rücksichtslosigkeiten seien die eigentlichen Ursachen hinter den unzähligen Konflikten und Kriegen und auch hinter der maßlosen Ausbeutung der Natur, deren Folgen immer deutlicher bewusst würden. „Nur in ideologischer Verblendung kann man sie noch auszublenden versuchen. Armut, Kriege und Migrationsströme sind indirekte oder direkte Folgen unseres Lebensstils in unserem kleinen, ganz und gar privilegierten Teil der einen Welt. Wenn wir dafür keine gerechten Lösungen finden, und wenn wir sie nicht bald umsetzen, gefährden wir die Zukunft unseres Planeten“, so der Bischof.

Einschneidende Veränderungen seien deshalb dringlich. Strömungen wie dem „Antinatalismus“ oder dem „Transhumanismus“ erteilte der Bischof jedoch eine klare Absage. Der Antinatalismus spreche sich dafür aus, aus Angst vor dem Kollaps des Planeten keine Kinder mehr zu bekommen. „Ich finde das geradezu zynisch, denn es verlagert die Probleme wiederum auf die künftige Generation, der hier schlicht und ergreifend das Lebensrecht abgesprochen wird“, sagte Bätzing. Der Transhumanismus gehe davon aus, dass die Menschen unverbesserlich sind und es vermasselt haben. Abhelfen könne nur der Einsatz von technologischen Verfahren, wie etwa dem Einsatz von künstlicher Intelligenz. „Gott bewahre uns davor! Denn ein solcher Traum wurde im 20. Jahrhundert mehrfach geträumt von totalitären Systemen, die vorgaben, den Menschen und die Gesellschaft zu verbessern, und dabei in menschenverachtenden Vernichtungsprogrammen geendet sind. Gott sei Dank haben sich Freiheit und Menschenwürde vielfach dagegen behaupten können“, sagte der Bischof von Limburg.

Der "neue Mensch" braucht die "alten Menschen"

Bätzing ist auch davon überzeugt, dass es neue Menschen und eine erneuerte Menschheit braucht, um die Zukunft der Welt zu gestalten. Aber nicht, indem die „alten“ Menschen rücksichtslos hinter sich gelassen würden. „Der neue Mensch, das sind die unerhörten Worte und unvergleichbaren Taten Jesu. Dieser neue Mensch hält unglaublich viel vom „alten“ Menschen und unserer Verletzlichkeit. Er setzt auf uns Arme, Trauernde, Sanftmütige, nach Gerechtigkeit Hungernde, auf die Barmherzigen, Verfolgten und die Friedensstifter, denn er ahnt, dass solche Menschen aus eigener Erfahrung um die Nöte anderer wissen. Sie springen bei, wo immer es in ihrer Macht steht und lassen zu, dass Gott Raum bekommt, um zu heilen und aufzurichten. Jesus, der neue Mensch, das ist nicht eine bessere Moral, sondern ein gütiges Gesicht, das mich anschaut, damit mir das Herz aufgeht“, sagte der Bischof. Jesus, der neue Mensch, suche nach den Menschen, damit sie neu werden und die Welt endlich heil.