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Die Brüder Löwenherz und ewiges Leben auf Facebook

Die Brüder Löwenherz und ewiges Leben auf Facebook
Die Brüder Löwenherz und ewiges Leben auf Facebook
© Bistum Limburg/B. Reichwein

An einem ganz normalen Mittwochmorgen über die Auferstehung nachdenken: Diese Chance hat sich rund 60 Religionslehrerinnen und -lehrern bei einem Studientag am 7. Februar im Wilhelm-Kempf-Haus geboten. Was jedem Einzelnen bei diesem Begriff einfalle, war die Eingangsfrage der Referentin, Dr. Theresa Schwarzkopf vom Institut für katholische Theologie in Paderborn. Mit anderen Worten: „Ewiges Leben – aber wie?“ So lautete auch der Titel des Tages, dessen zwei Besonderheiten Gabriele Sies vom Religionspädagogischen Institut der Evangelischen Kirche bei der Begrüßung kurz charakterisierte: Die Veranstaltung mit mehreren Kooperationspartnern ist seit vielen Jahren ökumenisch und sie richtet sich an Lehrkräfte aller Schulformen.

Sprachwelt von Kindern und Jugendlichen

Dass es eine Herausforderung ist, sich dem eher sperrigen Thema im Unterricht zu stellen, wurde bereits im Gottesdienst von Sebastian Lindner vom Pädagogischen Zentrum angesprochen. Konkrete Fragestellungen rund um den Tod wie Organspende, Sterbehilfe, Trauer seien leichter handhabbar. Die Schwierigkeit liege in der Spannung zwischen kirchlicher Lehre und der Sprachwelt von Kindern und Jugendlichen, sagte Thorsten Klug, Leiter des Religionspädagogischen Amtes Wiesbaden.

Mit einer durchaus entlastenden Information wartete dabei die Referentin gleich zu Beginn ihrer Präsentation auf: Man müsse sich im Unterricht nicht auf die „gläubige Annahme“ verbeißen. Eine Idee von etwas zu haben und dem positiv gegenüber zu stehen, das gehöre für Kinder und Jugendliche mitnichten zusammen, sagte die Religionspädagogin, darüber müsse nicht vorrangig geredet werden. Für die anwesenden Lehrer aber spielt der Glaube dagegen sehr wohl eine  Rolle, wie in den intensiven und sehr persönlichen Gesprächen in den Murmelgruppen deutlich wurde. Sich seiner eigenen Vorstellung von Auferstehung zu vergewissern, aber auch möglicher Zweifel und Angst, trage zu einem authentischen Auftreten vor den Schülern bei, hieß es  im anschließenden Austausch.

Wie lange lebt mein Avatar?

Auferstehung als Symbol „ist und will Mehrperspektivität“, meinte Schwarzkopf als Reaktion auf die Bandbreite der Vorstellungen, die von den  Teilnehmern beschrieben wurden. Die Begriffe dürften offen gedacht werden, sagte sie und skizzierte ihrerseits fünf theologische Modelle der Auferstehung. Neue Aspekte und ganz prosaische Fragen ergäben sich durch die Digitalisierung: „Wie schnell sterbe ich zum Beispiel bei Facebook? Wie lange lebt mein Avatar?“

Regelrecht poetisch dagegen hörten sich die Formulierungen von Schülerinnen aus ihrem Unterricht an, die sie mitgebracht hatte: Den Regenbogen wieder zurückgehen, im Paradies, „einem sehr grünen Ort“, mit Freunden weiterleben oder auch mitten im Leben Mut für einen neuen Lebensabschnitt fassen. Solche Ideen sollten nicht auf ihren Wahrheitsgehalt abgefragt werden, aber auf ihre Stimmigkeit, erklärte die Referentin. Die Schüler könnten so bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema lernen, ihre eigene Position neu und detaillierter zu denken, entsprechend dafür zu argumentieren und einzustehen in der Diskussion mit anderen.

Praktische Ideen für den Unterricht

Wie „Die Brüder Löwenherz“ oder die „Chronik von Narnia“ das Undenkbare literarisch in Worte fassen und wie sie im Unterricht eingesetzt werden können, war Gegenstand von einem der sechs nachmittäglichen Workshops, die praktische Tipps, didaktische Anregungen und Informationen zu geeigneten Materialien vermittelten. „Sehr gewinnbringend“ lautete eine der durchweg zufriedenen Rückmeldungen der Teilnehmer. (rei)

Der ökumenische Studientag wird einmal im Jahr veranstaltet von den Ämtern für katholische Religionspädagogik Wiesbaden und Taunus, dem Pädagogischen Zentrum der Bistümer im Lande Hessen und dem Religionspädagogischen Institut der Evangelischen Kirche. Nächster Termin ist der 20. Februar 2019. Dann geht es um die konfessionelle Kooperation im Religionsunterricht. Weitere Informationen: https://relpaed-wiesbaden.bistumlimburg.de. 

© Bistum Limburg/B. Reichwein