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Gemeinsamer, ehrlicher und realistischer Blick – und ein Auftrag

Kardinal Marx zum Abschluss der Internationalen Kinderschutz-Konferenz im Vatikan
Gemeinsamer, ehrlicher und realistischer Blick – und ein Auftrag
Gemeinsamer, ehrlicher und realistischer Blick – und ein Auftrag
© Deutsche Bischofskonferenz

Einzigartig – so bezeichnete Kardinal Reinhard Marx die Internationale Kinderschutz-Konferenz am Sonntag, 24. Februar. „Nie zuvor hat es ein Treffen dieser Art und zu diesem Thema – dem Schutz Minderjähriger vor sexuellem Missbrauch – gegeben“, sagte Marx.

Die Vorträge und Diskussionen seien in großer Offenheit und gegenseitigem Vertrauen geführt worden. „Deutlich wurde, dass die Bereitschaft  besteht, die anstehenden Fragen beim Thema sexueller Missbrauch Minderjähriger anzugehen und zwar quer über alle Kontinente. Gerade deshalb ziehe ich eine positive Bilanz dieser Tage“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Es sei vor allem zunächst um den gemeinsamen, ehrlichen und realistischen Blick auf den sexuellen Missbrauch Minderjähriger in der Kirche, der eine schreckliche weltweite Realität sei, gegangen. „Wir tragen Verantwortung gegenüber den Opfern in aller Welt. Während der Konferenz ist deutlich geworden, dass wir Bischöfe eine gleiche Einschätzung der Situation haben. Niemand von uns kann das Problem länger negieren oder gar tabuisieren. Ich bin dankbar, dass ich in meiner Rede und in vielen Einzelgesprächen die Arbeit vorstellen konnte, die wir als deutsche Bischöfe in den zurückliegenden Jahren zum Thema geleistet haben. Gerade das war ein wichtiger Bestandteil dieser Tage: Wir haben voneinander gelernt. Da ist es gut, dass einige Bischofskonferenzen auch vorangehen“, sagte Marx.

Der Verantwortung stellen

Er persönlich habe auch im Gespräch mit den internationalen Opferverbänden durch Zuhören gelernt und verstanden. Dieser Dialog müsse weitergeführt werden.

Es seien nun verschiedene Entscheidungsebenen verantwortlich und gefordert, die Überlegungen der Konferenz von Rom umzusetzen. „Es kann nicht sein, dass alle Entscheidungen beim Heiligen Stuhl liegen. Wir Bischöfe tragen eine eigene Verantwortung und der müssen wir uns gerade bei diesem Thema stellen. Papst Franziskus hat deutlich gemacht, dass ihm das ein Anliegen ist. Entscheidend ist, dass Leitlinien verbindlich sind. Nach meiner Meinung ist es notwendig, ihre Einhaltung mit Hilfe eines Monitorings zu überprüfen“, so Marx. „Von Rom aus sollten lokale und regionale Aktivitäten unterstützt und auch Fragen des Kirchenrechts entschieden angegangen werden. Ich begrüße die heutige Ankündigung des Vatikans, dass Antimissbrauchsgesetze im Vatikanstaat und beim Heiligen Stuhl eingeführt werden, dass es einen Leitfaden für alle Bischöfe geben soll und dass eine Art ‚Taskforce‘ vorgesehen ist, mit der der Heilige Stuhl Bistümer bei der Bewältigung des Verbrechens sexuellen Missbrauchs unterstützen will und darauf schaut, dass Leitlinien wirklich konsequent umgesetzt werden.“

Abschlussansprache des Papstes

Dankbar sei Marx für die Abschlussansprache des Papstes. „Sie bestätigt in vielen Aspekten den Weg, den wir als Kirche in Deutschland eingeschlagen haben. Dazu zählen unsere Leitlinien, aber auch die umfangreiche Präventionsarbeit. Durch die Worte des Papstes können wir gestärkt die nächsten notwendigen Schritte in unseren Diözesen gehen“, sagte Marx. „Besonders hebe ich hervor, dass Papst Franziskus betont, dass in der Kirche das Pflichtbewusstsein gewachsen sei, ‚nicht nur danach zu streben, den höchst schwerwiegenden Missbräuchen durch Disziplinarmaßnahmen und zivile und kanonische Prozesse Einhalt zu gebieten, sondern auch sich dem Phänomen mit Entschlossenheit sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche zu stellen.‘ Dies und die Forderung von Papst Franziskus nach ‚Demut, Selbstanklage, Gebet und Buße‘ müssen uns aufrütteln.“ Es gehe um eine Reform der Kirche. Zudem habe Papst Franziskus als Ziel der Kirche klar formuliert, den missbrauchten, ausgebeuteten und vergessenen Minderjährigen zuzuhören, sie zu beschützen, zu bewahren und zu betreuen.  Deutlich habe der Papst betont, dass es eine Pflicht der Kirche sei, den Betroffenen jede notwendige Hilfe zukommen zu lassen. „Sein eindringlicher Appell an alle Verantwortungsträger – in Kirche und Gesellschaft – darf nicht ungehört bleiben. Das gilt auch für, wie Franziskus sagt, das ‚Übel des Klerikalismus‘, der ‚den fruchtbaren Boden für all diese Gräuel bildet‘, denn der Missbrauch geistlicher Macht ist oft der Ursprung dieser Verbrechen“, sagte Marx. Die Deutsche Bischofskonferenz werde sich in den kommenden Tagen intensiv beraten und Schlussfolgerungen ziehen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir den in Fulda im September 2018 eingeschlagenen Weg entschlossen und kontinuierlich fortsetzen werden. Die römische Tagung hat uns dazu ermutigt“, sagte Marx.