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Großes Interesse und bischöfliches Lob

Rund einhundert Teilnehmer beim ersten Rheingau Gesprächsforum mit Bischof Bätzing
Großes Interesse und bischöfliches Lob
Großes Interesse und bischöfliches Lob
Miteinander reden und einander zuhören: Große Runde beim ersten Rheingau Gesprächsforum © Jochen Reichwein
© Jochen ReichweinWas brennt Ihnen auf den Nägeln? Pfarrer Nandkisore notierte am Eingang Themenwünsche

Ein vielversprechender Auftakt für eine neue Veranstaltungsreihe: Großes Interesse und bischöfliches Lob gab´s beim ersten Rheingau Gesprächsforum am Mittwoch, 21. August. Rund einhundert Teilnehmer hatten sich an diesem schönen Sommerabend im Gemeindehaus von St. Martin in Oestrich-Winkel eingefunden. Viele von ihnen ließen sich schon vor der Tür darauf ein, Themen zu benennen, die ihnen im Blick auf die Kirche auf der Seele brennen. Ein ganzer Berg bunter Zettel lag schließlich auf dem Boden in dem sechs Stühle umfassenden kleinen Kreis in der Mitte, der sogenannten Fish Bowl, in dem Bischof Georg Bätzing eineinhalb Stunden lang mit wechselnden Diskutanten ins Gespräch kam - „hoch begeistert von diesem Format“ und dankbar für die Gelegenheit, wie er im Schlusswort sagte.

© Jochen Reichwein"Wir haben viel vor heute Abend": Thorsten Klug stimmt die Runde ein

Es gehe nicht darum, dem Bischof zu erzählen, wie toll alles funktioniere, lud Moderator Thorsten Klug, Leiter des Amtes für katholische Religionspädagogik Wiesbaden-Rheingau-Untertaunus, auch zu kritischen Beiträgen ein. In der Frage „Kirche: wohin?“ liege Dynamik, aber auch Suche und Sehnsucht, umschrieb er die Bandbreite. Von alldem war etwas zu spüren in den Wortmeldungen der Mutigen, die sich nach und nach in die Runde trauten. Die Themen reichten von der Beheimatung in der Großpfarrei und der Kommunionausgabe im Wortgottesdienst über den Frust der Katecheten und die jugendgemäße Gestaltung von Firmgottesdiensten bis zum Hass im Internet. Wenn Menschen die Definitionshoheit über den Begriff „katholisch“ beanspruchten mit dem Ziel der Ausgrenzung, „dann tut mir das weh“, sagte einer der Teilnehmer: „Ich möchte, dass alle dazu gehören.“

"Wir müssen mehr miteinander reden und einander zuhören"

Immer in derselben Blase unterwegs zu sein, führe in keinem Fall weiter, antwortete der Bischof, der hier wie überhaupt an diesem Abend ein leidenschaftliches Plädoyer für gut organisierte Kommunikation hielt: „Wir müssen mehr miteinander reden und einander zuhören.“ So genau stelle er sich den synodalen Weg der Kirche vor – und den Weg der Veränderung: „Ich will Veränderung in vielen Fragen, aber ich will auch möglichst viele dabei mitnehmen.“ Ebenfalls mit Verve forderte er die Teilnehmer zu einem Perspektivwechsel auf. „Fragen Sie die Eltern, was sie interessieren könnte an der Kirche, laden Sie sei ein, auch Bekannte, Freunde, andere Leute mitzubringen“, lautete sein Rat an einen der Teilnehmer. Der hatte von der Erstkommunionkatechese berichtet und das Desinteresse des familiären Umfeldes der Kinder beklagt.

Sich in die Ungewissheit begeben

Wieder ein anderer erzählte, wie er in seiner Heimatgemeinde in Schleswig-Holstein nach dem Gottesdienst von Ehrenamtlichen herzlich angesprochen und begrüßt worden sei. Wie könnte das auch hier realisiert werden? „Einfach machen“, ermutigte ihn der Bischof: „Endlich mal rausgehen, sich in die Ungewissheit begeben!“ Das falle zwar manch einem schwer und koste vielleicht ein bisschen Überwindung, „ist aber eigentlich ganz einfach.“

© Jochen Reichwein"Es ist schwer, loszulassen, was uns geprägt hat"
© Jochen ReichweinDie anwesenden Jugendlichen, alle engagiert in der Kirche, warben für ihre Sicht auf die Dinge

"Was macht Kirche für die junge Leute?"

Was passiere, um die Jugendlichen wieder in die Kirche zu kriegen?, fragte eine Teilnehmerin besorgt: „Und machen wir den Laden zu, wenn sie alle weg sind?“ Bischof Bätzing antwortete darauf mit einer Gegenfrage: Ob sie ernsthaft glaube, dass es gelingen könnte, sonntags wieder alle Generationen in der Kirche zu versammeln? Er glaube das nicht, so seine klare Ansage: „Wir wollen nicht kriegen“, meinte er, „und wir kriegen (sie) auch nicht.“ Dorthin gehen, wo die jungen Leute sind, zum Beispiel in die Schule, könne eine Alternative sein. Sonntags einen Gottesdienst in der Aula feiern statt im Dom. Die Luft herauslassen aus dem, "was wir schon immer so gemacht haben“, lautete seine deutliche Empfehlung, wohl wissend, dass es „furchtbar schwer“ sei, loszulassen, „was uns geprägt hat.“ Und  nicht zuletzt mit den Betroffenen selbst sprechen und fragen: „Was kann Kirche für Euch tun?“  Dass er mit dieser Einstellung im Rahmen seiner Visitation unter den jungen Leuten im Rheingau bereits Fans gewonnen hat, zeigten die hochgereckten Daumen der anwesenden Jugendlichen.

Gerade mal eine Tür aufgemacht

Als kurz vor Schluss noch zwei heiße Eisen auf den Tisch kamen, reichte die Zeit nur noch für ein kurzes Statement in Sachen Segensfeier. Der Bischof verwies auf den Prozess, der dazu im Bistum angestoßen worden ist, mit zwei Hearings und einem noch ausstehenden  Symposium. Die Ergebnisse müssten dann in die Beratung des Bistums gebracht und gemeinsam nach größeren Verabredungen gesucht werden. Er wolle in überschaubarer Zeit Menschen mit diesem Anliegen eine zugewandte Antwort geben können, sicherte er der Fragenden zu.  Die von einem Teilnehmer geäußerte heftige Kritik an einer Pfarrei vor Ort musste unbeantwortet bleiben. Zumindest für diesen Abend: Alle Themen sollen, so das Versprechen des Moderators, aufgehoben werden für die nächste Folge. Das Resümee des Gasts aus Limburg war darüber hinaus auch im übertragenen Sinn zu verstehen: "Wir haben nicht zu Ende gesprochen, sondern gerade mal eine Tür aufgemacht."

© Jochen Reichwein
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© Jochen Reichwein"Wir haben viel vor heute Abend": Thorsten Klug stimmt die Runde ein
© Jochen Reichwein

Veranstalterbündnis

Veranstalter sind die beiden Rheingauer Pfarreien St. Peter & Paul Rheingau und Heilig Kreuz Rheingau, das Katholische Bezirksbüro Rheingau und die Katholische Erwachsenenbildung Wiesbaden-Untertaunus & Rheingau.