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Heinz Erhardt verschmitzt!

Heinz Erhardt verschmitzt!
Heinz Erhardt verschmitzt!
Patrick L. Schmitz als Heinz Erhardt © Annette Krumpholz, KEB

Leicht zerstreut tippelt er auf die Bühne, steht mit hornbrillenverhangenem Unschuldsblick am Mikrofon und tupft sich mit ordentlich gefaltetem Stofftaschentuch den Schweiß von der Stirn. Der Schauspieler Patrick L. Schmitz imitiert am vergangenen Freitag im Roncalli-Haus sein großes Vorbild Heinz Erhardt nicht bloß – er ist Heinz Erhardt! Das Publikum im vollbesetzten Saal zieht der Künstler vom ersten Moment an voll in seinen Bann. Man möchte sich einkuscheln in die Sofa-Gemütlichkeit der 60er Jahre und fühlt sich in die „gute alte Zeit“ versetzt, als das gemeinsame Fernsehschauen der ganzen Familie samstags noch ein Höhepunkt der Woche war. Wenn dann Heinz Erhardt zu sehen war umso besser, schließlich gab es dann viel zu lachen.

Die fein gesponnenen Wortgebilde dieses großen Humoristen live und hautnah zu erleben, hebt die außergewöhnliche Kunst dieses Dichters und Kabarettisten noch mehr hervor. Wie kaum ein anderer verstand Heinz Erhardt es, Redewendungen zu verdrehen und poetische Pointen zu setzen.

Heinz Ehrhardt, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung Limburg, Wiesbaden
Heinz Ehrhardt, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung Limburg, Wiesbaden
Harald Hauck am Flügel

Mit großer Präsenz und  viel Gespür für Zwischentöne feiert Patrick Schmitz den großen Humoristen. Er witzelt mit vorgeschobenem Unterkiefer, schüttelt seinen Kopf so heftig, dass die üppigen Wangen wild schlackern und wirft die Beine ungelenk in die Luft wenn er sich beim Singen die Seele aus dem Leib tanzt. Das alles wirkt exakt so wie bei Erhardt selbst. Das Repertoire reicht von kurzen Zweizeilern bis hin zu ausgedehnten Klassikern wie etwa „Warum die Zitronen sauer wurden“. Dabei geht Schmitz, am Klavier begleitet von Harald Hauck, immer wieder auch aktuell auf das Publikum ein. Sehr besinnlich wird es, als der Schauspieler seine Hornbrille abnimmt und augenblicklich Körperhaltung und Stimme des Vorbilds ablegt. „Flecke“ heißt das Gedicht, das die sarkastische und düstere Seite Erhardts zeigt und nachdenklich macht über die Gräueltaten der Menschheit.

Im Gespräch nach einem Abend voll lustiger Lyrik und etlicher Zugaben verrät der aus Wiesbaden stammende Schmitz, dass er nie geübt hat, den großen Komiker zu imitieren. Vielmehr hat er bereits als Kind dessen Filme rauf und runter geschaut und ihn fortan verehrt. Heute ist es für den Schauspieler ein Herzensanliegen, die Kunst von Heinz Erhardt nächste Generationen weiterzugeben und ihn in eine Reihe zu  stellen mit Autoren wie Kästner und Ringelnatz. Schelmisch gesteht er, dass seine Kinder ihn rufen, wenn der „echte“ Erhardt im TV läuft: „Papa, du bist im Fernsehen!“

Der Abend wurde ermöglicht durch eine Kooperation der Katholischen Erwachsenenbildung Wiesbaden, Untertaunus & Rheingau und der Theatergemeinde Wiesbaden.