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Humor öffnet Türen

Dokumentation zu inklusivem Projekt erschienen
Humor öffnet Türen
Humor öffnet Türen
Die Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer beim Begegnungstag im Antoniushaus Hochheim. © Claudia Lamargese

„Humor ist eine Form, der Welt die Zähne zu zeigen – und das mit aller Ambivalenz“: Das haben eine Berufsschulklasse für Heilerziehungspflege der Limburger Marienschule sowie Bewohnerinnen und Bewohner des Hochheimer Antoniushauses bei einem besonderem Projekt gelernt. Sechs Tandems ­‑­ bestehend aus einer angehenden Heilerziehungspflegerin bzw. einem angehenden Heilerziehungspfleger und einer Person mit Behinderung aus dem Antoniushaus ­‑ haben sich mit der Frage beschäftigt, wie Inklusion und Humor zusammenpassen. Eine Dokumentation des Projektes inklusive Witzesammlung ist zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, 3. Dezember, erschienen.

Die Projektidee kam Jochen Straub, Referatsleiter für die Seelsorge für Menschen mit Behinderung im Bistum Limburg, nach einer Veranstaltung, bei der Witze über Menschen mit Behinderungen erzählt wurden. „Ich habe mich damals gefragt, darf man solche Witze erzählen und darf ich darüber lachen?“ Gemeinsam mit Tim Glogner, Lehrer für sozialpädagogische Berufe an der Marienschule, und Claudia Lamargese, Seelsorgerin im Antoniushaus, wurde die Idee verwirklicht.

Erster Eindruck per Video

Gestartet ist das Projekt, gefördert von Aktion Mensch, mitten in der Corona-Pandemie. Weil eine persönliche Vorstellung durch die damaligen Corona-Maßnahmen nicht möglich war, haben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorab in selbstgedrehten Videos vorgestellt. „Dann haben wir unsere Tandempartnerinnen bzw. -partner gewählt. Dabei haben uns die Videos geholfen“, erzählt Glogner, der neben seiner Funktion im Planungsteam auch selbst in einem Tandem mitgewirkt hat. „Ich fand das Projekt sehr spannend und wollte nachempfinden, was meine Schülerinnen und Schüler erleben“, sagt er.

Kein „Schubladendenken“

© Claudia LamargeseLehrer Tim Glogner mit Tandempartner Lucas Heymann.
© Claudia LamargeseLehrer Tim Glogner mit Tandempartner Lucas Heymann.
© Claudia LamargeseDominik Ganz (l.) mit Tandempartner Cansin Tiricuglu.
© Claudia LamargeseKrankheitsbedingt wurde aus zwei Tandems ein Dreierteam: Emily Weber, Luca Leib und Reem Zedan (v.l.n.r.).
© Claudia LamargeseAnn-Kathrin Brings (l.) mit Tandempartnerin Antonia Elisabeth Cäcilia Pabst.
© Claudia LamargeseLina Weißkerber mit Tandempartner Mohiuddin Choudari.

In einem nächsten Schritt lernten sich die Tandems per Handychat kennen. „Das war sehr individuell, locker und offen. Wir hatten ja Anknüpfungspunkte über die Videos“, beschreibt Glogner seine Erfahrungen. Und auch Cansin Tiricuglu aus dem Antoniushaus haben die Videos beim ersten Kontakt geholfen. „Durch die Videos hatten wir schon eine Idee vom anderen. Daher war ich eigentlich entspannt, auch wenn ich das vorher noch nie gemacht habe“, berichtet er. Gerade das „in Schubladen stecken“ sei nicht vorhanden gewesen in der Kommunikation der Zweiergruppen, sagt Glogner.

Etwa einen Monat später wurde ein Gruppenchat erstellt, in dem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts und das Organisationsteam zum Austausch eingeladen waren. Zu Beginn sei es ein vorsichtiges Herantasten gewesen, doch nach kurzer Zeit wurden bereits Comics von Phil Hubbe in der Gruppe geteilt, berichtet das Organisationsteam. Der Karikaturist Hubbe erhielt mit 22 Jahren die Diagnose Multiple Sklerose und thematisiert in seinen Zeichnungen auf humorvolle Art das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderungen.

Kennenlernen im Antoniushaus

Als die Corona-Pandemie wieder Kontakte zuließ, konnten sich die Projekteilnehmerinnen und -teilnehmer beim Begegnungstag in Hochheim schließlich persönlich kennenlernen. „Dabei fiel direkt auf, dass das Erzählen von Witzen im Gruppenchat viel leichter gefallen ist“, berichtet Glogner. Witze auf Knopfdruck funktionierten persönlich eher schlecht. Vielmehr sei es der spontane Humor aus natürlichen Situationen heraus gewesen, der an diesem Tag für eine gute Stimmung gesorgt habe. „Für mich wurde deutlich: Humor und Inklusion passen sehr gut zusammen. Humor lockert die Stimmung auf und dadurch ist Inklusion einfacher möglich“, sagt er. Allerdings dürfe Humor niemanden beleidigen oder ausgrenzen.

„So viel Leid und Traurigkeit eine Behinderung auch mit sich bringt – Humor ist ein wichtiges Instrument, um auch die schönen Seiten, die es mit einer Behinderung gibt, nicht aus den Augen zu verlieren“, sagt Jochen Straub vom Bistum Limburg. Durch die Tandems sei das Thema Humor auf Augenhöhe behandelt worden und es habe sich ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt. „Ich finde, man muss den Menschen klarmachen, dass Menschen mit Behinderung nicht aus Porzellan sind und dabei hilft Humor“, sagt Projektteilnehmer Cansin Tiricuglu. Deshalb fände er es auch spannend, wie ein solches Projekt mit Schülerinnen und Schülern ablaufen würde, die keine Erfahrung mit Inklusion hätten. Ideen dazu gibt es auch auf Seiten des Organisationsteams.

Dokumentation beim Referat Seelsorge für Menschen mit Behinderung erhältlich

Alle Erfahrungen, die die Gruppe in dem Projekt gemacht hat, werden im ersten Teil der Broschüre „Humor ist eine Form, der Welt die Zähne zu zeigen“ zusammengefasst. Der zweite Teil beinhaltet Witze aus dem Gruppenchat und dem Begegnungstag. Die Broschüre kann beim Referat Seelsorge für Menschen mit Behinderung per Mail an s.jost@bistumbistumlimburglimburg.de oder telefonisch unter  06431/295581 bestellt werden.

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