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Innovation am Flughafen

Drei Fragen an die Doppelspitze der Kirchenentwicklung
Innovation am Flughafen
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Als Doppelspitze der Kirchenentwicklung haben die Bischöfliche Beauftragte Juliane Schlaud-Wolf und Bischofsvikar Dr. Christof May an einem Inno-Lab bei der Fraport in Frankfurt teilgenommen. Was hinter einem Inno-Lab steckt und welche Erfahrungen die beiden dort gesammelt haben, erzählen sie im Interview.

Was verbirgt sich denn hinter einem Inno-Lab und warum wollte die Doppelspitze für Kirchenentwicklung da dabei sein?

Inno-Lab ist die Abkürzung für Innovationslabor. Unternehmen, wie zum Beispiel die Fraport, haben so etwas. Es ist eine Art kreative Etage, auf der Ideen für die Zukunft des Unternehmens geboren werden. Professionelle Inno-Coaches mit spezieller Ausbildung strukturieren dort den Prozess der Ideenfindung. Wie andere externe Ideensucher wurden wir mit offenen Armen empfangen. Wir waren mit dem gesamten Team da und haben große Gemeinsamkeiten zur Arbeit in unserem Ressort Kirchenentwicklung entdeckt. Die Erkenntnis: Damit Innovationen entstehen können, braucht es ein strukturiertes „Setting“ und einen „Schutzraum“, in dem sie sich entwickeln können – mit möglichst wenig Schere im Kopf. Uns ist aufgefallen, dass wir besonders gut ins Entwickeln und Experimentieren kommen, wenn wir uns nach draußen begeben. Alleine das Setting, die Gestaltung der Räumlichkeiten, die Vielfalt an Materialien regen zur Kreativität an. Ganz entscheidend war die Haltung, mit der uns die Coaches begegnet sind, wir haben hier im fremden Kontext die Haltung der Kirchenentwicklung erlebt. Und wir haben Menschen getroffen, die mit unserer Kirche keine oder kaum Berührungspunkte haben, aber bereit waren, mit uns zu reden. Das ist eine unverbraucht ehrliche Sicht.

Wie waren die Reaktionen darauf, dass sich Kirche „hinaus“ in die Welt der Wirtschaft und Mobilität wagt?

Durchweg positiv, tatsächlich auch etwas verwundert. Scheinbar traut man Kirche nicht mehr zu, sich hinaus zu wagen. Nichts anderes hat unser Herr Jesus getan – er war ständig draußen bei den Menschen. Spannend ist natürlich diese Wahrnehmung von Verwunderung und zugleich Impuls, sich immer wieder „raus“ zu wagen, oder vielleicht besser, sich „in die Gesellschaft „rein“ zu wagen; denn in der Peripherie sind wir schon lange, auch wenn wir uns oft noch als Nabel der Welt fühlen. Uns hat es geerdet, denn wir wurden von den Menschen berührt, denen wir begegnet sind, von dem, was sie umtreibt, der Angst, den Job zu verlieren, der Unsicherheit, wenn der vertraute berufliche Alltag wegbricht. Der Gang durch das völlig leere Terminal 2 hat uns diese radikale Unterbrechung der Normalität spüren lassen.

Welche Erfahrungen nehmen Sie mit und welche davon helfen der Kirchenentwicklung?

Wir hatten ein Aha-Erlebnis, als eine Flugbegleiterin berichtete, dass durch Corona über Nacht 90 Prozent der Passagiere weggebrochen seien. Dadurch kam das gesamte Unternehmen in Irritation, die schnelles Reaktionsvermögen forderte. Bei uns sind über die vergangenen 25 Jahre nach und nach 90 Prozent weggebrochen. Interessanterweise irritiert uns das nicht wirklich, wir haben uns daran gewöhnt und  machen – bei leichter Kurskorrektur – weiter wie bisher. Es ist deshalb gut, dass wir in Deutschland auf dem Synodalen Weg sind und wichtige Fragen der Zeit beraten. Wir hoffen hier auf gute Empfehlungen und auf wirkliche Entwicklung, damit am Ende nicht ein kleiner „heiliger Rest“ steht, der aus Tradition weiterhin „roman catholic airlines“ fliegt, während mehr als 90 Prozent Dauerkunden bei „Holy spirit flying circus“ geworden sind...

Wie geht es Erzieherinnen und Erziehern in der Notbetreuung? Mit welchen Gefühlen tritt ein Krankenhausseelsorger seinen Dienst an? Was macht ein Kirchenmusiker, wenn Chorproben und Gottesdienste ausfallen? Und wie organisieren Seelsorgerinnen und Seelsorger die Pastoral vor Ort? Das Bistum Limburg will mit einer neuen Reihe von Kurzinterviews einen Einblick in den Alltag von Menschen in Zeiten von Corona eröffnen. Alle Beiträge finden Sie auf unserer Themenseite: bistumlimburg.de/thema/drei-fragen/

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