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Jugendlichen eine Zukunft geben

Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion in Wiesbaden
Jugendlichen eine Zukunft geben
Jugendlichen eine Zukunft geben
© Jochen Reichwein
Pater Heinz, Kardinal Chávez, Jeroncio Osorio, Briseida Iglesias, Bischof Bätzing (v.l.n.r.) © Jochen Reichwein
Pater Heinz, Kardinal Chávez, Jeroncio Osorio, Briseida Iglesias, Bischof Bätzing (v.l.n.r.) © Jochen Reichwein
© Jochen Reichwein

„Es kommt darauf an, jungen Menschen nicht nur zuzuhören, sondern ihren Anliegen auch Raum und Geltung zu verschaffen.“ Das hat der Limburger Bischof Georg Bätzing bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der bundesweiten Weihnachtsaktion des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat am 29. November in der Wiesbadener Landespressekonferenz betont. „Geben wir jungen Menschen Chancen! Unterstützen wir sie in ihren Anliegen, unsere Welt verantwortlich mitzugestalten, in Deutschland und in Lateinamerika.“, sagte Bätzing und appellierte eindringlich an alle Katholiken, „sich solidarisch zu zeigen mit den Menschen in anderen Teilen der Welt“. Der Begriff Adveniat habe in Deutschland einen guten Klang. „Da sind wir nicht für uns, nicht unter der Glocke und in der Bubble, sondern da sind wir Kirche für andere“, betonte der Bischof, der auf die seit Jahrzehnten im Bistum Limburg praktizierte weltkirchliche Vernetzung hinwies.

Gottesdienst und Bühnenprogramm

Die Adveniat-Weihnachtsaktion unter dem Motto „Chancen geben – Jugend will Verantwortung“ wird am ersten Adventssonntag, 2. Dezember, mit einem weltkirchlich geprägten Gottesdienst um 11 Uhr in der Jugendkirche KANA (Kellerstraße 35) in Wiesbaden eröffnet. Junge Leute aus der Jugendkirche, aus den katholischen Jugendverbänden und Teilnehmerinnen an Freiwilligendiensten haben sich das Thema zu eigen gemacht, das Programm erarbeitet und ihm ein Gesicht gegeben. Um die Situation Jugendlicher in Deutschland und Lateinamerika geht es im Anschluss an den Gottesdienst beim Bühnenprogramm auf dem Sternschnuppenmarkt. Von 13 bis 15 Uhr stellen hier Jugendliche, Politiker und Kirchenvertreter konkrete Jugendaktionen vor. Dazu gibt es Tanz und Musik aus Lateinamerika.

Verbundheit ist gelebte Praxis

„Chancen geben und Übernahme von Verantwortung ist im Bistum Limburg nicht nur ein schönes Ziel, sondern gelebte Praxis“, sagte Bischof Bätzing. Die Verbundenheit mit den Menschen in Lateinamerika sei im Bistum Limburg in vielfacher Weise lebendig, unter anderem durch gelebte Partnerschaften. So hätten beispielsweise junge Pfadfinder aus Eschborn ihre Partnergemeinde in San Salvador besucht und erlebt, wie sehr sich dort die Jugendlichen in einem Umfeld von Gewalt und Bandenkriminalität, sozialer Ausgrenzung und Chancenlosigkeit nach Perspektiven für ihre Zukunft sehnten.

Gewaltwelle durch soziale Ungerechtigkeit

Frieden sei in El Salvador auch 26 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs nicht in Sicht, beklagte Kardinal Gregorio Rosa Chávez: „Die Wurzeln des Krieges sind geblieben – vor allem die soziale Ungerechtigkeit. Sie ist die Hauptursache für die Gewaltwelle, die El Salvador überzieht.“ Das kleinste Land Zentralamerikas hat mit 108 Morden auf 100.000 Einwohner eine der höchsten Mordraten außerhalb von Kriegsgebieten. „Wer kann, der geht“, sagte der Weihbischof von San Salvador. Drei der neun Millionen Salvadorianer leben bereits im Ausland. Die Karawane der Geflüchteten mache den Exodus jetzt sichtbar. „Aber seien wir ehrlich: Die Flüchtlingskrise gibt es auf der ganzen Welt. Überall fliehen Menschen vor Armut, Gewalt, politischer oder religiöser Verfolgung. Grenzmauern – wem muss man das in Deutschland sagen – lösen diese Probleme nicht“, betonte Kardinal Rosa Chávez. In Zentralamerika machten sich vor allem junge Menschen über die Landesgrenzen hinweg auf die Suche nach einem besseren Leben.

„Zu viele von ihnen wachsen ohne die Chance auf gesellschaftliche Partizipation auf. Zu viele von ihnen werden kulturell, ethnisch und sexuell diskriminiert. Zu viele von ihnen leiden unter Gewalt, Arbeitslosigkeit und Desinteresse seitens der Politik. Zu viele Jugendliche werden ihrer Zukunft beraubt!“, sagte Kardinal Rosa Chávez. „Mit Hilfe von Adveniat geben wir Jugendlichen die Chance auf ein würdevolles, selbstbestimmtes Leben“, betonte er. Wichtig seien dabei Friedenserziehung sowie schulische und berufliche Bildung, damit die jungen Menschen den Banden widerstehen können.

Wohlstand auf Kosten der Armen

Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz unterstrich, dass Armut kein willkürlicher Schicksalsschlag sei: „Die Menschen werden arm gemacht durch korrupte Regierungen und eine globalisierte Wirtschaft, deren Ausbeutung keine Grenzen kennt.“ Deshalb sei ein Mentalitätswechsel nicht nur in El Salvador dringend notwendig, sondern auch in Deutschland. „Unser Wohlstand geht auf Kosten der Armen“, betonte Pater Heinz. Leidtragende seien vor allem auch die indigenen Völker – wie etwa das Volk der Kuna, dem Adveniat-Aktionspartner Jeroncio Osorio angehört. „Sein Volk und seine Kultur drohen aufgrund des Klimawandels und der rücksichtslosen Ausbeutung der Rohstoffe im wahrsten Wortsinn unterzugehen. Die Zerstörung einzigartiger Ökosysteme wie in Mittelamerika und Amazonien betreffen auch uns, denn ihnen verdanken wir die frische Luft und unser Trinkwasser“, sagte der Adveniat-Chef und forderte, die jungen Indigenen bei ihrem Einsatz für den Schutz der Umwelt zu unterstützen. 

In der Heimat in Würde leben können

„Während wir auf Playón Chico noch mit dem Einbaum zum Fischen rudern und mit der Machete die Kokosnüsse von den Palmen ernten, fliegen Transportflugzeuge mit Tiefkühl-Garnelen und Mangos von Südamerika nach Europa über unsere Köpfe“, sagte Adveniat-Aktionspartner Jeroncio Osorio. In einer globalisierten Welt reiche es nicht mehr aus, ein fleißiger Fischer und ein tüchtiger Bauer zu sein. „Um der Regierung in Panama-Stadt oder den multinationalen Konzernen, die die Bodenschätze in der Region ausbeuten wollen, auf Augenhöhe zu begegnen, müssen wir unsere Rechte kennen und lernen, sie zu verteidigen“, sagte der Student. „Wer Flucht – auch jene vom Land in die Stadt – verhindern will, muss es jungen Menschen ermöglichen, in ihrer Heimat in Würde leben zu können.“ 70.000 der 100.000 Kuna sind bereits in der Hoffnung auf ein besseres Leben von den Koralleninseln im Karibischen Meer in die Stadt gezogen. Deshalb müssten Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten sowie Lebensperspektiven im regionalen Umfeld geschaffen werden. Zum Beispiel durch einen nachhaltigen Tourismus.

Berge von Plastikmüll bleiben zurück

„Die großen Kreuzfahrtschiffe steuern zwar unsere paradiesischen Inseln an. Tausende Touristen kommen für wenige Stunden, um die Kultur der Kuna hautnah zu erleben. Zurück bleiben jedoch Berge von Plastikmüll. Dadurch verlernen auch wir den wertschätzenden Umgang mit anderen Kulturen und den richtigen Umgang mit der Natur“, sagte Jeroncio Osorio bei der Pressekonferenz. Das Gegenteil werde  hoffentlich beim Weltjugendtag im Januar 2019 der Fall sein: „Wir freuen uns sehr darauf, dass Jugendliche aus der ganzen Welt zu uns kommen und sich auf ein echtes Kennenlernen einlassen. Mit Hilfe von Adveniat werden auch deutsche Pilger die indigenen Gemeinden in Panama-Stadt besuchen.“ 

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von hunderttausenden Spenderinnen und Spendern vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember.Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten mit 38 Millionen Euro rund 2.200 Projekte gefördert werden.

Unter diesen Links ist am 2. Dezember 2018 ab 11 Uhr der Live-Stream von der bundesweiten Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion in der Jugendkirche KANA zu sehen: www.domradio.de und www.adveniat.de Weitere Informationen zur diesjährigen Weihnachtsaktion von Adveniat gibt es im Internet unter www.adveniat.de/presse2018.