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Lachyoga statt Fitnessstudio

Die Kolpingsfamilie Heddernheim lädt zu einer ungewöhnlichen Sportart ein
Lachyoga statt Fitnessstudio
Lachyoga statt Fitnessstudio
Brigitte Kottwitz macht seit über 20 Jahren Lachyoga. © Bistum Limburg, Anna Parschan

Die alte Dame im gelben Jogginganzug guckt erstaunt in die Runde. Sie steht mit ihrem Rollator in einem Halbkreis neben rund 30 anderen Frauen und Männern, die sich im Gemeindehaus von St. Peter und Paul eingefunden haben. Jeder hier trägt bequeme Kleidung, Socken oder Hausschuhe. Alt und Jung sind für einen Lachyoga-Workshop der Kolpingsfamilie Heddernheim am Montag, 20. Januar, zusammengekommen. „Jetzt lachen wir alle einmal, einfach so und ohne Grund“, sagt die Lachyoga-Lehrerin Brigitte Kottwitz zu den Kursteilnehmern. Was im ersten Moment etwas eigenartig klingt, ist die Methode von Lachyoga. 

© Bistum Limburg, Anna ParschanZu Beginn ist das Lachen künstlich, am Ende kommt es ganz von alleine.

Der Mensch soll über die motorische Ebene zum Lachen kommen; ein anfangs künstliches Lachen soll in ein echtes Lachen übergehen. Brigitte Kottwitz und (Lach-)Yoga-Lehrerin und Heilpraktikerin Sandra Mandl führen die erste Übung vor. Die beansprucht vor allem die Bauch- und Brustmuskulatur.  Alle stehen im Halbkreis aufrecht, atmen tief ein, während sie die Arme heben, und halten die Luft an. Beim Ausatmen lachen alle. Die ältere Dame in gelb lacht zunächst ein wenig zaghaft mit - doch spätestens nach dem zweiten Anlauf muss auch sie wie der Rest der Runde losprusten.

Eine Runde lachen

 

Lachen ist gut für die Gesundheit

Hinter der Volksweisheit „Lachen ist die beste Medizin“ steckt wohl wirklich ein Fünkchen Wahrheit. Davon sind die Vertreter des Lachyogas jedenfalls überzeugt:  Lachen entspannt und aktiviert im Gehirn Botenstoffe, die euphorisch und glücklich machen. Die Kombination aus Klatsch-, Dehn- und Atemübungen, teils mit pantomimischen Elementen, regt zum Lachen an. Lachyoga als Sportart ist in über hundert Ländern verbreitet und soll zu Stressabbau führen. Außerdem soll das Immunsystem gestärkt und Schmerzen gelindert werden. Einen positiven Effekt bemerkt schnell Kursteilnehmer Berthold Lehner. „Ich fühle mich jetzt richtig gelöst“, sagt der 71-Jährige. Mit jeder Übung wird das Lachen lauter im Gemeindesaal. Auch die alte Dame im gelben Jogginganzug scheint ihren Rollator völlig vergessen zu haben. Lachend bewegt sie sich durch den Raum und lässt keine Übung aus.

Von der Pinguin- bis zur Löwenübung

Über Augenkontakt und spielerische Elemente in den Übungen soll es den Kursteilnehmern erleichtert werden, in ein freies Lachen sowie in einen Zustand kindlicher Verspieltheit zu gelangen. Wie das aussieht, macht Birgitt Kottwitz vor: „Ho Ho“ ruft sie und drückt ihre Arme ausgestreckt in Richtung Boden. Dann folgt ein „Ha-Ha“ , bei dem die Arme vor der Brust herausgestreckt werden. „Diese Übung lockert und trainiert die Zwerchfellmuskulatur. Denn je lockerer die Zwerchfellmuskulatur, desto leichter fällt es, in ein natürliches Lachen überzugehen“, erklärt sie. Das scheint zu funktionieren. „Irgendwann kommt man an einen Punkt, da kommt das Lachen ganz von alleine. Wie eine Schwelle, die man überschreitet“, beschreibt eine der Kursteilnehmerinnen.

Lachyoga statt Fitnessstudio

© Bistum Limburg, Anna ParschanDas gemeinsame Lachen ist beim Lachyoga auch ein wichtiger Aspekt.

„Wer zehn Minuten lacht, baut 50 Kalorien ab“, erzählt Ellen Aumüller, die als Vorstandsmitglied der Kolpingsfamilie Heddernheim die Idee zu diesem Kurs hatte. Beim Lachen würden immerhin über 17 Gesichts- und 80 Körpermuskeln beansprucht werden. Gemeinsam klopfen sich die Kursteilnehmer immer wieder Bauch, Arme, Gesicht und Beine ab. Gegähnt wird auch ganz viel - Stretching fürs Lachen sozusagen.  „Vergessen Sie das Trinken nicht“, erinnern die Yoga-Lehrerinnen immer wieder an diesem Abend. Sie empfehlen Wasser, alkoholische Getränke seien weniger gut, denn der Alkohol verhindere tiefes Atmen, das zum Lachen aber notwendig sei. „Es hat total Spaß gemacht, aber nach zwei Stunden reicht es dann auch. Am Ende war es richtig anstrengend“, sagt Daniela Lied von der Kolpingsfamilie und streicht sich über den Bauch. „Wahrscheinlich habe ich morgen Muskelkater“, meint sie lachend. Der alten Dame mit Rollator geht es sicher nicht anders - heute Abend aber verlässt sie zumindest lachend das Gemeindehaus.