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Lust auf das „Trotzdem“

Corona: Daniel Dere, Leiter der KFJ Taunus, spricht im Interview über Kinder- und Jugendfreizeiten
Lust auf das „Trotzdem“
Lust auf das „Trotzdem“
Daniel Dere.

Das Coronavirus betrifft auch zahlreiche Kinder- und Jugendfreizeit. Derzeit stehen viele Haupt- und Ehrenamtliche vor der Frage, ob und wie sie Fahrten und Freizeiten durchführen können. Drei Fragen an Daniel Dere, Einrichtungsleiter der Katholischen Fachstelle für Jugendarbeit im Taunus. Er spricht im Interview über Herausforderungen und Chancen, über andere Maßstäbe und einem notwendigen Mehr an Kreativität und Engagement. 

Viele Ehrenamtliche im Freizeitbereich haben sich der Frage gestellt: Lassen wir unsere Freizeit ausfallen oder nicht? Gibt es bei dieser Entscheidung ein richtig oder falsch?

Dere: Ein ganz klares Nein. Keine Freizeit kann in diesem Jahr so stattfinden, wie wir das oft über Jahre und Jahrzehnte gewohnt waren. Für viele ist die Vorstellung einer Freizeit mit durchgängig 1,5 Meter Abstand so abschreckend, dass sich gar keine Lust einstellt, hier überhaupt etwas auf die Beine zu stellen. Und diese Lust ist entscheidend. Ein halbherziges Programm anzubieten, dass mir als Gruppenleitenden selbst keinen Spaß bereitet, führt sicher zur Frustration bei Teilnehmenden und Veranstaltenden. Wenn ich bei allen Bemühungen zu diesem Gefühl komme, dann ist es gegebenenfalls besser, nichts zu machen. Andererseits ist eine ganze Menge möglich, wenn ich nicht den absoluten Maßstab des bisher möglichen anlege. Alle Freizeiten und Ferienspiele werden im Jahr 2020 ganz andere sein als bisher üblich. Aber vielleicht birgt genau das auch einen Schatz: bewährte Muster werden in Frage gestellt, Kreativität wird benötigt … und wer weiß: vielleicht entsteht am Ende etwas, was sogar für eine Zeit nach Corona wertvoll ist. 

Vor welchen Herausforderungen stehen die Ehrenamtlichen bei der Organisation von Freizeiten?

Die Corona-Zeit stellt die meisten Klassiker auf Freizeiten in Frage. Dort hat vieles mit Gemeinschaft zu tun, Gemeinschaft hat fast immer etwas mit Nähe zu tun. Jetzt besteht auf einmal die Anforderung, Gemeinschaft auf mindestens 1,5 Meter Abstand zu organisieren. Das ist fast schon ein Widerspruch in sich. Es braucht also dieses Jahr noch viel mehr Kreativität und Engagement als üblicherweise. Und das ist wirklich ein riesiger Anspruch. Die Teams aus Pfarreien, die ich kenne und zum Teil unterstützen darf, stürzen sich aber mit richtigem Elan in die Sache. Das „Trotzdem“, das ich vielerorts spüre, hat richtig viel Kraft. 

Corona stellt alles auf den Kopf. Und ich bin selbst über vieles traurig und genervt, was dieses Jahr nicht stattfinden kann. Gleichzeitig wird bei mir die Lust immer stärker zu schauen, was eben mit Corona dennoch verantwortbar möglich ist. Diese Lust auf das „Trotzdem“ möchte ich an viele weitergeben. Ich finde, dass passt gut zum „katholisch sein“ … da ist uns das Gefühl des „Trotzdem“ ja auch schon vor Corona ein bekanntes Gefühl, das oft schon ganz viel Kreativität und Veränderung ermöglicht hat.

Was sollte bei der Planung der Freizeiten unbedingt beachtet werden?

Die „Königsregeln“ dieses Sommers werden wohl immer „Abstand“ und „Hygiene“ heißen. Also immer mindestens 1,5 Meter Abstand, immer ein höchstmögliches Maß an Hygiene. Und damit ist ein ziemlich herausfordernder Rahmen gesetzt, der aber unbedingt berücksichtigt werden muss. Wir haben hierzu Musterkonzepte für Freizeitformate entwickelt. Außerdem haben die Fachstellen und Jugendkirchen und die Jugendverbände des Bistums eine Vielfalt von Anleitungen, Spielideen und Methoden für Gruppenstunden und Freizeiten zur Verfügung gestellt. 

Alles, was hier eingestellt ist, achtet die Bedingungen der Corona-Zeit und sorgt dennoch für positive Erfahrungen und Spaß. So sind dort zum Beispiel über 50 Anleitungen für Gruppenspiele zu finden, die die genannten Regeln achten. Daran kann man sich sehr gut orientieren. Gleichzeitig: Wenn dieser herausfordernde Rahmen nicht als positive Herausforderung angenommen wird, also die Haupt- und Ehrenamtlichen nicht aus Pflichtgefühl agieren, sondern mit Spaß an die Sache gehen, nur dann können Angebote in diesem Rahmen auch wertvoll werden. Corona macht einfach alles anders … aber, wie gesagt, das muss langfristig kein Schaden sein. 

Natürlich können sich Hauptamtliche sowie Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter auch gerne an die Fachstellen und Jugendkirchen bzw. an ihre Verbandsreferenten wenden und um direkte Unterstützung bitten. Seitens der KFJ Taunus unterstützen wir seit Anfang Mai die Pfarreien in den beiden Bezirken Hoch- und Main-Taunus mit Ideen, Vernetzung und direkter Unterstützung. So sind schon verschiedene digitale Schnitzeljagden und ein Urban Gardening Projekt (der Hoffnungsgarten in Oberursel) entstanden. Im Bereich der Firmpastoral laden wir die Verantwortlichen aus den Pfarreien zu einem Austauschtreffen ein. Außerdem begleiten wir eine Reihe von Gebetsabenden sowohl in Kelkheim als auch in Oberursel. In Hattersheim unterstützen wir die Erarbeitung des Institutionellen Schutzkonzeptes. Und für die Ferienzeit bieten wir direkte Unterstützung für Ferienspiele an verschiedenen Orten an. Es ist klasse, wie viele Ideen sich durch dieses Angebot bereits entwickelt haben und wie viele Ideen sich schon absehen lassen. Alle Infos zu unseren Unterstützungen für die Pfarreien im Hoch- und Main-Taunus finden sich auf unserer Homepage www.jugendimtaunus.de

Und zuletzt: Natürlich gibt es die bewährten finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten. Über den Diözesanjugendplan werden weiterhin Zuschüsse ausgeschüttet, auch wenn sich Maßnahmen kurzfristig verändern oder sogar abgesagt werden müssen. Hier gibt es echte Unterstützung auch für den Fall, dass vor Ort in diesem Sommer nichts stattfinden kann. 
 

Wie geht es Erzieherinnen und Erziehern in der Notbetreuung? Mit welchen Gefühlen tritt ein Krankenhausseelsorger seinen Dienst an? Was macht ein Kirchenmusiker, wenn Chorproben und Gottesdienste ausfallen? Und wie organisieren Seelsorgerinnen und Seelsorger die Pastoral vor Ort? Das Bistum Limburg will mit einer neuen Reihe von Kurzinterviews einen Einblick in den Alltag von Menschen in Zeiten von Corona eröffnen. Alle Beiträge finden Sie auf unserer Themenseite: bistumlimburg.de/thema/drei-fragen/

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