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Miteinander und nicht füreinander träumen

Kundschafter sammeln erste Eindrücke und Erkenntnisse auf den Philippinen
Miteinander und nicht füreinander träumen
Miteinander und nicht füreinander träumen
© Bistum Limburg

Nach dem der erste Tag durch das Ankommen auf den Philippinen nach der 32 Stunden langen Reise geprägt war, ging es am zweiten Tag darum, die Arbeit und das Team des Pastoralinstituts Bukal ng Tipan kennenzulernen. Außerdem bekamen die 20 Kundschafter aus dem Bistum Informationen zum Leben auf den Philippinen, zur kirchlichen Situation, zur Gesellschaft und zur Kultur. Und die Gruppe startete zur ersten Exposure.

Kirche, die sich anders organisiert

Vom Geist des zweiten Vatikanischen Konzils geprägt, entwickelte Pater Mark Lesage in den 1970er Jahren die Idee, das Kirche auf den Philippinen anders organisiert und partizipativer werden muss. Wie diese Idee umzusetzen war, wusste er damals noch nicht. Der Bischof habe damals den Mut gehabt, ihm eine Pfarrei anzuvertrauen und ein Experiment zu starten, das genau dieser Idee folgte. Pater Mark machte sich auf die Suche, interessierte sich für weltkirchliche Entwicklungen und fand schnell Kontexte, in denen sich in Sachen Partizipation etwas tat: In Südafrika erlebte er „eine andere Kirche“. Er erfuhr, dass die Stimme von Laien gehört und wie Mitgestaltung dort gelebt wurde. „Voller Begeisterung kehrte ich auf die Philippinen zurück. Zehn Jahre lang predigte und lehrte ich zum Thema. Nach all den Jahren waren die Leute aber müde geworden mir zuzuhören. Und ich war auch müde geworden, den Menschen etwas über Partizipation zu erklären“, sagt Mark.

Nach dieser Ernüchterung und einer Phase der Selbstreflexion kam er zu folgender Erkenntnis: „Mir war plötzlich klar, dass ich für die Leute träumte und nicht mit ihnen“, erklärt Pater Mark. Er fing an, „Mitstreiter“ einzuladen, die von ihren Erfahrungen berichteten und die Mut machten, gemeinsam eine Vision von Kirche zu entwickeln. Es habe lange gedauert, bis man einer Antwort auf die Frage, wie sich die Idee einer partizipativen Kirche auf den Philippinen verwirklichen lasse, näher gekommen sei. „Es gab zwei große Lernquellen für uns. Die erste waren unsere eigenen Fehler. Die zweite war der Austausch mit anderen“, sagt Mark. 

Heute ist das achtköpfige Team des Pastoralinstituts viel unterwegs, um den Austausch zu fördern, um über Erfahrungen zu sprechen, um spirituelle Impulse zu geben und um Menschen auf ihrem Glaubensweg zu begleiten. „Unsere Hauptaufgabe ist es, Zeugnis für ein gemeinschaftliches Glaubensleben zu geben“, so der Pater. Es sei wichtig, dass Menschen Gott erleben können und dass sie mit anderen in Kontakt gebracht werden. 

Kundschafter einer anderen Lebenswirklichkeit

Am Nachmittag startete die Gruppe zu ihrer ersten Erkundung, der Exposure. Sie besuchten eine Hazienda, eine Farm, in Bacolod und die Stadt selbst. Bei der Exposure geht es darum, dass sich die Kundschafter der konkreten Lebenssituation der Menschen vor Ort aussetzen und es zu einem interkulturelle Dialog kommt. „Das, was wir hier sehen und erleben, ist echt. Die Menschen haben sich freiwillig dafür entschieden mit uns in einen Austausch zu kommen und uns Einblicke in ihr Leben zu geben“, erklärte Pfarrer Andreas Unfried. Es gehe bei der Exposure immer auch darum, Brücken zu bauen, authentisch zu sein und die Einladung zum Kennenlernen anzunehmen. Dies taten die Kundschafter und erlebten, wie sehr sie diese Begegnungen und Erfahrungen innerlich bewegten. Nicht wenige waren von der „krassen Armut”, die ihnen in der Hazienda aber auch in der Stadt begegnete, getroffen, weil sie sie so nicht erwartet hatten. Sie waren aber auch beeindruckt, weil sie Menschen kennenlernten, die es geschafft haben, aus ihrer Perspektivlosigkeit auszubrechen und für sich und für andere Perspektiven zu entwickeln. Sie trafen Menschen, die stolz auf ihr Leben und auf ihren Glauben sind. Sie erfuhren, wie das Zusammenleben unter ärmsten und schwersten Umständen funktioniert und mit welchem Gottvertrauen Alltag gestaltet wird. Und sie lernten neue, andere Glaubensformen und religiöse Praktiken kennen. 

© Bistum Limburg
© Bistum LimburgEine Gruppe von 20 Ehren und Hauptamtlichen ist zurzeit auf Exkursion auf den Philippinen.
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