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Sommerkino auf dem Dach

Frankfurter Haus am Dom zeigt Filme voller Musik, Liebe und Politik
Sommerkino auf dem Dach
Sommerkino auf dem Dach
© D. Wiese-Gutheil/Haus am Dom

Auf der Leinwand aktuelle, spannende Spielfilme, daneben der Blick auf die neue Frankfurter Altstadt, die Hochhauskulisse und den Taunus: Auf der Dachterrasse des Hauses am Dom, Domplatz 3, ist vom 19. Juli bis zum 11. August  wieder Freiluftkino mit der schönsten Aussicht Frankfurts angesagt.

Gezeigt werden acht aktuelle Spielfilme: „A star is born“ mit Lady Gaga, „Gundermann“, der das kurze und intensive Leben des Baggerfahrers und DDR-Liedermachers Gerhard „Gundi“ Gundermann (1955-1998) nachzeichnet, der feinsinnige Liebesfilm „In den Gängen“, die Politdramen „Styx“, „Cold War“ und „Im Labyrinth der Erinnerung/Los versos del olvido“ (OmU) sowie die Road-Movies und Liebesgeschichten „303“ und „Adam & Evelyn“.

Alle Filme werden an jeweils drei Abenden gezeigt. Filmstart ist um 20.30 Uhr. Bei Regen finden die Filmabende im Großen Saal statt. Der Eintritt kostet 11 Euro, ermäßigt, 9 Euro, Dreierkarte für 27 Euro. Vorverkauf im Haus am Dom, Domplatz 3, Mo- Fr 9-17 Uhr, oder online hier.

Die Filme 2019

A star is born

136 min, USA 201, Regie: Bradley Cooper

In einer Bar entdeckt eine berühmte Country-Musik-Ikone eine Sängerin. Nach anfänglichen Unsicherheiten verlieben sich beide ineinander, und der Star ebnet ihr den Weg zur großen Musikkarriere. Doch der von Alkohol und Drogen gefährdete Mann profitiert letztlich nicht von der Beziehung. Eine ebenso archetypische wie melodramatische Geschichte von den Unbilden des Showgeschäfts. Eine große Liebesgeschichte mit eindrücklicher Musik und nicht wenigen Statements gegen das erbarmungslose Musikbusiness… und: natürlich mit viel Glamour um die Hauptdarstellerin Lady Gaga. - Ab 14.

 

In den Gängen

120 min Deutschland 2018, Regie: Thomas Stuber

Ein junger Mann fängt nach seiner Entlassung aus dem Knast als Mitarbeiter in einem Großmarkt an, wo er sich schnell eingewöhnt, weil ihn ein älterer Kollege unter die Fittiche nimmt und er sich überdies in eine Angestellte verliebt. Der leise, feinsinnige Film entfaltet eine subtile Liebesgeschichte mit großem atmosphärischem Zauber, ausgefeilten Alltagsdialogen und einem großen Augenmerk auf die scheinbar banale Arbeitswelt. Ästhetisch knüpft die Inszenierung an eine (post-)sozialistische Kunstauffassung an, die Hochkultur und Arbeiterklasse versöhnen wollte. In seiner sublimen Ästhetik und Dezenz hebt sich der stille, hervorragend besetzte Film wohltuend ab. - Sehenswert ab 14.

 

Styx

95 min, Deutschland/Österreich 2018, Regie: Wolfgang Fischer  

Auf einem Segeltörn von Gibraltar Richtung Südatlantik trifft eine deutsche Ärztin mit ihrer Yacht auf ein havariertes Flüchtlingsschiff. Die alarmierte Seenothilfe fühlt sich jedoch so wenig verantwortlich wie ein Containerschiff. Das sich in der Folge abspielende menschliche Drama entspinnt sich als Thriller, der vor dem Hintergrund des offenen Meeres auf den europäischen Diskurs um die Seenotrettung afrikanischer Flüchtlinge zielt. Der bedrängende Film entkommt immer wieder der Versuchung, die gezeigte tragische Komplexität zugunsten einer didaktischen Mechanik aufzulösen und überzeugt als präzise inszenierte Allegorie. - Sehenswert ab 14.

 

Gundermann

127 min, Deutschland 2018, Regie: Andreas Dresen

Biografischer Film über das kurze und intensive Leben des Baggerfahrers und Liedermachers Gerhard „Gundi“ Gundermann (1955-1998), der in seiner filmisch-musikalischen Form die charakterliche Komplexität des Künstlers ebenso vermittelt wie die Widersprüchlichkeit des Lebens in der DDR. Die assoziative Dramaturgie will über den eigensinnigen Freigeist nicht urteilen, sondern sich von seiner inneren Zerrissenheit berühren lassen. Eine aus Alltagsbeobachtungen entwickelte, in der Hauptrolle kongenial interpretierte Annäherung an einen vielschichtigen Menschen in einem untergegangenen Land. - Sehenswert ab 14.

 

Cold War

88 min, Polen/Großbritannien/Frankreich, 2018, Regie: Pawel Pawlikowski

In der Nachkriegszeit werden ein polnischer Komponist und eine junge Elevin des „Mazowsze“-Ensembles ein Paar, dessen wechselvolle Geschichte durch die Wirren des Kalten Kriegs hindurch bis weit in die 1960er-Jahre in visuell ungemein starken schwarz-weiß-Bildern entfaltet wird. Die melancholische Elegie verwebt Blicke, Gesten und die magische Präsenz der Darsteller mit kulturhistorischen Zitaten zu einem elegant gesponnen Netz aus Auslassungen und Leerstellen. Ein Melodrama zwischen Existenzialismus, Cool Jazz und Nouvelle Vague, in dem der rigide Staatsapparat und die politische Großwetterlage schließlich alle Hoffnungen zunichtezumachen scheinen. - Ab 16.

 

Los Versos del Olvido - Im Labyrinth der Erinnerung

92 min, F/D/NL/Chile 2017, Regie: Alireza Khatami

Ein alter Mann arbeitet im Leichenschauhaus auf einem südamerikanischen Friedhof. Die Spuren von Diktatur und staatlichem Terror sind in der jungen Demokratie noch immer spürbar, auch wenn sich die Gesellschaft ins Vergessen flüchtet. Als der Alte von einer Todesschwadron überfallen wird, entschließt er sich, aktiv gegen die kollektive Amnesie anzugehen. Der poetische Film verbindet auf meisterhafte Weise politische Motive mit magischem Realismus und einer kafkaesk-grotesken Atmosphäre. Der Friedhof und das Leichenschauhaus werden darin zu Metaphern für eine Gesellschaft, die ihre Vergangenheit nicht bewältigt und keinen Frieden findet. - Sehenswert ab 14.

 

303

139 min, Deutschland 2018, Regie: Hans Weingartner

Ein junger Mann und eine gleichaltrige Frau lassen ihre Studien und Berlin hinter sich, um nach Südeuropa zu reisen. Auf einer Autobahnraststätte lernen sie sich kennen. Gemeinsam geht es im alten Wohnmobil der Frau nach Köln, Frankreich und Spanien. Dabei bleibt ihnen viel Zeit, um miteinander zu reden und sich kennenzulernen. Eine magische Mischung aus Road Movie und Liebesgeschichte, die in ungekünstelten, leichtfüßigen Dialogen viel über die Befindlichkeit junger Menschen erzählt und dabei auch politische und soziale Probleme anreißt. Nebenbei geht es auch um ein Europa ohne Grenzen. In den beiden Hauptrollen intensiv und natürlich gespielt. - Sehenswert ab 14.

 

Adam und Evelyn

100 min, Deutschland 2018, Regie: Andreas Goldstein

Im Spätsommer des Jahres 1989 – also vor genau 30 Jahren – trennt sich eine Frau von ihrem Mann und fährt mit Freunden in den eigentlich für das Paar geplanten Urlaub nach Ungarn. Er reist ihr nach, um sie wiederzugewinnen. Gemeinsam suchen sie dann im Westen doch einen Neuanfang. Die Adaption des gleichnamigen Wenderomans von Ingo Schulze rafft und verdichtet die vielschichtige Vorlage. Durch unwirkliche Bilder und knappe Dialoge erweckt der tragikomische Film in lose verknüpften Episoden das stillgestellte Lebensgefühl der Wendezeit, die Sprachlosigkeit einer ganzen Generation und ihre innere Zerrissenheit eindringlich zum Leben. - Ab 14.