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Stellungnahmen aus dem Bistum

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© felixschmitt.com

Die Verweigerung des „Nihil obstat“ für die Wiederwahl von P. Ansgar Wucherpfennig zum Rektor der Hochschule St. Georgen durch den Vatikan macht uns fassungslos. Die Maßregelung des unbescholtenen und in Frankfurt sehr geschätzten Wissenschaftlers durch die römischen Behörden wird offenbar mit Aussagen von ihm zum Thema Homosexualität und zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare begründet. Wir halten die Anregungen von P. Wucherpfennig zu diesen Themen für einen wichtigen Diskussionsbeitrag und sind ihm dafür sehr dankbar. Die zutiefst erschreckenden Erkenntnisse der MHG-Studie zum Missbrauch an Minderjährigen in der katholischen Kirche machen deutlich, dass auch der pathologische Umgang der Kirche mit dem Thema (Homo-)Sexualität sexualisierte Gewalt begünstigt. Der Versuch, das offene Gespräch über Sexualfragen innerhalb der Kirche zu unterbinden, ist daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt genau das falsche Signal. Der Frankfurter Stadtsynodalrat hat sich dafür ausgesprochen, Rituale für Segensfeiern mit gleichgeschlechtlichen Ehepaaren zu entwickeln. Vielen von uns Pfarrern begegnen in unseren Gemeinden immer wieder Paare, die sich für ihren gemeinsamen Weg den Segen der Kirche wünschen. Wir unterstützen diesen Wunsch mit Nachdruck. Im Vatikan meint man offenbar immer noch, missliebige Positionen aus der Welt schaffen zu können, indem man diejenigen mit Sanktionen belegt, die sie äußern. Dieses Verhalten ist das genaue Gegenteil von dem „offenen Dialogs ohne Vorurteile“, den Papst Franziskus sich für die Kirche wünscht. Nur dieser macht uns aber als Kirche in einer offenen Gesellschaft, insbesondere in einer Stadtgesellschaft wie in Frankfurt, gesprächsfähig. Die Zeiten, wo Menschen – auch Amtsträger in der Kirche – sich von römischen Behörden vorschreiben lassen, worüber nachgedacht und diskutiert werden darf, sind Gott sei Dank endgültig vorüber. Als Pfarrer begrüßen und unterstützen wir die Position unseres Bischofs Georg Bätzing, der sich nachdrücklich für die Erneuerung des „Nihil obstat“ für P. Wucherpfennig einsetzt. Wir erklären unsere uneingeschränkte Solidarität mit P. Ansgar Wucherpfennig und erwarten, dass er seine Tätigkeit als Hochschulrektor in St. Georgen bald wieder aufnehmen kann.

Die Pfarrer der katholischen Pfarreien in Frankfurt

Anto Batinic, Joachim Braun, Holger Daniel,  Johannes zu Eltz,  Rolf Glaser,  Hanns-Jörg Meiller,  Joachim Metzner, Uwe Michler (Pfr. em.),  Werner Portugall,  Werner Otto,  Martin Sauer

Die Pastoralkonferenz Frankfurt, in der die leitenden Pfarrer, hauptamtliche pastorale Mitarbeiter der Frankfurter Pfarreien, ein Vertreter der muttersprachlichen Gemeinden und Mitarbeitende des Stadtkirchenbüros als beratendes Gremium mit dem Stadtdekan arbeiten, schließt sich der „Erklärung der Frankfurter Pfarrer der katholischen Pfarreien“ uneingeschränkt an, solidarisiert sich mit Pater Ansgar Wucherpfennig und erwartet die Wiedereinsetzung von ihm als Rektor der Hochschule St. Georgen.

Die Konferenz der Gemeindereferenten in Frankfurt schließt sich der „Erklärung der Frankfurter Pfarrer der katholischen Pfarreien“ uneingeschränkt an, solidarisiert sich mit  Pater Ansgar Wucherpfennig und erwartet die Wiedereinsetzung von ihm als Rektor der Hochschule St. Georgen.

Frankfurt, den 11. Oktober 2018

Lori Bemb, Beate Bendel, Miriam Book, Sabine Christe-Philippi, Martin Dorda, Luzia Goihl, Barbara Kaltwasser-Flora, Angela Köhler, Nathalie Korff, Claudia Lamargese, Petra Löbermann, Verena Nitzling, Jürgen Rottloff, Martin Rossbach, Heike Roth, Christine Sauerborn-Heuser, Ute Schüssler-Telschow, Isabel Sieper, Regina Weleda, Jörg-Harald Werron, Ursula Winter, Gabriele Braun

Mit Verwunderung und Unverständnis hat der Vorstand des Berufsverbands der PastoralreferentInnen und -assistentInnen im Bistum Limburg zur Kenntnis genommen, dass die Glaubenskongregation das „nihil obstat“ für die weitere Amtszeit von Prof. Dr. Ansgar Wucherpfennig SJ als Rektor der Hochschule von St. Georgen noch nicht erteilt hat. Wir begrüßen, dass der Bischof von Limburg, Dr. Georg Bätzing und der Provinzial der Jesuiten in Deutschland, P. Johannes Siebner SJ, sich für ein „nihil obstat“ des zum Rektor gewählten P. Wucherpfennig SJ einsetzen. Ebenso begrüßen wir die Stellungnahme der aktuellen und ehemaligen Studierenden und Mitarbeitenden der Hochschule St. Georgen sowie die Erklärung der Frankfurter Pfarrer.

Es ist beschämend, dass offenkundig aufgrund des Einsatzes für homosexuelle Menschen und einer biblisch begründeten Stellungnahme dazu die Unbedenklichkeitserklärung nicht rechtzeitig erfolgt.

Gerade in der Zeit, in der die katholische Kirche

·        sich darum bemüht, homosexuell veranlagte Menschen nicht weiter zu verurteilen (so Papst Franziskus) oder zu diskriminieren,

·        nach Antworten auf die schrecklichen Ergebnisse der Missbrauchsstudie sucht und

·        in Rom bei der Jugendsynode junge Menschen nach ihrer Wahrnehmung befragt,

wäre es ein wichtiger Schritt, dass das „nihil obstat“ nicht nur unverzüglich erfolgt, sondern zugleich mit einer Würdigung für den vielfältigen  Einsatz von P. Wucherpfennig SJ verbunden ist.

Frankfurt, 10. Oktober 2018

Vorstand des Berufsverbands der PastoralreferentInnen und -assistentInnen Limburg

Andreas Böss-Ostendorff, Rainer Dämgen, Bettina Ickstadt, Andreas Kratz und Ines Portugall

Mit Empörung reagieren wir auf die Verweigerung des ‚Nihil obstat‘ zur Wiederwahl von Prof. Ansgar Wucherpfennig SJ zum Rektor der Philosophisch-Theolo­gischen Hochschule St. Georgen. Der Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität verurteilt diese Verweigerung durch den Vatikan entschieden. Wir sehen darin einen Angriff auf die Integrität und Reputation eines in wissenschaftlichen Fachkreisen hochgeschätzten und weithin anerkannten Kollegen und eine extreme Gefährdung der Freiheit theologischer Forschung und akademischer Selbstverwaltung. Wir möchten alle Kolle­gin­nen und Kollegen der katho­li­schen Theologie motivieren, diesem Skandal mit Ent­schie­denheit entgegen zu treten. Die für die Verweigerung des ‚Nihil obstat‘ Verantwort­li­chen fordern wir dringend auf, ihre Entscheidung zu überdenken und zu korrigieren.

Wir, die Professoren des Fachbereichs Katholische Theologie, haben über viele Jahre Pater Wucherpfennig als einen in fachlicher wie menschlicher Hinsicht herausragenden und vorbildlichen Kollegen erlebt. Als langjähriger Rektor der Hochschule St. Georgen war er maßgeblich daran beteiligt, dass die Kooperation in Forschung und Lehre zwischen der Hochschule und dem Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität in den letzten Jahren erfolgreich ausgebaut und vertieft werden konnte. Pater Wucherpfennig ist maßgeblich für die vertrauensvolle und wertschätzende Atmosphäre verantwortlich, in der sich Lehrende und Studierende der beiden Standorte der katholischen Theologie in Frankfurt begegnen.

Es macht uns fassungslos, dass ausgerechnet in Zeiten, in der die katholische Kirche durch die skandalösen Fälle massenhaften sexuellen Missbrauchs in der Öffentlichkeit und in den Ge­mein­den so viel Vertrauen verspielt hat, die von seelsorgerlicher Verantwortung getragenen Stellungnahmen von Professor Wucher­pfennig zur biblischen Bewertung von Homosexualität zensiert und abgestraft werden. Hier wird die Kompetenz eines renom­mierten Theologen und Hochschulleiters aus durchsichtigen kirchen­politi­schen Motiven in Misskredit gebracht.

Wir unterstützen ausdrücklich die Stellungnahme des Bischofs von Limburg Georg Bätzing, der sich eindeutig hinter Pater Wucherpfennig stellt. Wir sehen darin eine große Ermutigung und Wertschätzung selbständiger und freier akademischer Forschung innerhalb der katholi­schen Theologie. Wir erklären uns solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen, die von diesem verstörenden Vorgehen betroffen sind, besonders aber mit dem von uns sehr geschätzten Kollegen Ansgar Wucherpfennig, mit dem wir uns verbunden fühlen.

 

Statement des AStA der Hochschule Sankt Georgen zum

Ausbleiben der Unbedenklichkeitserklärung gegenüber dem

gewählten Rektor P. Ansgar Wucherpfennig SJ

Frankfurt am Main, den 12. Oktober 2018

Die Studierenden der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen sind schockiert,

fassungslos und äußerst besorgt darüber, dass der Vatikan Pater Ansgar Wucherpfennig SJ bis dato

eine Unbedenklichkeitserklärung für eine weitere Amtszeit als Rektor verweigert. Gerade zu

Semesterbeginn herrscht große Verunsicherung, wie es für uns und unseren Rektor weitergeht.

Wir finden das Verfahren vollkommen intransparent und inakzeptabel. Welche konkreten Gründe

gibt es für die Verzögerung? Aus unserer Sicht war seit Ende Juni genügend Zeit, die Unklarheiten zu

beseitigen. Das ist bis heute allerdings nicht geschehen. Ebenso gab es nach unserem Wissen noch

keine Möglichkeit des direkten Dialogs zwischen P. Wucherpfennig und dem Vatikan.

Uns erscheint dieses Vorgehen des Vatikans inkonsequent. Auf der aktuellen Jugendsynode regt der

Vatikan zum Dialog über brisante Themen an. Dies hat auch P. Wucherpfennig in seinem Interview

2016 getan. Gesellschaftspolitische Themen müssen diskutiert werden dürfen. Nach unserer

Auffassung würde der Vatikan mit seiner Entscheidung eine offene akademische Diskussion in der

Frage zum Umgang mit Homosexualität unterdrücken. Vor diesem Hintergrund sind wir besorgt, dass

dies auch in Bezug auf andere Themen zukünftig nicht mehr möglich sein könnte. Die Aussage des

Sekretärs der Jugendsynode, dass „die Kirche […] bereit [ist], die Stimme, die Gefühle, den Glauben

und auch die Zweifel und Kritiken der jungen Menschen anzuhören“, wird damit unglaubwürdig.

Abgesehen davon hat P. Wucherpfennig nach Ansicht eines Großteils der Studierenden lediglich eine

exegetische Aussage gemacht. Auch das Kirchenrecht gesteht eine wissenschaftliche Freiheit zu, die

gerade in Deutschland eine ausgeprägte Tradition besitzt.

Unserem Empfinden nach hat P. Wucherpfennig bisher im kirchlichen und theologischen Interesse

gehandelt. Deshalb fordern wir, dass er Rektor der Hochschule bleibt und erwarten ein transparentes

Vorgehen sowie eine zeitnahe Entscheidung.

AStA der Hochschule Sankt Georgen

v.i.S.d.P. Hannah Falkenstein (Erste Vorsitzende) und Stefan Reck (Stellvertretender Vorsitzender)

 

Katholisch-Theologischer Fakultätentag

Vereinigung der Arbeitsgemeinschaften für Katholische Theologie

Deutsche Sektion der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie

Agenda – Forum katholischer Theologinnen

Mit großer Sorge und mit Unverständnis haben wir die Verweigerung des römischen Nihil obstat anlässlich der Wiederwahl von Prof. Dr. Ansgar Wucherpfennig SJ zum Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen zur Kenntnis genommen.

In erster Linie sehen wir darin einen in Form und Inhalt nicht zu rechtfertigenden Angriff auf einen verdienten Theologen, Seelsorger und Ordensmann. Wir sprechen ihm hiermit unsere uneingeschränkte Solidarität aus. Zugleich geht es nicht allein um einen Einzelfall, sondern um ein Grundproblem kirchlicher Kommunikation: Einmal mehr wird versucht, ein theologisch und pastoral drängendes Thema disziplinarisch zu „erledigen“ und zu tabuisieren, anstatt dessen dringend nötige Klärung in einem offenen theologischen Prozess zu fördern. In dieser Verweigerung des Dialogs sehen wir ein Zeichen jenes Missbrauchs von Macht, der gerade vor dem Hintergrund der jüngst veröffentlichten Untersuchung zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland als Grundproblem scharf kritisiert wird. Die römische Maßnahme steht etwa der Aussage von Kardinal Marx diametral entgegen: „Machtstrukturen gefährden alle Religionen, besonders aber uns. Deshalb wollen und müssen wir von der Gesellschaft lernen. Wichtig ist eine konstruktive und begleitende Kritik aus allen Bereichen. Wir wollen die Kritik auf- und ernst nehmen!“ (Statement beim Michaelsempfang in Berlin am 10.10.2018)

Wir sehen in der Verweigerung des Nihil obstat für P. Wucherpfennig aber auch einen schweren Angriff auf die Freiheit und Unabhängigkeit theologischer Forschung und akademischer Selbstverwaltung. Die akademische Theologie in Deutschland steht in kritischer Loyalität gegenüber dem römischen Lehramt. Verbundenheit mit ihrer eigenen Tradition bedeutet für die theologische Forschung und Lehre, innovativ und produktiv an der Vermittlung von Lehre und Leben, von Glaubensüberlieferung und Glaubensausdruck in der pluralen Lebenswirklichkeit zu arbeiten. Mit schriftlichen Ermahnungen und der Androhung von Disziplinarmaßnahmen, wie sie jüngst – nicht nur – im Fall Wucherpfennig stattgefunden haben, wird die offene Fortschreibung von Lehre und Praxis verhindert. Dadurch wird es aber auch unmöglich, die gravierenden innerkirchlichen Missstände, die im aktuellen Missbrauchsskandal offenbar geworden sind, aufzuklären, in ihrer Tragweite und ihren Ursachen zu erforschen. Wenn kirchliche Verantwortungsträger den Beitrag der Theologie zur Überwindung der fundamentalen Kirchenkrise gering schätzen bzw. disziplinarisch zurückweisen, tun sie nicht nur den betroffenen Theologinnen und Theologen Unrecht, sondern schaden auch der Kirche.

Es gehört zum Auftrag der Theologie als Wissenschaft, auch solche Themen zu bearbeiten, in denen die kirchliche Lehre für die meisten Zeitgenossen unverständlich und nicht mehr rezipierbar erscheint. P. Wucherpfennig hat dies wissenschaftlich wie pastoral verantwortungsvoll getan. Wenn Theologinnen und Theologen, die zu Fragen von Sexualität, Macht und Geschlechtergerechtigkeit forschen, mit Verurteilungen bedroht werden, verschärft das den aktuellen Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust in kirchliche Amts- und Machtstrukturen dramatisch.

Gegenwärtig werden wir Zeugen von widersprüchlichen Signalen des römischen Lehramts. Einerseits wird Dezentralisierung gefordert, andererseits Zentralisierung praktiziert. Einerseits wird Aufklärung des Missbrauchs gefordert, andererseits Aufklärung über

Machtmissbrauch verweigert. Einerseits wird die Theologie als ‚kulturelles Laboratorium‘ gefordert, das an die Grenze und darüber hinausgehen soll, um in Fortschreibung einer lebendigen Tradition aus dem Glauben heraus für neue Herausforderungen neue Antworten zu suchen (vgl. Papst Franziskus, Veritatis gaudium), andererseits werden Theologinnen und Theologen, die das in wissenschaftlicher Redlichkeit und in Loyalität zur Kirche tun, in jüngster Zeit von der Bildungskongregation in Zusammenarbeit mit der Glaubenskongregation inkriminiert und eine Abweichung von traditionellen Lehren diskussionslos sanktioniert.

Wir danken ausdrücklich den Bischöfen, die sich dafür einsetzen, die Wissenschaftsfreiheit der Theologie zu ermöglichen und die Integrität von Theologinnen und Theologen zu schützen. Wir unterstützen nachdrücklich die Bischöfe, die Pater Wucherpfennig und der Hochschule der Jesuiten in Sankt Georgen in den vergangenen Tagen ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Wir appellieren an den Ordensgeneral der Jesuiten, die klare Position des Provinzials P. Siebner zu unterstützen, sich für die Erteilung des Nihil obstat und für eine vorbehaltlose Rehabilitierung von Pater Wucherpfennig einzusetzen. Wir fordern die Verantwortlichen in der Römischen Kurie auf, ihre Entscheidung zu revidieren und das Nihil obstat zu erteilen. Wir appellieren an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, die Schritte der Ordensleitung zu unterstützen und zugleich gegenüber den Vatikanischen Verantwortlichen deutlich zu machen, welchen Schaden dieser Fall für die Kirche in Deutschland gerade in der aktuellen Situation bedeutet.

Prof. Dr. Joachim Schmiedl, Vallendar, Vorsitzender des Katholisch-Theologischen Fakultätentags

Prof. Dr. Gerd Häfner, München, Sprecher der Vereinigung der Arbeitsgemeinschaften für Katholische Theologie

Prof. Dr. Karlheinz Ruhstorfer, Freiburg, Vorsitzender der Deutschen Sektion der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie

Prof. Dr. Margit Eckholt, Osnabrück, Vorsitzende von Agenda – Forum katholischer Theologinnen

Der Bezirkstag der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Rhein-Main hat am Samstag, den 13.10.2018 in Frankfurt-Schwanheim einstimmig beschlossen, dass sich der KAB-Bezirksverband Rhein-Main uneingeschränkt mit der Erklärung der katholischen Pfarreien in Frankfurt zum Fall Ansgar Wucherpfennig und mit seiner Person identifiziert und solidarisiert und zur Unterzeichnung der auf der Website https://www.mariaehimmelfahrt-ffm.de/erklaerung-der-pfarrer-derkatholischen-pfarreien-in-frankfurt-zum-fall-ansgar-wucherpfennig/  beigefügten Petition aufruft. 

Georg Wilke, Bezirksvorsitzender, Karl-Heinz Burschyk, Stellvertretender Bezirksvorsitzender, Martin Mohr, Diözesansekretär der KAB Limburg

„Wir sind fassungslos, dass der Vatikan dem Rektor der Hochschule St. Georgen, P. Ansgar Wucherpfennig, die nötige Unbedenklichkeitserklärung, das ‚Nihil obstat‘, für seine Wiederwahl verweigert.“ Das sagt der Vorsitzende des Diözesancaritasverbandes, Monsignore Michael Metzler.

„Als Caritas stehen wir mit unseren Einrichtungen und Diensten und den vielfältigen Angeboten für eine offene Kirche in einer toleranten, offenen Gesellschaft – und das heißt für uns, Menschen nicht auszugrenzen, egal woher sie kommen, wer sie sind, wie sie leben, was sie glauben“, sagt Diözesancaritasdirektor Jörg Klärner. Zeichen einer offenen Kirche sei überdies, dass offene Diskussionen ohne Vorurteile und Vorverurteilungen möglich und erlaubt sind.

„Gerade auch mit Blick auf die erschreckenden Ergebnisse der MHG-Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche sind die Anregungen und die Arbeit von P. Ansgar Wucherpfennig äußerst wertvoll und unerlässlich, um das Thema Homosexualität zu enttabuisieren und gegen sexualisierte Gewalt vorgehen zu können“, betont Metzler. Dass Rom nun Wucherpfennig, eine angesehene, in wissenschaftlichen und theologischen Kreisen hochgeschätzte Person, abstraft, sei gerade in diesem Zusammenhang absolut unverständlich.

„Wir unterstützen die Position von Bischof Dr. Georg Bätzing, der sich deutlich für die Erneuerung des „Nihil obstat“ ausgesprochen hat“, so Metzler und Klärner. „Wir erklären unsere uneingeschränkte Solidarität mit P. Ansgar Wucherpfennig und erwarten von Rom, dass er seine Tätigkeit als Rektor von St. Georgen schnellstmöglich weiterführen kann“, bekräftigen der Vorsitzende und der Diözesancaritasdirektor.

Frankfurter Caritasverband kritisiert Entscheidung des Vatikans

Stellungnahme des Caritasverbands Frankfurt e. V. zur Verweigerung des „Nihil obstat“ für Prof. Wucherpfennig

Die Mitgliederversammlung des Caritasverband Frankfurt e. V. steht geschlossen hinter dem Rektor der Hochschule Sankt Georgen, Jesuitenpater Prof. Ansgar Wucherpfennig. Die Entscheidung des Vatikans, ihm die Unbedenklichkeitserklärung „Nihil obstat“ zu verweigern, ist vollkommen unverständlich.

Es scheint, als solle ein kritischer Diskurs über die Zukunft der eigenen Institution unterbunden werden. Ist es wirklich nicht gewünscht, Dinge zu hinterfragen und kritisch zu reflektieren? Sollen diejenigen, die an einem offenen Austausch zu grundlegenden Themen interessiert sind, tatsächlich am Sprechen gehindert werden?

Wir sind daher froh über die deutlichen Äußerungen des Limburger Bischofs, Dr. Georg Bätzing, und des Frankfurter Stadtdekans, Dr. Johannes zu Eltz, und unterstützen diese vollumfänglich. Wir stehen weiterhin vorbehaltlos hinter Ansgar Wucherpfennig. Menschen wie er, sind nah an der Lebenswirklichkeit junger Menschen, die in Zukunft in pastoralen Berufen Verantwortung in der katholischen Kirche übernehmen wollen. Er ist Sprachrohr einer jungen Generation von Katholiken, über Bistumsgrenzen hinweg.

Gerade in dieser Zeit, in der ein offener Diskurs und eine kritische Überprüfung zu Lehre und Struktur der katholischen Kirche aus unserer Sicht notwendig sind, braucht es Menschen wie Prof. Wucherpfennig. Die katholische Kirche muss sich in ihren Lehren mehr den Lebenswirklichkeiten  der Menschen stellen und sich den unterschiedlichen Lebenssituationen stärker öffnen. Niemand sollte Angst haben müssen, dass er und sie in der Kirche nicht so gewollt ist, wie er und sie ist. Wir wollen an einer Kultur arbeiten, in der wir Fragen und Themen offen ansprechen können – ohne Angst vor Ressentiments.

Mit der MHG-Studie wird das unvorstellbare, zutiefst schockierende Ausmaß des sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige auch in Deutschland sichtbar. Laut der Studie wurde und wird dieser Missbrauch, der auch und in erster Linie ein Machtmissbrauch ist, durch die hierarchischen, autoritär-klerikalen Strukturen der katholischen Kirche begünstigt.

Das Bistum Limburg und die Deutsche Bischofskonferenz erklären, dass sie diese Schuld annehmen und aufarbeiten wollen. Das genügt nicht. Eine Aufarbeitung für und mit den Betroffenen ist nur ohne Tabus und mit Hilfe externer Fachkompetenz möglich. Gerade im Respekt vor den Opfern muss diese über die notwendigen und zu verstärkenden Maßnahmen zur Prävention, Entschädigung und Sanktion hinausgehen.

Um Machtmissbrauch in der katholischen Kirche zukünftig zu verhindern, müssen auch die klerikalistischen Strukturen der katholischen Kirche zur Disposition gestellt werden. So auch mögliche Änderungen hinsicht-lich Pflicht-Zölibat, Frauen im Diakonat und auch Priesteramt. Die Einstellung der Katholischen Kirche zur Sexualität allgemein und der Homosexualität im Besonderen muss endlich kritisch, ergebnisoffen und transparent diskutiert werden.

Fassungslos stellen wir fest, dass die katholische Kirche trotz des heute vorliegenden Wissens, diese Dis-kussion, die existenziell für unsere Kirche ist, noch immer zögerlich und voller Vorbehalte führt und damit alte Machtstrukturen schützt.

Dies wird einmal mehr an dem Beispiel der für uns in keiner Weise nachvollziehbaren bisherigen Weige-rung des Vatikans deutlich, dem Rektor der Hochschule St. Georgen, Jesuitenpater Prof. Dr. Ansgar Wu-cherpfennig SJ die Unbedenklichkeitserklärung, das „Nihil obstat“, zu erteilen.

Wir sind dankbar für die eindeutige Positionierung des Limburger Bischofs, Dr. Georg Bätzing, des Provinzi-als, Pater Johannes Siebner SJ, und des Frankfurter Stadtdekans, Dr. Johannes zu Eltz, die Pater Wucher-pfennig SJ uneingeschränkt stützen. Die Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken und der Frankfurter Stadtsynodalrat schließen sich dieser Auffassung vorbehaltlos an.

Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen – wie Pater Wucherpfennig SJ – in der katholischen Kirche Nach-teile oder gar Repressalien fürchten müssen, wenn sie bereit sind, sich mit den verschiedenen Lebenssitua-tionen und Lebenswirklichkeiten insbesondere von jungen Leuten und Minderheiten auseinanderzusetzen. Es ist gerade Aufgabe von Theologinnen und Theologen, aktuelle Lebenssituation mit der theologischen Vielfalt der biblischen Texte und der kirchlichen Traditionen in Bezug zu setzen und diese angemessen wis-senschaftlich zu bearbeiten.

Wir hoffen sehr, dass der Vatikan im Geiste der von den katholischen Bischöfen in Deutschland derzeit so laut angekündigten vorbehaltlosen Überprüfung ihrer klerikalen Grundlagen seine Entscheidung bzgl. Pater Wucherpfennig SJ überdenkt und dieser weiter als Rektor an Sankt Georgen arbeiten kann.

Nur wenn die katholische Kirche bereit ist, die gewonnenen Erkenntnisse über die kirchlichen Missstände umzusetzen, klerikalistische Strukturen kritisch, offen und transparent zu beleuchten und konkret zu ver-ändern, kann sie Glaubwürdigkeit zurückgewinnen und wieder „ein Zuhause“ sein.