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Wachsende Erinnerungskultur

Friedensmarsch zurück nach Srebrenica
Wachsende Erinnerungskultur
Wachsende Erinnerungskultur
Gedenkstätte für die Opfer des Massakers von Srebrenica in Potočari, Bosnien. © Public Domain

In einem Friedensmarsch zum Gedenken an die Opfer des Massakers von Srebrenica haben sich 5000 Menschen von Tuzla aus aufgemacht: Ihr hundert Kilometer langer Marsch folgte in umgekehrter Richtung einer Route, auf der vor 24 Jahren bosnische Muslime aus dem ostbosnischen Srebrenica geflohen waren, als die Stadt von bosnischen Serben eingenommen worden war. Auf dem Fluchtweg der Opfer von Srebrenica ehrten die Friedensmarschierer das Andenken der Ermordeten schweigend. Sie verzichteten auch auf jegliche politische Statements. Auch bei dem Gedenkmarsch in Sarajewo am 11. Juli wurde vor den angereisten Staats- und Regierungschefs im Stillen an die Opfer gedacht.

Während in Bosnien-Herzegowina jedes Jahr des Verbrechens im Juli 1995 und seiner Opfer gedacht wird – noch immer werden jedes Jahr sterbliche Überreste der Opfer beerdigt – leugnen oder verharmlosen Nationalisten in Serbien, aber auch in der Republika Srpska den Massenmord. Das „Massaker von Srebrenica“ gilt als das schlimmste Kriegsverbrechen Europas seit dem Zweiten Weltkrieg und wurde vom Den Haager Tribunal der Vereinten Nationen als Völkermord eingestuft.

Massaker von Srebrenica

Zwischen dem 13. und dem 19. Juli 1995 wurden mehr als 8.000 muslimischen Bosniaken, die meisten von ihnen Jungen und Männer zwischen 13 und 78 Jahren, in und um Srebrenica getötet. Mitglieder der Armee der Republika Srpska, der Polizei und des serbischen Paramilitärs verübten unter der Führung von General Ratko Mladić den Massenmord — trotz Anwesenheit und ohne Gegenwehr von UN-Blauhelmsoldaten. Die Täter versuchten ihre Taten zu verschleiern, indem sie die Toten in den folgenden Wochen mehrfach umbetteten.

Das Haager Tribunal wies dem ehemaligen Präsidenten der Republika Srpska Radovan Karadžić nach, während seiner Amtszeit Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit befohlen zu haben. Im März 2019 wurde er deshalb zu lebenslanger Haft verurteilt. 2017 wurde Militärführer Ratko Mladić des Völkermords und in weiteren zehn Anklagepunkten für schuldig gesprochen und ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt.

Zukunftsperspektiven schaffen

Renovabis hat seit dem Ende des bosnischen Bürgerkriegs humanitäre Nothilfeprojekte seiner Partner unterstützt. Zusätzlich zu seelsorgerischen Unternehmungen und Maßnahmen zur Bekämpfung der existenziellen Not, wurden von Anfang an Versöhnungsprojekte gefördert, die für die von ethnisch und religiös motiviertem Hass erfüllten Konfliktparteien auf längere Sicht Zukunftsperspektiven in ihrem gemeinsamen Land schaffen sollen. In mehreren Städten Bosnien-Herzegowinas konnten bereits 14 multiethnische Schulzentren etabliert werden: In den unterschiedlichen Erziehungsstufen vom Kindergarten bis zum Abitur sind auf hohem europäischem Schulstandard Werte vermittelt worden, die neben dem Miteinander-Lernen eine gegenseitige Achtung von katholischen Kroaten, muslimischen Bosniern und orthodoxen Serben grundgelegt haben. In den von allen Volks- und Religionsgruppen gleich besuchten Schulen wird bis heute ein informiert-tolerantes Klima gepflegt, das die Schulfamilie auf die Familie daheim und deren nachbarschaftliches Umfeld ausstrahlen lässt.

2019 hatte Renovabis die Versöhnungsthematik zur Pfingstaktion deutschlandweit zur Sprache gebracht. Im Jahr 2020 widmen sich alle weltkirchlichen katholischen Hilfswerken dem Leitthema „Frieden leben“; die Solidaritätsaktion Renovabis wird als Schwerpunktland die Ukraine in den Blick nehmen. Denn im Osten des Landes herrscht Krieg und die Menschen dort sind in Pufferzonen aktuell unter Beschuss, andere sind im eigenen Land auf der Flucht.

Bistumspatnerschaft mit Sarajevo

Seit mehr als zwei Jahrzehnten verbindet das Erzbistum Sarajevo und das Bistum Limburg eine enge Partnerschaft. Noch während des Balkankrieges von 1992 bis 1995 war der emeritierte Bischof Franz Kamphaus nach Bosnien-Herzegowina gereist. Später unterstützte das Bistum Limburg den Wiederaufbau und engagierte sich für Frieden und Aussöhnung. Verbände und kirchliche Organisationen veranstalten Studien- und Begegnungsreisen. Jugendliche aus beiden Diözesen können im Rahmen eines Austauschprogramms das jeweilige Partnerbistum besuchen und einen Freiwilligendienst absolvieren.