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Jeder Mensch ist einmalig und ehrwürdig

Bischof Dr. Georg Bätzing zum Hochfest Allerseelen
Jeder Mensch ist einmalig und ehrwürdig
Jeder Mensch ist einmalig und ehrwürdig
Friedhöfe sind für viele Menschen sehr vertraute Orte. © Katholische Nachrichten Agentur (KNA)

An Allerseelen gedenken Christen weltweit der Verstorbenen. Eine Tradition und ein Hochfest, das gut und schön ist. Und ein Fest, das die Hoffnung stärken kann, findet Bischof Dr. Georg Bätzing. Er selbst besuche jedes Jahr die Gräber von Verwandten in der Heimat und der „Friedhof zu Hause“ habe etwas sehr Vertrautes. „Für mich ist er ein wichtiges Stück meiner Heimat. Ich bin gern dort, denn die Gräber helfen mir, mich dankbar zu erinnern“, sagte Bätzing am 2. November im Limburger Dom. 

Jedes Menschenleben ist einmalig, darum sind die Gräber so ehrwürdig. So einmalig und ehrwürdig, dass jeder Mensch in den Augen Gottes Ewigkeit verdient.

Bischof Dr. Georg Bätzing

Jedes Menschenleben sei einmalig, darum seien die Gräber ehrwürdig. So einmalig und ehrwürdig, dass jeder Mensch in den Augen Gottes Ewigkeit verdiene. So unterschiedlich und unfertig, dass jeder es wert sei, wieder aufgerufen zu werden, auferweckt durch Gottes Ruf ins Leben. „Dieser Glaube trägt meinen Dank und meine Bitte, wenn ich an den Gräbern meiner Lieben bete. Ich stehe gerne dort und höre, was für Gedanken aus meinem Herzen aufsteigen“, so Bischof Bätzing. 

Ein solcher Gedanke sei beispielsweise die Frage, was Tote erzählen würden, wenn sie noch einmal die Gelegenheit hätten, sprechen zu können. Würden sie vom Leben sprechen? Oder hätten sie gar kein Interesse mehr an dem, was hinter ihnen liegt, weil sie ganz und gar erfüllt sind von dem, was nun ist, drüben, auf der anderen Seite des Lebens, vis a vis mit Gott. „Weil nämlich der Tod sie frei gemacht hat von allen Fesseln der Zeit und Geschichte. Frei auch für die Wahrheit“, sagte Bätzing.

Allerheiligen und Allerseelen

An Allerheiligen (1. November) ehrt die Kirche nicht nur alle offiziell heiliggesprochenen Menschen, sondern auch die Menschen, die ein christliches Leben geführt haben, ohne dass ihre Lebensführung einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden ist. Allerheiligen ist zunächst kein Tag des Totengedächtnisses, sondern feiert das neue Leben, das die Heiligen führen und das allen Christen verheißen ist. Vielfach ist der Tag durch den Gang zu den Gräbern von Angehörigen geprägt

Bereits im vierten Jahrhundert ist bei Johannes Chrysostomos von Antiochien ein „Herrentag aller Heiligen“ bezeugt. Seit dem neunten Jahrhundert wird Allerheiligen am 1. November gefeiert. Allerseelen geht auf Abt Odilo von Cluny zurück, der 998 einen Gedenktag anordnete für alle verstorbenen Gläubigen von Klöstern, die Cluny unterstellt waren.

Der Allerseelentag am 2. November gilt dem Gedächtnis der Verstorbenen und ist dadurch vom Fest Allerheiligen zu unterscheiden. In seiner Tradition geht dieser Tag auf Abt Odilo von Cluny zurück. Im Jahr 998 hat dieser fromme Mönch das Gedächtnis aller Verstorbenen in der Abtei Cluny und allen angeschlossenen Klöstern eingeführt. Vorläufer dieses Gedenktages gab es allerdings schon sehr viel früher. Einem zunächst nur bei den Dominikanern, dann bei den Priestern des spanischsprachigen Raums verbreiteten Brauch nach durften an diesem Tag drei Messen von jedem Priester gelesen werden. 1915 wurde dieser Brauch von Papst Benedikt XV. auf die gesamte Kirche ausgeweitet. 

Die Kirche feiert Allerheiligen und Allerseelen in der Überzeugung, dass durch Jesus Christus eine Verbindung zwischen Lebenden und Toten besteht.