22.06.2012
Die Welt mit dem Himmel verbinden
FRANKFURT. Der mittelalterliche Kreuzgang, wunderbar eingepasst in die neugotische Vorhalle des Frankfurter Kaiserdoms, dazu die farbenprächtigen Gitterwerke der Künstlerin Margarete Zahn, entstanden im 21. Jahrhundert: Das Frankfurter Dommuseum zeigte zu seinem 25. Geburtstag seine ganze Stärke. Hier treten Kirche und Museum als historische Orte für die Begegnung von Kunst und Glaube in einen fruchtbaren Dialog, wie Stephan Mann vom Museum Goch (Nordrhein-Westfalen) in seinem Festvortrag am Donnerstag, 21. Juni, hervorhob: „Säkulares trifft hier Sakrales, die Welt verbindet sich mit dem Himmel.“
Kirchen und Museen sind Mann zufolge Orte, wo Menschen mit großen Erwartungen zusammenkommen. Im Museum erhalte der Glaube sein bildliches Gegenüber. Dabei dürfe ein Museum nicht zur Kirche werden und eine Kirche niemals nur Museum sein. Auch wenn in den Kirchen eine 2000-jährige Tradition der Kunstvermittlung gepflegt werde, müsse sorgfältig mit Kirchenräumen umgegangen werden: „Das Kunstwerk ist nicht Gegenstand der Anbetung.“
Der Generalvikar des Bistums Limburg, Prof. Franz Kaspar, unterstrich, dass Kunstwerke seit Anbeginn des Christentums „Zeugnis geben vom Glauben der Menschen an Gottes Gegenwart“. In der Kunst entdeckten Menschen immer wieder die Geschichte ihres Landes, ihrer Religion und letztlich sich selbst. Bei der Selbsterkenntnis aber dürften weder Kunst noch Glaube stehenbleiben. Kaspar lobte den hochwertigen Beitrag des räumlich kleinen Dommuseums im musealen Konzert Frankfurts. Museumsdirektor August Heuser und sein Stellvertreter Matthias Kloft hätten „mit Leidenschaft und Liebe“ die Entwicklung des Museums vorangetrieben und seien Garanten für eine gute Zukunft des Hauses.
Das Dommuseum zeigt den Frankfurter Domschatz, der vor 25 Jahren aus der Sakristei herausgetreten ist in den Kreuzgang des Bartholomäusdomes, wie Heuser betonte. Er gibt mit einer wertvollen Sammlung von Kleidungsstücken und Geräten für den Gottesdienst einen lebendigen Einblick in die 1300jährige Liturgie- und Frömmigkeitsgeschichte in Frankfurt. Auch die Königswahlen seit 1356 und Kaiserkrönungen seit 1562 spielen in der Ausstellung eine wichtige Rolle. Zu den herausragenden Objekten zählen daneben wertvolle Funde aus einem merowingischen Mädchengrab des 7. Jahrhunderts. Das 1987 eröffnete Dommuseum zeigt seine Exponate in einer zeitlichen Ordnung. Dabei werde darauf geachtet, dass „frömmigkeitsgeschichtliche und gottesdienstgeschichtliche Zusammenhänge deutlich werden“, wie der Museumsdirektor erläutert.
Neben den historischen Exponaten im Kreuzgang verfügt das Dommuseum über einen lichten Raum, der regelmäßig zu Sonderausstellungen mit zeitgenössischer Kunst, aber auch für historische Ausstellungen genutzt wird. Seit fünf Jahren kann das Dommuseum außerdem in einer Dependance im benachbarten Haus am Dom die Domschätze der Frankfurter Kirchen St. Leonhard und Liebfrauen zeigen. (dw)