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Als Prophet im Unternehmen Zukunft

Bezirksreferent Markus Raile ist nach 40 Dienstjahren im Bistum Limburg im Ruhestand
Als Prophet im Unternehmen Zukunft
Als Prophet im Unternehmen Zukunft
Raile will sich weiter in der Gemeindeberatung engagieren. © privat

Rückblickend bezeichnet er „die Propheten“ als roten Faden seiner Arbeit: Für Pastoralreferent Markus Raile (63), der in diesem Sommer nach 40 Jahren im Dienst des Bistums Limburg in den Ruhestand gegangen ist, schließt das die fünf Prophetenfenster im Hohen Dom zu Augsburg, seinem Geburtsort, ebenso ein wie den allen Christen erteilten „Auftrag zur Gestaltung von Kirche und Welt“. Dass als Prophet unterwegs zu sein „kein Schönwetterprojekt“ ist, gehört mit zu den Erfahrungen seines Berufslebens. Seinem grundsätzlichen Optimismus hat das nichts anhaben können. Er habe es nie bereut, sagt Raile mit Überzeugung, dem Rat des damaligen Personaldezernenten in Limburg vor 45 Jahren gefolgt zu sein: „Fangen Sie an zu studieren, es gibt genug Arbeit!“

Bewerber für das Unternehmen Zukunft

Aufgewachsen und katholisch sozialisiert in Oestrich im Rheingau, wohin seine Eltern aus beruflichen Gründen gezogen waren – der Vater war als Verlagskaufmann beim Wiesbadener Kurier tätig -, war ein Besuch in der Gehörlosenschule in Camberg für den Oberstufenschüler eine Art  Schlüsselerlebnis auf der Suche nach einer sinnvollen Arbeit. Der Prospekt des Bistums Limburg, in dem für das „Unternehmen Zukunft“ Bewerber für pastorale Berufe gesucht wurden, fiel bei ihm danach auf fruchtbaren Boden. 1975 begann er sein Studium an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt.

Predigen in der Sonntagsmesse

Zum Start in sein Berufsleben zog der junge Raile dann erst einmal ins Pfarrhaus. Drei Monate später heiratete er. Das war 1980 und seine Ausbildungsstelle war St. Bonifatius in Hofheim. Der Pfarrer saß in Marxheim und der Einsteiger im pastoralen Dienst war vor Ort als Bezugsperson eingesetzt. Natürlich habe er auch in der Sonntagsmesse gepredigt, das sei damals ganz selbstverständlich gewesen. Daran erinnert er sich noch gut. Auch an seinen „jugendlichen Enthusiasmus“ und die Absicht, „alles besser zu machen“. Für den damals 23-Jährigen war die Kinder- und Jugendarbeit ein Schwerpunkt, aber auch die Ökumene habe eine große Rolle gespielt. So sei der Pfarrbrief gemeinsam herausgegeben worden und um den mal von katholischer, mal von evangelischer Seite verfassten Leitartikel habe es manch spannende Auseinandersetzung gegeben.

Gute Erinnerungen an Pfarrer Franzmann

Mit einem Bein im Bezirksamt/Bezirksbüro, mit einem in der Seelsorge: So könnte man die Jahre ab 1988 beschreiben, in denen Markus Raile im Rheingau eingesetzt war. Er selbst kommt beim Erzählen schnell, mit Wärme und Hochachtung, auf Otto Franzmann zu sprechen, der in den ersten beiden Jahren als Pfarrer von St. Martin in Oestrich, später als Bezirksdekan sein Vorgesetzter war: „Das war schon cool mit ihm“, sagt er. "Die Zusammenarbeit hat Spaß gemacht": Franzmann habe mit dem ganzen Team des Bezirksamtes geplante Projekte auf dem Hintergrund neuer theologischer Entwicklungen reflektiert. 

Gemeinsamer Lernweg mit Ehrenamtlichen

Auf Bezirksebene war Raile für die Pfarrgemeinderäte und die Grundseelsorge tätig. Besonders am Herzen lag ihm die Ausbildung der Ehrenamtlichen, der Gottesdienst- und Kommunionhelfer und der Lektoren. Für ihn keine Einbahnstraße: „Diese Leute haben mich in meinem Glauben bestärkt, das ist ein gemeinsamer Lernweg.“ Drei Kreuzfeste feierte das Bistum in dieser Zeit im Rheingau, alle vier Jahre kam der Bischof auf Visitation. Die ersten Kooperationsprozesse von Pfarreien begannen und Raile absolvierte eine Ausbildung zum Gemeindeberater, um die Entwicklung kompetent begleiten zu können. In den 90er Jahren kam die Studentenseelsorge an der Fachhochschule in Geisenheim als weitere Aufgabe hinzu. 

Von 2005 an war er neben den Bezirksaufgaben in der Seelsorge an der psychiatrischen Klinik und in den Wohnbereichen des St. Valentinushauses in Kiedrich tätig. Dort hat ihm nach eigenem Bekunden der Satz „Es ist normal, anders zu sein“ dabei geholfen, mit Patienten und Bewohnern gemeinsam Fragen nach Gott und dem Sinn des Lebens nachzugehen und deren Ressourcen zu entdecken.

Die Lichtkirche als Highlight

2011 in den Untertaunus versetzt, war der Start geprägt von den lebhaft geführten Diskussionen um den künftigen Zuschnitt der Pfarreien in diesem Bezirk. „Ein schwieriger Anfang und eine Herausforderung“, sagt er. Zugleich erwartete ihn hier 2018 mit der Lichtkirche, dem ökumenischen Auftritt auf der Landesgartenschau, „ein absolutes Highlight“. Die in diesem Zusammenhang gezeigte Ausstellung „Was für ein Licht“ habe für ihn persönlich den Kreis geschlossen: „Mit Kirchenfenstern unserer Tage“, die - wie alle Getauften und Gefirmten – Mittler zwischen Himmel und Erde seien.

Zeit für Hobbys und Reisen

Nach dem Eintritt in den Ruhestand ist die to-do-Liste gut gefüllt. Davon abgesehen, dass er sich weiterhin in der Gemeindeberatung engagieren will, hat er bei drei Töchtern, vier Enkeltöchtern und seinem großen Garten eigentlich schon genug zu tun, wie er selbst meint. Zugleich freut er sich aber darauf, sein Abonnement bei der Theatergemeinde Wiesbaden wieder verstärkt zu nutzen, Zeit für seine Modelleisenbahn und weitere Hobbys zu haben und mit seiner Frau in Deutschland und der Welt auf Entdeckungsreise zu gehen. Schließlich habe sie „mit großem Herzen und starken Schultern“ seine Arbeit immer mitgetragen.

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