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Die Digitalisierung wird bleiben

Professor Joachim Valentin über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Akademiearbeit
Die Digitalisierung wird bleiben
Die Digitalisierung wird bleiben
© kna/Bistum Limburg

In der CoronaKrise sei der Kontakt zum Publikum nicht verloren gegangen, sondern sogar eher intensiviert worden, sagt Professor Joachim Valentin. Im Interview spricht der Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus über das neue Normal und die Bedeutung der umfassenden Digitalisierung.

Welche Auswirkungen hatte und hat die Corona-Krise auf die Arbeit der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, wie haben Sie das erlebt?

Wir hatten schon einige Wochen vor dem Shutdown im Haus auf die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) hingewiesen, in den Räumen Abstände zwischen den Sitzen gelassen und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. Die komplette Schließung des Hauses, vom 16. März bis 18. Mai hat dann noch einmal viel Arbeit gemacht. Viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mussten im Homeoffice arbeitsfähig gemacht werden, es war wichtig, von jedem Einzelnen zu wissen, sind Kinder zu betreuen, wer gehört zur "Risikogruppe" und wie will er/sie damit umgehen? Und natürlich haben wir Einnahmen im großen Stile verloren, das allerdings nur bei Vermietungen des Hauses nach außen. Die Akademie hat seit April bereits wieder online via Video und Podcast Publikum erreicht und dabei eher Geld gespart. Wir haben mit einem wöchentlichen newsletter und im Juni sogar mit einem Brief an 5000 Gäste ohne E-Mail-Anschluss den Kontakt zu unserem Publikum nicht verloren, sondern eher intensiviert. Via Facebook, youtube und podcast hatten wir März bis Juni 20.000 Abrufe, mehr als sonst in einem Jahr Menschen die Akademie-Veranstaltungen besuchen. Dass wir vermehrt in hr2 Kultur zu hören sind, freut uns besonders.

Inzwischen hat das Haus am Dom ja wieder geöffnet und es gibt die Möglichkeit, an Veranstaltungen real teilzunehmen: Wie sieht denn das neue Normal aus?

Das neue Normal unterscheidet sich gar nicht mehr so sehr vom alten, denn 50 Menschen aktuell beim Open-Air Kino auf der Dachterrasse - das ist schon wieder knapp die Hälfte des früheren "Normal", ähnlich sieht es in den Räumen aus, deren Nutzung sich aber erst nach der Sommerpause mit unserem neuen Halbjahresprogramm wieder wirklich intensivieren wird. Wer sich im Haus bewegt, auch in der schönen S.Salgado Ausstellung - es ist schon die zweite unter Corona Bedingungen - muss eine Maske tragen. Das gilt auch für die Büroflure und man hat überall die Möglichkeit seine Hände zu desinfizieren. Entscheidend ist aber, dass wir mit Unterstützung unseres findigen Tagungsmanagements unsere digitale Präsenz professionalisiert und stark erweitert haben. In den Seminarräumen stehen große Monitore für Zoom-Konferenzen und im großen Saal eine komplette Studioausstattung mit vier Kameras für live Übertragungen ins Netz, die langfristig unserem Publikum zur Verfügung stehen und rege genutzt werden.

Neben vielen negativen Folgen wird immer wieder auch die Chance auf positive Veränderungen beschworen: Was wird in der Akademiearbeit ganz konkret und in gutem Sinne anders sein als vorher?

Wir hoffen, dass etwas von dem sensiblen Umgang miteinander und mit sich selbst bleibt, der die persönliche und gesundheitliche Lage des anderen nicht ausblendet. Wir hoffen auch, vor allem für die Mitarbeiterinnen der "Risikogruppe", dass es im Bistum eine gerechte Regelung für Home-Office geben wird. Es wird sonst für mich als Leiter schwer, meine Fürsorgepflicht wahrzunehmen. Entscheidend ist aber die vollzogene Digitalisierung. Die wird bleiben und unsere hochwertigen Veranstaltungen potentiell einem bundes- oder sogar weltweiten Publikum zugänglich machen. Das verändert auch jede live Veranstaltung (hoffentlich zum Guten), weil man im Kopf immer den gleichzeitig entstehenden Video- und Audio-Beitrag mitdenkt. In der Summe und mit Blick auf den heranrollenden ÖKT21 müsste das eigentlich auch bedeuten, dass wir weniger anbieten, weil der Aufwand pro Veranstaltung natürlich steigt, wenn man sie aufzeichnet, das ist uns im neuen Programm "Restauration und Rebellion" mit nur knapp über 100 statt 140 Veranstaltungen bis Dezember auch teilweise gelungen. Wie es genau weitergeht, müssen wir natürlich abwarten. Es bleibt spannend!