Kategorien &
Plattformen

Franziskus und der Sultan

Neues Sonderbriefmarke in Berlin vorgestellt
Franziskus und der Sultan
Franziskus und der Sultan
Bischof Dr. Georg Bätzing (rechts) mit Staatssekretär Werner Gatzer bei der Vorstellung der neuen Sonderbriefmarke in Berlin.

Mit einer Sonderbriefmarke erinnert das Bundesfinanzministerium an das Treffen des heiligen Franz von Assisi mit Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik vor 800 Jahren. Bei der Vorstellung des Postwertzeichens am Donnerstag, 10. Oktober, in Berlin nannte es Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Unterkommission für Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz, eine „Ermutigung für den Interreligiöse Dialog zwischen Muslimen und Christen, aber auch zwischen anderen Konfessionen“. Dies sei besonders wichtig in Zeiten, in denen Teile der Politik und Gesellschaft die Berechtigung des Dialogs öffentlich anzweifelten.

Das 95-Cent-Wertzeichen mit dem Titel „1219 - Franziskus und der Sultan“ mit einer Ikonendarstellung der beiden Religionsvertreter ist seit Donnerstag erhältlich. Das Ministerium erklärte, die Begegnung in der ägyptischen Hafenstadt Damiette sei ein frühes Beispiel des Kulturdialogs gewesen, in dem Respekt und der Wille zum Frieden im Vordergrund gestanden hätten. 

Vor 800 Jahren, zur Zeit der Kreuzzüge, war Franz von Assisi dorthin gereist, um vor dem damaligen politischen und geistlichen Oberhaupt der Muslime zu predigen und ihm die friedliebende Seite des Christentums zu vermitteln. Der muslimische Herrscher sei so sehr von den Worten des Ordensmannes beeindruckt gewesen, dass er ihm wohlwollend zugehört habe, berichteten Zeitgenossen.

Im März hatte bereits Italien eine Briefmarke in Erinnerung an den Besuch herausgebracht. Sie zeigt ein Detail des Frescos von Giotto di Bondone (um 1267-1337), das die Begegnung des Heiligen mit dem Sultan darstellt. Das Originalfresco ist Teil des bekannten Giotto-Zyklus zum Leben des Heiligen in der Oberkirche der Franziskus-Basilika von Assisi.

Bätzing betonte, es sei seinerzeit zwar nicht um einen interreligiösen Dialog im modernen Sinn gegangen. Das Gespräch sei aber ein „Gründungsnarrativ für die Begegnung zwischen Christen und Muslimen“, das später große Früchte getragen habe. Dabei verwies er auf das Wirken der Franziskaner im Heiligen Land, besonders die Betreuung christlicher Hospitäler. Vielerorts sei ein neues Kapitel in der Beziehung zwischen Kulturen und Religionen aufgeschlagen worden. (kna)