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Für die Liebe

Interview mit Edwin Borg, Leiter der Fachstelle Familienpastoral
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© pixabay.com

Rund um den Valentinstag dreht sich alles um Liebe und Partnerschaft. Über Angebote der katholischen Kirche für Paare und die Frage, ob Liebe überhaupt noch kirchlichen Beistand braucht, spricht Edwin Borg, Leiter der Fachstelle Familienpastoral im Bistum Limburg, im Interview.

Was sind heute die größten Herausforderungen für Paare?

Borg: Ein Unterschied zu Partnerschaften früher ist, dass wir alle länger leben. Das wird häufig vergessen. Obwohl die Leute heutzutage immer später heiraten, im Schnitt mit rund 30 Jahren, haben sie noch mehrere Jahrzehnte vor sich, in denen sie sich gegenseitig die Treue halten sollen. Das hat es zu keiner Zeit in der Menschheitsgeschichte gegeben und das ist eine große Herausforderung. Dazu kommt, dass Routine einkehrt. Außerdem sind viele Paare in der heutigen Zeit doppelt berufstätig, das bedeutet: Es bleibt wenig Raum für Zweisamkeit. Und auch Kinder sind bei allem Glück und aller Freude eine Belastung, wenn es um diese gemeinsame Zeit geht. Bei all dem Stress auf sich gegenseitig neugierig zu bleiben – das ist eine größere Herausforderung als früher. Nicht zuletzt sind die Erwartungen, die beide Partner an sich und die Beziehung haben, heute oftmals höher. Liebe ist immer eingefärbt durch die Werte und Trends der Gesellschaft. Und da werden uns täglich ein romantisches Liebesideal und die scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten zur Selbstoptimierung angepriesen. Das kann leider auch unter Druck setzen. Man muss und man kann zum Glück auch viel für die Partnerschaft tun. Dabei ist manchmal vielleicht das Wichtigste, Dinge gelassen zu nehmen. Klingt einfach, ist aber im Alltag leider schwer.

Glauben Sie, dass Paare zu schnell aufgeben?

© Edwin Borg ist Leiter der Fachstelle Familienpastoral im Bistum Limburg.

Borg: Ja, ich glaube tatsächlich, viele Paare trennen sich zu früh. Das ist natürlich unabhängig davon, ob die Partner gläubig sind oder das Sakrament der Ehe empfangen haben. Die Bereitschaft, es nochmal zu versuchen, auch nach langen Phasen des Streits, der Entfremdung oder der Langeweile, hat in der Gesellschaft insgesamt abgenommen. Das ist nicht wertend gemeint: Eine Beziehung, die unerträglich geworden ist, sollte man verlassen, wenn sie nicht mehr zu retten ist. Aber haben beide wirklich alles versucht, die Beziehung zu retten? Und hatten sie dabei genügend Unterstützung?

Was macht denn die Kirche, um Paare zu unterstützen?

Borg: Kirche macht schon viel. Unser Bistum investiert zum Beispiel in Beratungsdienste für Paare. Das heißt: Jedes Paar, egal welcher Konfession und auch egal ob mit oder ohne Trauschein, kann sich in der Regel kostenlos an eine unserer Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen wenden. Hier gibt es professionelle Hilfe in kleineren und größeren Krisen. Aus manchen „verfahrenen“ Situationen kommt ein Paar ohne einen Dritten nicht mehr heraus. Damit es vielleicht gar nicht zu größeren Krisen kommt, gibt es Bildungsangebote wie zum Beispiel Kommunikationskurse. Ich denke aber, Kirche könnte noch viel mehr im Vorfeld tun, also zum Beispiel Eltern nicht nur bei der Kindererziehung zu unterstützen, sondern von Beginn an die Partnerschaft im Blick zu behalten. Gerade im Hinblick auf Freizeit- und Bildungsangebote oder Austauschforen von Paaren können wir als Kirche in Zukunft noch mehr investieren und kreativer werden. Ein tolles Beispiel dafür ist „Zwei und Alles“ in Frankfurt.

Braucht Liebe denn überhaupt noch kirchlichen Beistand?

Borg: Ich würde es zunächst einmal umgekehrt sagen: Unserer Kirche ist Liebe wichtig. Der Ehebund ist Zeichen für die Liebe und Zeichen von Gottes Zuspruch für zwei Menschen, die sich auf Dauer aneinander binden und einander treu sein wollen – da tut Kirche gut dran, diese Paare auch auf dem herausfordernden Weg nicht alleine zu lassen, sondern bestmöglich zu unterstützen. Und Paare, die das Sakrament der Ehe geschlossen haben, die diesen Zuspruch Gottes gewünscht haben, die fragen sich schon: Was gibt Kirche uns? Insofern würde ich sagen: Diese Liebe braucht auch die Kirche und ein gutes Angebot.

Was für Angebote gibt es zurzeit?

Borg: Gerade jetzt zum Valentinstag gibt es verschiedene Angebote, wie zum Beispiel das Valentins-Dinner in Idstein, das wir gemeinsam mit der Pfarrei und der Familienbildungsstätte Wiesbaden ausrichten. Auch in Oberursel, in Frankfurt und sicher noch an anderen Orten im Bistum können Paare ihre Liebe feiern und den Valentinssegen erhalten. In der Fastenzeit gibt es eine digitale Aktion für Paare vom Referat Ehe und Familie mit dem Titel „7wochen8sam“. Ich persönlich bin ein großer Fan von Familienwochenenden, weil das wirklich eine gemeinsame Auszeit vom Alltag ist, „Quality Time“, wie es auf Neudeutsch heißt. Eine intensive Zeit, die man ohne Stress, voll verpflegt, wie einen Kurzurlaub, miteinander verbringt. Mir ist wichtig, dass wir dabei als Veranstalter auch Impulse für die Partnerschaft geben, also dass nicht die ganze Zeit mit den Kindern verbracht wird. Getreu dem Motto: Geht es den Eltern gut, dann geht es auch den Kindern gut.

Weitere Angebote der katholischen Kirche für Paare gibt es beispielsweise unter www.ehe-familie.bistumlimburg.de, www.familienpastoral.bistumlimburg.de und unter www.zweiundalles.de sowie bei den katholischen Familienbildungsstätten.

Edwin Borg
Leiter der Fachstelle Familienpastoral, Pastoralreferent
Bernardusweg 665589Hadamar
Tel.:06433 - 887 710