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Gedenken wird zum Auftrag

Ökumenischer Gottesdienst für die Opfer der NS-„Euthanasie“
Gedenken wird zum Auftrag
Gedenken wird zum Auftrag
Auf den Treppenstufen vor dem Altar standen die Porträts der sechs Personen, deren Biografien im Gottesdienst vorgestellt wurden. © F. Schuld/ Bistum Limburg

Richard Hartmann, Luise Simone Diehl, Grigorij Schamritzkij, Margarethe Gerlach, Karl Mainzinger, Ernestine Schmidt – diese sechs Menschen stehen stellvertretend für die 14.500 Opfer, die unter dem NS-Regime in Hadamar ermordet wurden. In dem ökumenischen Gottesdienst am Mittwoch, 18. November, in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk in Hadamar lasen die Mitwirkenden die Biografien dieser sechs Personen vor, die aufgrund von einer Behinderung oder einer psychischen Erkrankung ihr Leben verloren. Weihbischof Dr. Thomas Löhr und Ulrike Scherf, die stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), nahm an dem Gedenken teil.

Sie predigten gemeinsam im Gedenk-Gottesdienst. Vor dem Altar standen Portraits der sechs ermordeten Menschen, darunter auch Jugendliche, zur Erinnerung, aber auch als Mahnmal. „Wir kennen Namen, Biografien, Schicksale. Sie mahnen uns, sie nicht zu vergessen. Und sie mahnen uns, die Einmaligkeit jedes Menschenlebens zu sehen und für die Würde jedes Leben einzutreten,“ sagte Ulrike Scherf.

© F. Schuld/ Bistum LimburgIm Gottesdienst predigten Weihbischof Dr. Thomas Löhr und die stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN, Ulrike Scherf.

„Erinnerung wird zur Mahnung, Gedenken wird zum Auftrag. Unsere Welt braucht eine Zivilisation der Liebe.“

Weihbischof Dr. Thomas Löhr

Im Zuge der NS-„Euthanasie“ wurden Menschen mit Behinderungen, Beeinträchtigungen oder Störungen in Anstalten gebracht, wie es sie auch in Hadamar gab, um dort systematisch getötet zu werden. Das geschah in Gaskammern, durch überdosierte Medikamente oder vorenthaltene Nahrung. Doch in den Sterbeurkunden wurden stets natürliche Todesursachen angegeben. „Was da geschah war nicht einfach falsch. Es war böse. Das Böse mitten in unserer Welt und mitten in unserer Geschichte,“ so Weihbischof Dr. Löhr. Doch an diese Geschichte müsse erinnert werden: „Die Ermordeten sterben ein zweites Mal, wenn sie aus unserer Erinnerung getilgt werden.“

Dekanatskantor Martin Buschmann und Friederike Buschmann begleiteten den ökumenischen Gottesdienst musikalisch. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten nach der Predigt Zeit ihre eigenen Gedanken zu den Schicksalen der sechs Personen und zu den Verbrechen aufzuschreiben. Diese Gedanken sollten sie mit nach Hause nehmen und aufbewahren, als Andenken.

 

In der Tötungsanstalt Hadamar wurden neben den sechs Personen, deren Biografien in dem Gottesdienst vorgestellt wurden, 14.500 weitere Menschen mit Behinderungen oder Störungen in den Jahren 1941-1945 ermordet. Dort befindet sich nun eine Gedenkstätte für die Opfer des NS-„Euthanasie“. Im medizinischen Sinne beschreibt „Euthanasie“ die Erleichterung des Sterbens durch Narkotisierung oder die absichtliche Herbeiführung des Todes bei unheilbaren Krankheiten. Im Nationalsozialismus wurde sie als Vorwand verwendet, um Menschen mit Behinderungen zu töten. Zwischen 1939 und 1945 verloren deutschlandweit insgesamt 300.000 psychisch kranke und behinderte Menschen unter der nationalsozialistischen Herrschaft ihr Leben.

Aufzeichnung des Gottesdienstes

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