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Hashtags und BibisBeautyPalace

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© Reichwein/Bistum Limburg

Medienkompetenz erwerben, im Gespräch bleiben, vielfältige Angebote machen und bei alldem authentisch sein: Einfache Gebrauchsanweisungen zum Umgang mit „der Jugend“ gab es beim Jahresempfang des katholischen Bezirks Main-Taunus zwar nicht, aber ein paar gute Ratschläge und vielleicht die eine oder andere Erkenntnis konnten die rund 70 Teilnehmer in jedem Fall mit nach Hause nehmen. „Wie Jugend so tickt“ war die Veranstaltung am Dienstag, 15. Mai, in Kelkheim überschrieben, bei der bewusst alles etwas anders war als in den Vorjahren, wie Bezirksdekan Klaus Waldeck in seiner Begrüßung erklärte. Statt Neujahr ein Frühlingstermin, statt Rück- und Ausblick ein inhaltlicher Impuls.

Die Jugend gibt es nicht

Dass diesmal die Lebenswelten Jugendlicher im Fokus standen, war sogar hörbar: Mit einem Song von Amy Winehouse hat bestimmt noch kein Empfang des katholischen Bezirks begonnen. Drei junge Musiker aus Bad Soden und Frankfurt, Nadine Thomas am Keyboard, Tamara Koch am Saxophon und Bassist Christoph Beberweil,  sorgten für gute Stimmung und die richtige Hintergrundmusik zum Thema. Ganz analog, nicht digital – und damit ein gutes Argument für die erste These von Sonja Pohl. „Die Jugend gibt es nicht“, stellte die Referentin der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge (afj) der Deutschen Bischofskonferenz zu Beginn ihrer Präsentation klar. Verbindendes Element aber, das belegte die Religionspädagogin und Theologin mit Zahlen, sind dennoch die digitalen Welten, in denen die Jungen unterwegs sind: „Eine Art neuer Kontinent mit eigener Sprache und eigener Kultur.“

Zuhören und Nachfragen

Um sich da zurecht zu finden, braucht es ab einem bestimmten Alter anscheinend Fremdenführer und Übersetzer – das machte ein kleines Quiz in die Runde schnell deutlich. Gefragt nach der Nutzung des Smartphones als umfassendem Lebensbegleiter, nach Story-Telling auf Instagram oder angesagten YouTubern wie BibisBeautyPalace zeigten nur noch ein paar junge Leute auf, während der Großteil der Anwesenden passen musste. „Was sind Hashtags?“ lautete eine der Fragen im Anschluss an die Empfehlung der Referentin, diese mit dem Doppelkreuz versehenen Schlagwörter zur Platzierung eigener Themen zu nutzen. Eine spezielle Art von „Analphabetismus“, diagnostizierte Bezirksreferent Dr. Matthias Braunwarth und gab „Zuhören und Nachfragen“ als die Losung – nicht nur - für diesen Abend aus.

Gelegenheit dazu bot sich reichlich: An sieben Ständen konnten sich die ehren- und hauptamtlich Aktiven aus Gemeinden und Verbänden über bestehende Angebote im Rahmen der Jugendarbeit kundig machen. Die Bandbreite reichte vom Jugendradio Hofheim über Streetworker Hans Weide vom Verein Jugendberatung und Jugendhilfe bis zur Jungen Kantorei Bad Soden und der Jugend-Schulsozialarbeit in Hofheim.

Persönlich Kontakte knüpfen

Im Angebot waren gute Tipps aus erster Hand. „Wie kommen wir an die Kinder und Jugendliche heran, haben wir noch den richtigen Zugang?“ hatte Hans-Joachim Hampel, Vorsitzender der Bezirksversammlung, in seiner Begrüßung gefragt. Offenbar ist die altmodische Form für dieses Anliegen nicht abgeschrieben. „Kontakte zu Jugendlichen muss man persönlich knüpfen“, zeigte sich jedenfalls Benedikt Hock (19), Jugendsprecher von St. Franziskus, im Gespräch überzeugt. Die digitale Ebene könne man dann nutzen, um das fortzuführen. FSJlerin Elisabeth Klee (19) wünschte sich generell im Reden über Jugendliche mehr Differenzierung. Viele setzten sich sehr ernsthaft mit digitalen Medien und ihren Möglichkeiten auseinander und nutzten sie keineswegs so blauäugig, wie immer befürchtet werde. Anbiederung, da waren sich die beiden einig, kommt jedenfalls gar nicht gut an. Das Wissen darum klang auch im vorläufigen Fazit von Bezirksreferent Braunwarth mit an : „Begleiten und dranbleiben, aber nicht kopieren".