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Meer statt Kloster-Mauern

Surf-Exerzitien in Portugal
Meer statt Kloster-Mauern
Meer statt Kloster-Mauern
Tobias Schwalbach surft an der Küste von Portimao. © Bistum Limburg

Es ist 6.30 Uhr und der Wecker klingelt. Im Urlaub. So richtig „Urlaub“ ist es aber nicht, zumindest nicht im eigentlichen Sinn. Es sind Sport-Exerzitien, also geistige Übungen und Sport. Das „Surf-Kloster“ an der Algarve in Portugal ist eine Idee von Pfarrer Simon Schade aus Dillenburg. Bereits seit 2012 bietet er regelmäßig Surfexerzitien an. Bisher häufig für Studenten oder Schüler. Das „Surf-Kloster“ hat jedoch keine Altersbeschränkung. „Egal wie alt, egal welches Level an Surferfahrungen – jeder darf hierher kommen“, sagt der 39-jährige Pfarrer. Und es funktioniert: Die Teilnehmer sind zwischen 14 und Anfang 60, einige sind absolute Anfänger im Surfen, andere Könner. Viele sind Studenten, sie kennen Schade von anderen Surf-Camps.

Aus der Küche sind schon Stimmen zu hören, die Kaffeemaschine blubbert. Schnell werden Brote geschmiert, dann der gelbe Bus beladen. Neoprenanzüge, Surfbretter, Rucksäcke: Es geht ein Stück an der Küste entlang zum Surfspot „Praia do Zavial“. Dort angekommen heißt es dann: Neoprenanzug anziehen, Surfbrett nehmen und nach einem kurzen Aufwärmen geht es ins Wasser. Das Meer ist kalt, 17 Grad. Es wird langsam hell, aber trotzdem heißt es bewegen, damit es nicht zu kalt wird. Erst einmal paddeln die Surfer auf den Brettern ein Stück aufs Meer hinaus. Dann warten.

Unter ihnen ist Tobias Schwalbach aus Schneidhain. Der 20-Jährige war schon bei einigen Surfcamps mit Pfarrer Simon Schade dabei. „Ich verbinde Surfen mit einer Spiritualität. Das ist was Wunderbares in den Wellen zu sein, auf die Wellen zu warten, man hat so viel Zeit, sich Gedanken zu machen“, sagt Schwalbach. Nach und nach kommen die Wellen, die Surfer paddeln an, versuchen den richtigen Moment abzupassen, um dann auf dem Brett aufzustehen und die Welle zu surfen.

Es ist anstrengend. Immer wieder zurückpaddeln, nach den Wellen schauen, versuchen, die Welle zu bekommen und nach wenigen Sekunden ist wieder Schluss. Dann heißt es aus dem Wasser aufstehen, sich wieder aufs Board legen und zurück gegen die Wellen paddeln. Nach etwa drei Stunden haben viele der Teilnehmer genug. Die Boards werden wieder eingepackt und es geht zurück zum Haus, zur Villa Joaninha, in Portimao. Die Stadt Portimao liegt an der Algarve, im Süden Portugals.

© Bistum Limburg
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Hostel wird zum offenen Haus

Schade hat die Villa Joaninha gemietet. Im Sommer ist das Haus ein Hostel, in der Nebensaison ist es nun das Surf-Kloster. Das Konzept: ein offenes Haus. Jeder kann kommen und gehen wann er will und bleibt, solange es gefällt. Die Verpflegung und Unterkunft kosten 30 Euro pro Tag bzw. pro Nacht. Mit drin im Paket: ein Impuls, gemeinsames Essen, Austausch und natürlich der Sport. Jeden Abend gibt es zudem einen Gottesdienst in der kleinen Kapelle in der alten Festung der Stadt. „Das Ganze ist ein Experiment“, sagt Schade. Für ihn ist Surfen und Spiritualität ganz klar vereinbar. „Das Bild des Surfens, die Erfahrung des Surfens ist eine spirituelle. Wenn man von einer Welle getragen wird, wenn man merkt, im auf und ab der Wogen seinen Weg zu finden, ist das letztendlich genau das, wie man seinen eigenen Weg im Leben finden sollte.“ Man solle schauen, was einen antreibt, was einem Gleichgewicht gibt und dann merke man auch, dass es immer einen Weg gebe. „Wenn man das im Meer meistert, hat man schon ein gutes Handwerkszeug für das alltägliche Leben“, sagt der Pfarrer.

In den ersten Tagen ist das Programm noch sehr offen. Fest ist der Zeitpunkt des Gottesdienstes am Abend, 19.30 Uhr. Ansonsten wird geschaut, was sich den Tag über so ergibt. Die Teilnehmer bieten auch selbst Programmpunkte wie beispielsweise Yoga an. Jeder steuert bei, worauf er Lust hat und was er kann. Es wird gemeinsam eingekauft, gekocht und gegessen, aber auch für Ordnung im Haus gesorgt. Gemeinschaft ist ein wichtiger Punkt bei diesem Experiment.

Mit den Gedanken in der Welle

Pfarrer Schade gibt den Teilnehmern jeden Tag einen Gedanken mit auf den Weg. Ansonsten steht er zu Gesprächen zur Verfügung und hat auch verschiedene Übungen vorbereitet. „Jeder darf hier mitnehmen, was er braucht und möchte“, sagt Schade. „Es ist wunderschön, wie man Spiritualität mit dem Sport verbinden kann und wie man sich selbst in dieser Zeit finden und besser kennenlernen kann“, sagt Tobias Schwalbach. „Für mich bedeuten Surfexerzitien ohne große Pläne in den Tag zu starten und das Angebot von Simon so mitzunehmen“, erzählt Schwalbach. „Es ist immer schön, morgens mit einem Gedanken in den Tag zu starten und diesen Gedanken dann auf den Wellen weiterzuführen.“ Diese Gedanken streut Schade ein, bevor die Teilnehmer zum Surfen gehen oder auch vor einer der Mahlzeiten. In lockerer Sprache erzählt er eine Geschichte aus der Bibel nach und bezieht sie auf die Gegenwart. Dabei kann es um das Leben im Moment gehen, um Gedanken an die Zukunft, aber auch um Ängste, abgestimmt auf die Gespräche und die Teilnehmer.

© Bistum Limburg
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Abends lädt der Pfarrer dann zum Gottesdienst in die kleine Kapelle in der alten Festung ein. Ein Tisch dient als Altar. Das Neon-Licht bleibt meistens aus, stattdessen feiern die Teilnehmer bei Kerzenschein. Die Musik kommt vom Handy, gekoppelt an einen Lautsprecher. Auch hier wird viel improvisiert und ausprobiert. Gesang mit und ohne Hintergrundmusik, einander gute Wünsche zusprechen oder segnen. Danach geht es zurück zum Haus zum Abendessen auf dem Balkon. Wieder gemeinsam und so lange, bis es Zeit ist, den Wecker zu stellen.

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Bereits seit 2012 bietet Schade Surf-Exerzitien für Schüler und Studenten an. In diesem Jahr gibt es die „Surf-Spirits“ für Jugendliche ab 14 Jahren vom 1. bis zum 15. August 2020. Ob es das Konzept „Surf-Kloster“ als offenes Haus in diesem Jahr noch einmal geben wird, steht noch nicht fest.

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