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Mutige Reformen gefordert

Katholiken wünschen sich Wende in der Kirche und offene Diskussionen
Mutige Reformen gefordert
Mutige Reformen gefordert
#machtlichtan: Unter diesem Motto hatten im Dezember katholische Frauen unter anderem auch vor dem Frankfurter Dom protestiert © Jochen Reichwein

Ergänzung 5. Februar 2019

Das Präsidium der Limburger Diözesanversammlung hat die Initiative in einer Mitteilung begrüßt: "Das Anliegen, sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche zukünftig zu verhindern und den bisherigen Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Kleriker aufzuarbeiten und zu verändern, ist unbedingt zu unterstützen", heißt es in dem Schreiben. Das Bistum Limburg arbeite entschieden an der Aufarbeitung. Ein angekündigter Projektplan werde bei der nächsten Diözesanversammlung im April vorliegen. 

 

Originalmeldung

Mit einem dringenden Appell haben sich Theologen und engagierte Katholiken in einem offenen Brief, den wir hier dokumentieren, an die katholischen Bischöfe gewandt. „Nehmen Sie Ihre geistliche Vollmacht für mutige Reformen in der Kirche in Anspruch“, heißt es in dem Offenem Brief, der am Sonntag, 3. Februar, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) abgedruckt worden ist. Adressat ist der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx. Er wird darum gebeten, „in Rom freimütig den wichtigsten Ertrag der MHG-Studie zur Sprache zu bringen: Missbrauch in unserer Kirche hat auch systemische Gründe“. Hintergrund ist die von Papst Franziskus einberufene Sonderkonferenz im Vatikan, bei der sich ab 21. Februar alle Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen mit dem sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen durch katholische Kleriker auseinandersetzen.

Zu den insgesamt neun Unterzeichnern des Schreibens gehören mit Stadtdekan Johannes zu Eltz, Caritasdirektorin Gaby Hagmans und Rektor Ansgar Wucherpfennig drei prominente Frankfurter aus dem Bistum Limburg. Außerdem haben der Jesuitenpater Klaus Mertes, Professor em. Jörg Splett und seine Frau Ingrid, die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZDK), Claudia Lücking-Michel, sowie Bettina Jarasch und Dagmar Mensink, ebenfalls Mitglieder des ZDK, unterschrieben.

 „Die Versuchung des Klerikalismus folgt dem Klerus wie ein Schatten. Die Aussicht auf Macht in Männerbünden zieht Menschen aus Risikogruppen an. Sexuelle Tabus blockieren notwendige Klärungs- und Reifungsprozesse“, fassen die Autoren Folgerungen aus der Missbrauchsstudie zusammen. „Binden Sie sich selbst durch echte Gewaltenteilung – das passt besser zur Demut Christi und in den Rahmen der für alle geltenden Gesetze.“, heißt es in dem Appell an die Bischöfe. Die Überhöhungen des Weiheamtes sollten abgebaut, es sollte für Frauen geöffnet und  Diözesanpriestern die Wahl der Lebensform freigestellt werden. Geboten sei außerdem ein Neustart mit der Sexualmoral inklusive einer „verständigen und gerechten Bewertung von Homosexualität.“

Den deutschen Bischöfen bescheinigen die Autoren des Briefes, dass sie seit 2010 mit der Prävention und Sanktion von Missbrauchstaten gut vorangekommen seien. Nach der Veröffentlichung der MHG-Studie 2018 hätten sie Betroffenheit zum Ausdruck gebracht und Abbitte geleistet, allerdings im Wissen, dass „Worte allein jetzt nicht mehr weiterhelfen“. Die aktiven Katholiken trügen in ihrer großen Mehrheit die vormoderne Ordnung der Kirche nicht mehr mit. Gerade dort, wo in den Gemeinden und Einrichtungen der Kirche von Berufs wegen und ehrenamtlich Tag für Tag viel Gutes getan werde, habe sich tiefe Enttäuschung breitgemacht: „Unter einem bleiernen Himmel verkümmert die Freude am Glauben.“

Der offene Brief im Wortlaut
Die Erklärung der Diözesanversammlung zum Download