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Nichts ist zu viel für die Liebe

Sr. Agnes Lanfermann predigt im Limburger Dom
Nichts ist zu viel für die Liebe
Nichts ist zu viel für die Liebe
© Bistum Limburg

LIMBURG.-  Eine obdachlose Frau in Kampala in Uganda: Sie ist alt, blind, allein, abgemagert bis auf die Knochen, die Kleider ein Lumpengemisch, ihr rechter Arm hängt leblos herunter. Sr. Agnes Lanfermann von den Missionsärztlichen Schwestern erzählt in ihrer Fastenpredigt im Dom zu Limburg am Sonntag, 11. März, von ihrer Begegnung mit dieser Frau. Die obdachlose Frau steht stellvertretend für so viele arme und bedrängte Menschen. Gleichzeitig geht es der Ordensschwester um dieses eine Leben. Die Frau, die sie Rosalia nennt, hat ein Echo im Herzen Lanfermanns gefunden. Sie  berichtete ihren Mitschwestern in Kampala von dieser Frau, die daraufhin ihr Engagement für obdachlose Frauen vor Ort verstärken.

Menschen zu lieben, nicht für das, was sie versprechen und zur Gesellschaft oder Kirche beitragen, sondern dafür, wer sie im Verhältnis zu Gott sind, geliebte Töchter und Söhne Gottes, Schwestern und Brüder Jesu: Das sei möglich durch eine Hinwendung zu Gott, durch die unerschöpfliche Kraftquelle Jesus und durch eine Treue zum Evangelium. „Liebe will sich geben, ungeachtet der Kosten. Nichts ist zu viel für die Liebe“, zitiert Lanfermann die  Gründerin des relativ jungen Ordens der Missionsärztlichen Schwestern, die Ärztin Anna Dengel. Papst Franziskus spreche von der Liebe als „eine Antwort, die tief ins Innerste des Menschen hinabfällt und ihn stützen und erheben kann“ und als „die Wahrheit, die nicht aus der Mode kommt“.

Menschenhandel und Ressourcenknappheit

Ihre Fastenpredigt hatte Lanfermann überschrieben mit „Treu bleiben im Wandel“. Der Wandel in Gesellschaft und Kirche sei dabei nichts, wovor man Angst haben müsse, denn eins sei unwandelbar: die bedingungslose Liebe Gottes für alle. Trotz dieser Gewissheit und des Optimismus, mit dem es in der Nachfolge Jesu voranzugehen gelte, sprach die Ordensfrau auch gewaltige Probleme der Gegenwart und der Zukunft an: Menschenhandel, Ressourcenknappheit, Klimawandel.

Hier dem Evangelium treu zu bleiben bedeute auch, so Lanfermann, beispielsweise zu den 27 Millionen Opfer von Menschenhandel weltweit, davon meist Frauen und Kinder, in Beziehung zu treten – und zwar als Träger und Trägerinnen des Wortes Gottes und seiner Verheißung. „Es gilt ihr Unrecht zu sehen und alles zu tun, dass sie als Gottes geliebte Kinder angenommen werden. Damit haben sie die Autorität, von Gott zu erzählen und von dem, was unser Auftrag ist.“ Auch beim Thema Klimawandel sei es Zeit, sich einzusetzen: Nur mit einem veränderten Konsumverhalten könne man nachhaltig die Zukunft der Schöpfung sichern: „Die Ressourcen unserer Erde sind begrenzt und müssen gerecht verteilt werden. Dabei ist der Lebensstandard da zu reduzieren, wo er zum Wohlstand geworden ist“.

Wider eine scheinheilige Vergeistigung des Evangeliums 

Auch innerkirchlich gebe es dramatische Veränderungsprozessen. Es stehen „gewaltige Dialog- und Kommunikationsprozesse an, die unseren Blick weiten und tiefen müssen, um dem sich stets neu offenbarenden Geheimnis von Kirche im Wandel der Zeiten auf der Spur zu bleiben.“ Dabei gelte es eine neue Sprache einzuüben, eine gewaltfreie Sprache der Liebe.

Die Nachfolge Jesu bedeute, das Evangelium zu leben, die Not Rosalias zu sehen und sich ihrer anzunehmen. Das ist eine der Botschaften der Fastenpredigt von Lanfermann. So könnten Menschen „im Alltag der verwundeten Welt“ heilend, versöhnend, ganzmachend präsent sein. Alles andere wäre – hier beruft sie sich auf Dietrich Bonhoeffer – eine „scheinheilige Vergeistigung des Evangeliums“.  (fl)

Hintergrund: Die Ordensgemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern

Die Missionsärztliche Schwestern sind eine katholische Ordensgemeinschaft mit Mitgliedern aus Afrika, Asien, Europa, Latein Amerika und den USA, die sich von Gottes heilender Gegenwart begeistern lassen. Gegründet wurde die Gemeinschaft 1925 in Washington/USA von der österreichischen Ärztin Dr. Anna Dengel. Seit 1958 ist die Gemeinschaft auch in Deutschland präsent.

Medical Mission Sisters (MMS): Der internationale Name war für die Gründerin Vision und Aufgabe und ist auch heute wegweisend für die Gemeinschaft. Heute sind mehr als 500 Missionsärztliche Schwestern und circa 100 assoziierte Mitglieder tätig in Indien, Pakistan, Indonesien, Philippinen, Äthiopien, Ghana, Kenia, Malawi, Uganda, Peru, Venezuela, USA, England, den Niederlanden und Deutschland. Meist leben und arbeiten die Ordensschwestern in kleinen Kommunitäten unter den Menschen.

In der südlichen Welt liegt - neben der Arbeit in einigen Krankenhäusern liegt der Fokus der Arbeit auf präventiver Medizin unter Einbeziehung von einheimischer Heilkunst, auf Basisgesundheitsdienst mit der Ausbildung von Frauen für die Präventivmedizin, auf integraler landwirtschaftlicher und dörflicher Entwicklung z.B. durch saubere Wasserquellen und Verbesserung der Ernteerträge und Kooperativen, auf  Selbsthilfegruppen von Frauen, auf dem Einsatz gegen Umweltzerstörung und dem Schutz der Lebenswelt und der Rechte indigener Völker und auf Netzwerkarbeit und dem gemeinsamen Einsatz für die Rechte der Armen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene z.B. durch NGO-Status bei der UNO.

In Deutschland leben derzeit kleine Gemeinschaften in Berlin, Bottrop, Essen und Frankfurt. Sie engagieren sich für Menschen, denen aufgrund von Armut, Alter, Krankheit, Behinderung oder Migration die Teilhabe in unserer Gesellschaft erschwert wird. (z.B. die Elisabeth Straßenambulanz Frankfurt). Die Gemeinschaft unterstützt diese Menschen bei ihrer Suche nach Heilung und Teilhabe und bietet darüber hinaus vielen anderen eine Weggemeinschaft bei ihrer Suche nach Sinn und Lebensorientierung. Jesu Beispiel und sein Einsatz für ein Leben in Fülle ist dabei Inspiration und Motivation.