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Opfern Gehör und Glauben schenken

Bischof Georg Bätzing im Interview mit dem Hessischen Rundfunk
Opfern Gehör und Glauben schenken
Opfern Gehör und Glauben schenken

Die Begegnung mit Opfern von sexuellem Missbrauch durch Kleriker in der katholischen Kirche verändert und führe zum nötigen Perspektivwechsel. „In der Kirche haben wir lange einen falschen Blick auf dieses Thema gehabt. Es wurde zu sehr auf die Institution geschaut. Das Leid der Menschen, die missbraucht und so tief verwundet wurden, dass sie lebenslang belastet sind, ist nicht gesehen worden“, sagte Bischof Dr. Georg Bätzing im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk. Es gelte den Opfern zuzuhören und ihnen Gehör und Glauben zu schenken. „Als Bischof ist es Last und Pflicht Aufarbeitung voranzutreiben und die Anliegen der Opfer in die Beratungen mitzunehmen“, sagte Bätzing.

Opfer haben Recht auf Aufarbeitung

Die Opfer von sexuellem Missbrauch aber auch die Gläubigen hätten ein Recht darauf, dass Missbrauch aufgearbeitet werde und Situationen erhellt würden. Dazu gehöre auch, dass Namen von Verantwortlichen genannt würden. „Wir können die Aufarbeitung nicht selbst tun. Aufarbeitung braucht einen unabhängigen und externen Blick. Dieser Blick wird klären, was die Fehler waren und wer dafür verantwortlich ist“, so Bätzing. Er sei auch mit Bischof Kamphaus, der von 1982 bis 2007 Bischof von Limburg war, im intensiven Gespräch dazu. „Bischof Franz verfolgt die Situation gerade nach Bekanntwerden der Missbrauchsstudie sehr genau. Im Grunde sagt er jetzt schon, dass aus der Perspektive von heute, damals Fehler gemacht wurden und Situationen heute anders berührt würden“, sagte Bätzing. Er kündigte an, dass es im Bistum Limburg einen umfassenden Prozess der Aufarbeitung und der Umsetzung der Empfehlungen aus der MHG-Studie geben werde. Innerhalb eines Jahres sollen Ergebnisse erarbeitet und transparent gemacht werden.

Kirche muss ihrem eigentlichen Auftrag gerecht werden

Für den Bischof von Limburg ist klar, dass es ein „Weiterso“ in der Kirche nicht geben könne, denn sonst habe sich die Kirche in vielen Punkten in den kommenden Jahren erübrigt. Dabei gehe es ihm nicht um den Selbsterhalt der Institution Kirche, sondern vielmehr um den Menschen. „Es ist verherrend und abscheulich, dass der eigentliche Auftrag der Kirche, Menschen mit dem Glauben in Berührung zu bringen, durch Missbrauch missachtet und missbraucht wird“, so Bätzing. Die Kirche müsse die Lebenswirklichkeit der Menschen wahrnehmen und die Zeichen der Zeit erkennen. Deshalb müsse über Strukturen, über Macht, über den Zölibat, die Rolle der Frau in der Kirche, über die Bewertung von Homosexualität und andere Fragen offen gesprochen werden. „Ich weiß nicht, ob alle Forderungen, die hinter diesen Fragen stehen, zu erfüllen sind. Ich glaube aber, dass es der Kirche nicht schadet, wenn Priester frei sind zu wählen, ob sie ehelos leben wollen oder nicht“, sagte der Bischof. Ihm sei der Zölibat viel wert, denn so habe Jesus gelebt. Er wolle als Priester nicht nur Funktionär und Beamter sein, sondern in die Fußstapfen Jesu treten. Bätzing gehe es daher um eine differenzierte Sicht auf das Thema. Im Kern müsse es darum gehen, den Zölibat zu stärken und anderes zu ermöglichen. Es müsse Formen für beide Lebensweisen geben.

Das gesamte „Interview“ mit Bischof Georg gibt es als Podcast hier: https://mp3podcasthrdl-a.akamaihd.net/mp3/podcast/hr-info_gespraech/hr-info_gespraech_20190220_80944853.mp3.