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Rotationsprinzip seit 800 Jahren

Neue Gesichter im Citykloster Liebfrauen
Rotationsprinzip seit 800 Jahren
Rotationsprinzip seit 800 Jahren
Neuer Kirchenrektor P. Stefan, neuer Guardian Br. Michael und ein Franziskaner unter Kapuzinern, Br. Rudolf (v.li.n.re.) © D. Wiese-Guheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt

Das Rotationsprinzip, das mancherorts in der Politik gültig ist, haben die geistlichen Nachfolger des Heiligen Franziskus schon lange für sich entdeckt. Und auch eine Art Doppelspitze gibt es im Citykloster Liebfrauen. Am Samstag, 14. September, werden drei Brüder neue Aufgaben in dem weit über die Grenzen Frankfurts hinaus bekannten Kapuzinerkloster übernehmen.

Pater Stefan Maria Huppertz (42) wird als Nachfolger von Br. Christophorus Goedereis, der im Sommer zum Provizinal der deutschen Kapuzinerprovinz gewählt wurde, neuer Kirchenrektor und damit verantwortlich für Gottesdienste und Seelsorge in der Liebfrauenkirche mitten im Herzen der Stadt. Gleichzeitig übernimmt Bruder Michael Wies, der schon seit 2014 in Frankfurt lebt, als jüngster der sieben Brüder im Citykloster das Amt des Guardian, der die Geschicke des Klosters leitet. Br. Michael (37) ist ein so genannter Laienbruder, also kein Priester. Als Diplom-Sozialarbeiter und Diplom-Pädagoge leitet er seit 2015 den Franziskustreff, das Frühstücks- und Beratungsangebot der Franziskustreff-Stiftung in Liebfrauen.

Der erste Franziskaner unter Kapuzinern

Zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Kapuziner zieht außerdem ein Franziskaner, Br. Rudolf Dingenotto, nach Liebfrauen. Der 76-Jährige aus dem „Nachbarorden“ des Heiligen Franziskus (1182-1226), war schon als Schulseelsorger, Exerzitienbegleiter, Arbeiterpriester und zuletzt 25 Jahre Psychaitrieseelsorger eingesetzt. Die Orden der Kapuziner und der Franziskaner, die sich beide auf Franz von Assisi berufen, suchen derzeit nach Formen einer engeren Zusammenarbeit.

Der stetige Wechsel auf unterschiedliche Positionen gehört zum franziskanischen Leben dazu, wie P. Stefan bei der Vorstellung der neuen Brüder am Freitag, 13. September, in Liebfrauen erläutert: „Wir wollen nicht einrosten, sondern machen uns immer wieder neu auf den Weg.“ Liebfrauen hatte er vor 18 Jahren als Theologiestudent bei einem Altgriechischkurs in Sankt Georgen kennengelernt und sich vom dortigen Ordensleben angezogen gefühlt. Schon 2002, noch vor der Priesterweihe 2009, trat der gebürtige Oberhausener in den Kapuzinerorden ein.

Seit 2011 baute P. Stefan den Pfarrverband Isarvorstadt in München auf und entwickelte dort Formate wie „Schlag 12 – Messe für Ausgeschlafene“, das „Klosterforum Isarvorstadt“ und andere Projekte, die der Lebenswirklichkeit und Glaubenspraxis von heute entsprechen wollen.

Br. Paulus Terwitte (60), der in den vergangenen neun Jahren Guardian des Cityklosters war, bleibt in Frankfurt. Er setzt seine Tätigkeit als Ökonom in der Gemeinschaft fort und bleibt auch Vorstand der Franziskustreff-Stiftung.