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Signalwirkung auf Bistumsebene

Werkstattgespräch mit Dr. Holger Dörnemann
Signalwirkung auf Bistumsebene
Signalwirkung auf Bistumsebene
Dr. Holger Dörnemann © Bistum Limburg

Aktuell werden 64 Maßnahmen, die künftig sexuellen Missbrauch im Bistum Limburg verhindern sollen, umgesetzt. In der Interviewreihe "Werkstattgespräch" geben wir konkrete Einblicke in die Umsetzung und berichten über die Arbeit der Verantwortlichen an einzelnen Maßnahmen. Der aktuelle Stand der Umsetzung kann jederzeit hier eingesehen werden. 

Dr. Holger Dörnemann ist Abteilungsleiter der Abteilung Familien und Generationen im Dezernat Kinder, Jugend und Familie.

An welcher Maßnahme arbeiten Sie aktuell und in welchem Zusammenhang steht das mit Ihrer sonstigen Tätigkeit?

Im Rahmen des Projektes „Sexualpädagogische Kompetenz in kirchlichen Arbeitsfeldern“ haben wir uns zuletzt mit sexualpädagogischer Arbeit an der Schnittstelle der Präventionsarbeit befasst, von Erfahrungen sexualpädagogischer Konzeptarbeit im Bistum Mainz gelernt und auch einen Blick in die fächerübergreifende und vernetzte Anlage der Sexualerziehung in schulischen Lehrplänen geworfen. Als nächster Schritt steht die Zusammenstellung eines ersten Entwurfs von Leitlinien sexueller Bildung und sexualpädagogischer Bildungsaufgaben für das Bistum Limburg an, die wir Anfang nächsten Jahres vorlegen wollen. Es ist zugleich auch ein Startsignal und eine Staffelübergabe an das sich anschließende Projekt „Die Sprachfähigkeit zur Sexualität von Kindern und Jugendlichen verbessern“, das im Frühjahr nächsten Jahres anfangen wird. Als Abteilungsleiter im Dezernat Kinder, Jugend und Familie empfinde ich beide Projekte sehr nah am Grundauftrag meiner Verantwortung. 

Auf welche Herausforderungen stoßen Sie? / Und welche Lösungen finden Sie?

Ich habe es schon als Ruck wahrgenommen, als direkt zu Beginn des Projektes Anfang dieses Jahres eine erste Nagelprobe hinsichtlich der Ernsthaftigkeit des Projektes anstand, bzw. als die Frage des Einbezugs von Kompetenzen Sexueller Bildung in die Ausbildungsordnung pastoraler Berufe zur Diskussion stand. Ich bin froh, dass es so gekommen ist und die neue Ausbildungsordnung dieses Kompetenzfeld ganz ausdrücklich enthält; und ebenso fest davon überzeugt, dass es ohne das MHG-Implementierungsprojekt nicht dazu gekommen wäre. Aber auch das Papier einer Ausbildungsordnung ist geduldig, wenn es keine Wirksamkeit in der Praxis entfaltet. Darauf hinzuwirken, sehen wir im Implementierungsauftrag als unsere größte Aufgabe: Dass sich mit einer neuen Sprachfähigkeit auch eine neue Praxis in den verschiedenen kirchlichen Arbeitsfeldern entfaltet und sich jeder Bereich auch ganz konkret ausweisen kann und muss: Was tut Ihr konkret in Sachen sexueller Bildung?

Welche Effekte hat das Ergebnis für die Betroffenen?

Die angefertigten Gutachten und Studien im Vorfeld der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt – die bekannteste ist die MHG-Studie - benennen den Mangel sexueller Reife und Bildung als systemische Ursache und Risikofaktor für sexualisierte Gewalt und Grenzverletzung. Daraus folgt unmittelbar die Forderung, sexueller Bildung und Sexualpädagogik künftig einen neuen Stellenwert in pädagogischen und pastoralen Einrichtungen zu geben und personelle und sachbezogene Ressourcen dafür bereitzuhalten bzw. weiter zu qualifizieren. All dies dient auch dem Schutz. In der Fort- und Weiterbildung müssen deshalb in allen Bereichen der kirchlichen Dienste insbesondere diejenigen geschult werden, die im Nah- und Abhängigkeitsbereich mit Kindern, Jugendlichen und schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen arbeiten. Aber die Förderung der Sprachfähigkeit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist ebenso wichtig, quasi die andere Seite der Medaille: die Sprachfähigkeit zu schulen, die die sexuelle Entwicklung fördert und darin ebenfalls dem Schutz vor sexualisierter Gewalt dient. In den verschiedensten Arbeitsbereichen muss zugleich die Sensibilisierung der Bedeutung von Abhängigkeiten und Machtverhältnissen, die zwischen Menschen bestehen, thematisiert und bewusst werden. Das gelingt nur, wenn die zugrunde liegenden Leitlinien sexueller Bildung auch die Freiheit atmen und auf sexuelle Selbstbestimmung zielen, die dem christlichen Glauben in der heutigen Zeit gemäß sind. Von daher werden auch die Leitlinien auf Bistumsebene eine Signalwirkung haben.

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