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Verstorbene Margurit Aßmann mit Georgsplakette geehrt

Höchste Auszeichnung des Bistums erstmals posthum verliehen
Verstorbene Margurit Aßmann mit Georgsplakette geehrt
Verstorbene Margurit Aßmann mit Georgsplakette geehrt
Hohe Auszeichnung, die erstmals posthum vergeben wurde: Die Georgsplakette des Bistums Limburg. © Bistum Limburg
© St. Johannes Apostel Margurit Aßmann im Oktober 2019.

Margurit Aßmann, vielen in Unterliederbach bekannt als „Maggi“, ist ein Jahr nach ihrem Tod posthum mit der Georgsplakette gewürdigt worden. Die Medaille ist die höchste Auszeichnung des Bistums für Frauen und Männer, die sich besonders aktiv ehrenamtlich engagieren. Stellvertretend für die Familie Aßmann nahm Simone Hacker, Margurit Aßmanns Tochter, die Auszeichnung entgegen. Übergeben wurde sie im Namen von Bischof Georg Bätzing durch Pfarrer Michael Metzler, der die Geehrte für den Preis vorgeschlagen hat – und der in dem Gottesdienst noch darüber hinaus eine ganz besondere Rolle spielte.

Die Tochter zeigte sich bewegt über die Würdigung, die eigentlich bereits im April 2020 hätte verliehen werden sollen, dann aber wegen des ersten Lockdowns verschoben werden musste. „Es ist eine große Ehre für sie, aber auch für unsere ganze Gemeinde“, sagte Simone Hacker. „Das ist ein sichtbares Zeichen, das uns stolz macht.“ Allerdings glaubt sie auch, genau zu wissen, was ihre Mutter über die ganze Aktion gedacht hätte: „Sie hat nicht viel von Auszeichnungen gehalten und sicher gesagt, sie bräuchte das nicht“, so Simone Hacker. Es half ihr nichts: Margurit Aßmann erhielt für ihren großen Einsatz zu Lebzeiten auch das Bundesverdienstkreuz und die Bartholomäus-Plakette der Stadtkirche Frankfurt.

© Bistum LimburgMargurit Aßmanns Tochter Simone Hacker und Msg. Michael Metzler.

Die Geschichte von Margurit Aßmann als überzeugte und unverzichtbare Ehrenamtlerin begann 1973, als die damals junge Mutter in den Elternbeirat des Katholischen Kindergartens gewählt wurde. Später engagierte sie sich in der Erstkommunionkatechese, außerdem war sie jahrelang als Küchenfrau im Kinder- und später auch im Familienzeltlager eine treibende Kraft. 1991 wurde sie Pfarrgemeinderatsvorsitzende und blieb dies (mit einer Unterbrechung von drei Jahren) bis zur Gründung der Pfarrei St. Margareta 2018. Anschließend blieb sie bis zu ihrem Tod am 13. Dezember 2019 Vorsitzende des Ortsausschusses.

„Sie war geerdet und hatte keine falsche Scheu“

Stefan Hecktor, stellvertretender Vorsitzender des Ortsausschusses, blickte beim feierlichen Gottesdienst (mit Maske und ohne Singen) Mitte Dezember zurück auf das Wirken der dreifachen Mutter und fünffachen Oma aus Unterliederbach, die sich fast 50 Jahre lang für „ihre“ Kirchengemeinde St. Johannes Apostel engagierte und im Stadtteil sehr beliebt war. Aßmann war eine, die die Ärmel hochkrempelte und Dinge möglich machte. Sie sei geerdet gewesen, so Hecktor, auch durch ihre Berufstätigkeit als Krankenschwester, und habe keine falsche Scheu vor den Großobersten gehabt. Das habe dazu geführt, dass sie sich nach und nach ein riesengroßes Netzwerk aufbaute und immer wusste, wen man fragen konnte. Hecktor würdigte sie als „oft unbequeme, aber zuverlässige Partnerin von Pfarrern, Seelsorgern und der Gemeinde. Sie war eine begnadete Netzwerkerin.“

Ich sehe Margurit Aßmann am Lagerfeuer. In der Zeltlagerküche. Höre sie vom Caritaspfad sprechen. Oder von Pfarrer Neumann erzählen. Denke daran, wie sie mich in den Arm genommen hat, als ich erstmals von David erzählte. Oder wie wir beide Tränen in den Augen haben, wenn das Dietrich Bonhoeffer Lied gesungen wird. Sie fehlt mir. [...] Und ganz Unterliederbach.

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Ein Beispiel: In den 90er Jahren gründete sich aus dem PGR von St. Johannes heraus eine Arbeitsgruppe, um die Caritas vor Ort neu zu strukturieren. „Mit vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern gründete Margurit Aßmann die Lebensberatung , dann den Kinder-Kleider-Korb, aus denen die Kleiderläden entstanden sind, das Hilfenetz, die Freizeiten in Hübingen, der Verein Caritas der Gemeinde, das Containerprojekt für Kumbo. Der Caritaspfad ist heute weit über die Bistumsgrenzen bekannt und legendär“, berichtete Stefan Hecktor. All diese Dinge wären kaum möglich gewesen ohne Aßmanns großes Engagement und ihre Fähigkeit, die Menschen mitzunehmen.

Goldenes Priesterjubiläum von Msg. Michael Metzler

Die Überreichung der Georgsplakette war Mitte Dezember nicht der einzige Grund zum Feiern: Zeitgleich beging Msg. Michael Metzler sein Goldenes Priesterjubiläum. Er blickt zurück auf 50 Jahre Dienst als Priester im Bistum Limburg, davon über 30 Jahre als Pfarrer in St. Josef-Bornheim und stets „mit Herz und Verstand“. Außerdem wirkte jahrelang als Vorstandvorsitzender der Caritas für die Diözese Limburg. „Ohne Caritas gibt es keine Kirche“ – so lautete seine Ansage. Pfarrer Martin Sauer und die Gemeinde dankten für solch einen beherzten Pfarrer.

Es war kein Zufall, dass beide Ereignisse am gleichen Tag begangen wurden: „Margurit Aßmann und Michel Metzler kannten sich von Kindebeinen, wuchsen gemeinsam auf und ließen beide tiefe Spuren in der Kirche“, sagte Stefan Hecktor, der die beiden Lebenslinien aufzeigte und immer wieder auf Berührungspunkte aufmerksam machte: „1945. Die Welt liegt in Trümmern, alles kaputt, Angst, Not und die Frage, wie soll es weitergehen? Die Stunde 0. Und da werden in Deutschland zwei Menschen geboren. Margurit und Michael wachsen beide in Unterliederbach auf, gehen gemeinsam in die Volksschule, werden in der katholischen Jugend groß. Er wird von Pfarrer  Gotthardt gefördert, wird Oberministrant und Küster. Sie darf nicht Maria sein. Aber beide Kinder tragen das Licht in ihren Herzen, auf ihren jeweiligen Lebenswegen.“

Margurit Aßmann fehlt überall: Ihrem Mann Gerd Reiner, mit dem sie in konfessionsverbindender Ehe mehr als fünfzig Jahre verheiratet war, ihren drei Kindern mit Familien und im Besonderen ihren fünf Enkelkindern, ihrem Freundeskreis, der Gemeinde St. Johannes Ap. in der Pfarrei St. Margareta Frankfurt und so vielen Menschen im Stadtteil Unterliederbach. Immer noch ist es kaum begreiflich, dass sie nie wieder da sein wird, mit ihrem Lachen, ihren Ideen, ihrer Zuwendung und ihrer Tatkraft.

Nachruf auf www.feinschwarz.net, 30. Januar 2020

In Limburg seien sich beide dann im September 2019 noch einmal begegnet: Margurit Aßmann hatte das Generationenprojekt von „Abenteuer Glaube – Kirche im Grünen“  beim Stiftungsverband der Caritas Limburg zur Förderung eingereicht. Michael Metzler konnte ihr auf großer Bühne den Scheck überreichen.

Zum Abschluss wandte sich Hecktor direkt an den Anwesenden und die Verstorbene: „Liebe Maggi, lieber Michel, wir in St. Johannes sind so dankbar für Euer Tun. Und danke lieber Gott, dass Du das Licht leuchten lässt.“

Da aufgrund der aktuellen Corona-Auflagen nicht alle, die gerne dabei gewesen wären, am Gottesdienst teilnehmen konnten, hat sich der Ortsausschuss eine Aktion überlegt, um in spezieller Weise an das Wirken von  Maggi Aßmann  zu erinnern: „Am Baum des Lebens im Rückraum der Kirche hängt ein Kreuz für Margurit Aßmann – wie im Übrigen für alle Verstorbenen und Getauften des Jahres“, so Hecktor. „Dort gab es den Plan des Caritaspfades und auch Sternsingerkreide. Beides konnte man mitnehmen und den Pfad aus der Kirche heraus gehen zu den einzelnen Einrichtungen, um dort ein Bild oder Zeichen zu hinterlassen. Die Einrichtungen sind: Kita St. Johannes Apostel, Allgemeine Lebensberatung, Hilfenetz, Kleiderladen am Alleehaus, Werkhof, Jugendzentrum, Nachbarschaftshaus und Kita Engelsruhe…“

Außerdem soll 2021 ein Baum zur Erinnerung gepflanzt werden. Zudem steht in der Kirche eine Pinnwand, an die Erinnerungen an Margurit Aßmann, aber genauso Ideen für die Zukunft angeheftet werden können. „Es soll ein Gruß von Mensch zu Mensch werden, der hinterher zu einem Buch oder ähnlichem zusammengebunden wird“, so Hecktor. Gerne könne man auch eine Mail schreiben an was-mich-bewegt@bistumst-johannes-aplimburg.de.

Ich bin sehr beeindruckt und bewegt davon, wie Sie diesen Tag in Ihrer Gemeinde und in Ihrem Stadtteil begehen und gestalten. Bei diesen Ideen wäre Frau Aßmann sicher als erste mit dabei gewesen. […] Im vergangenen Jahr gab es immer wieder Situationen, in denen ich mich gefragt habe: „Was würde Frau Aßmann dazu sagen oder tun?“. Und auf diese Weise wird sie mich sicher auch weiter begleiten.

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