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Wir teilen Angst und Hoffnung

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Wir teilen Angst und Hoffnung
Pfarrer Werner Meuer.

Pfarrer Meuer, in der Pfarrkirche St. Marien in Bad Homburg steht seit einiger Zeit am Eingang ein Kreuz mit dem Titel „Zeige deine Wunde“. Was hat es damit auf sich?

Inspiriert wurde ich dazu von einer von Joseph Beuys geschaffenen Installation mit demselben Titel. Es thematisiert Therapie und Heilung, „weil man die Krankheit offenbaren muss, die man heilen will“, wie Joseph Beuys erklärte. Das weiß verhüllte Kreuz in unserer Pfarrkirche will ein Ort der Klage, des Verletzt Seins und der Sterblichkeit darstellen. Denn eine Wunde, die man zeigt, kann geheilt werden. Die aktuelle Situation unseres Lebens und unserer Welt, getroffen von dem Coronavirus, zeigt erschreckend und schmerzlich, wie verletzlich Mensch und Welt sind. Wir laden in dieser Situation die Gläubigen ein, gerade jetzt ihre eigenen Wunden auf eine vorbereitete Karte zu schreiben - auch die Wunden der Menschen, mit denen sie leben, die Wunden der Kirche und die Wunden der Welt - und an das Tuch am verhüllten Kreuz zu heften im Glauben, dass Jesus mit uns auch heute durch das Leid zum Morgen der Auferstehung geht.

Was kann die Kirche jetzt für die Menschen tun?

Unsere Aufgabe ist es, den Menschen nah zu sein. Da die persönliche Begegnung ausfällt, ist es besonders wichtig, auf anderen Ebenen Kontakt zu halten, per Mail, per Telefon, per Brief. Was wir dabei spüren, ist das große Vertrauen, dass die Menschen uns entgegen bringen. Sie sprechen uns gegenüber ihre persönlichsten Ängste und Gefühle aus. Wir nehmen das mit in die Gottesdienste hinein, die die Priester jeden Abend um 18 Uhr feiern. Das bringt Menschen wieder Hoffnung. Wir wollen auch in der Öffentlichkeit deutlich wahrnehmbar sein, zum Beispiel mit der Aktion „Wir sind für Sie da  - gerade jetzt“, mit der wir konkrete Hilfe organisieren. Wir haben ein „Schüler-Sorgen-Telefon“ an den Schulen eingerichtet, wo an drei Vormittagen eine Ansprechpartnerin telefonisch erreichbar ist. Über die sozialen Netzwerke gab es eine eigene Botschaft an alle Jugendlichen der Pfarrei. Und noch vor der Karwoche sind 1450 Briefe an alle Senioren über 80 in die Post gegangen, als Zeichen der Verbundenheit. All das soll signalisieren: „Hallo, wir sehen uns derzeit nicht, aber wir sind für Sie – auch gerade jetzt – da!“

Wie erleben Sie persönlich diese Krisenzeit?

Mit vielen Menschen hier in Bad Homburg und Friedrichsdorf teile ich Angst und Hoffnung. Da meine Mutter vor wenigen Tagen gestorben ist, ist das Kreuz „Zeige deine Wunde“ in unserer Kirche auch meine persönliche Sache, ich bin selbst betroffen. Ich habe erlebt, wie wohltuend die Unterstützung ist, die mein Bruder und ich im Herz-Jesu-Krankenhaus in Dernbach von Schwestern und Ärzten im Angesicht des kommenden Todes erfahren haben. Das, was ich selbst an Trost empfangen habe, möchte ich jetzt weitergeben. Ich glaube, dass dort, wo wir die Wunde aushalten, wir Gott erlernen und Gottes Nähe erfahren können.

Wie geht es Erzieherinnen und Erziehern in der Notbetreuung? Mit welchen Gefühlen tritt ein Krankenhausseelsorger seinen Dienst an? Was macht ein Kirchenmusiker, wenn Chorproben und Gottesdienste ausfallen? Und wie organisieren Seelsorgerinnen und Seelsorger die Pastoral vor Ort? Das Bistum Limburg will mit einer neuen Reihe von Kurzinterviews einen Einblick in den Alltag von Menschen in Zeiten von Corona eröffnen.  Alle Beiträge finden Sie auf unserer Themenseite: https://bistumlimburg.de/thema/drei-fragen/

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