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Neue Herausforderungen

Interview mit dem Leiter der Projektstelle Inklusion David Heun
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David Heun leitet die Projektstelle Inklusion im Bistum Limburg. © Tobias Steiger

„Inklusion von Anfang an - los geht's. Mit dir“, unter diesem Motto steht der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am Dienstag, 5. Mai. Ziel ist es, auf die Situation von Menschen mit Behinderung in Deutschland aufmerksam zu machen und sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können.

In den vergangenen drei Jahren hat die Projektstelle Inklusion des Bistums Limburg an diesem Tag verschiedene Aktionen durchgeführt: So wurde 2018 die Wanderausstellung eröffnet, ein Jahr später wurde ein 3D-Druck des Limburger Doms im Diözesanmuseum Limburg angefertigt, um Kunst tastbar und damit für Menschen mit Beeinträchtigungen erlebbar zu machen. Dieses Jahr sollte am 5. Mai eigentlich der aktualisierte Engagementplan des Bistums Limburg veröffentlicht werden. Dies wurde aufgrund der Corona-Pandemie jedoch auf den 3. Dezember verschoben. Und auch die Arbeit in der Projektstelle hat sich seit der Corona-Pandemie verändert, wie der Leiter der Projektstelle Inklusion David Heun im Interview erzählt.

Welche neuen Herausforderungen stellen sich für Menschen mit Beeinträchtigungen seit der Corona-Pandemie?

Die Corona-Pandemie stellt nicht nur Menschen mit Beeinträchtigungen, sondern uns alle vor neue Herausforderungen. Menschen mit Beeinträchtigung gehören jedoch zum Großteil zu Risikopersonen. Das dürfen wir nicht vergessen. Allerdings gibt es auch noch zusätzliche Herausforderungen: Menschen im Rollstuhl können beispielsweise beim Einkaufen nicht so viel tragen, weswegen sie darauf angewiesen sind, dass immer ausreichend Lebensmittel im Supermarkt vorhanden sind – dies war am Anfang durch die Hamstereinkäufe nicht unbedingt gegeben. Der Unterricht fällt auch in Förderschulen aus – gerade Schüler, die eine große Routine brauchen, bringt das Zuhause an ihre Grenzen. Trotz Maskenpflicht müssen manche Menschen keine Maske tragen, weil sie darunter durch ihre Behinderung keine Luft bekommen. Gehörlose Menschen haben Schwierigkeiten mit Lippenlesen oder Mimikdeuten hinter der Gesichtsmaske, da sie nahezu das komplette Gesicht verdeckt. Die Rede der Bundeskanzlerin wurde zum Beispiel nicht live in Gebärdensprache übersetzt, weswegen viele gehörlose Menschen ausgeschlossen wurden.

Es gibt aber auch enorm viele positive Entwicklungen: Mittlerweile werden eine Vielzahl an politisch relevanten Verkündigungen parallel in Gebärdensprache übersetzt. Der soziale Zusammenhalt nimmt enorm zu und eine Vielzahl an Hilfsangeboten wie das Hilfe-Netzwerk im Bistum Limburg mit Angeboten zum Einkaufsdienst etc. helfen gerade auch Menschen mit Beeinträchtigungen. Zudem veranstaltet die Seelsorge für Menschen mit Behinderung sogenannte Fenstergottesdienste an Wohneinrichtungen und die Katholische Erwachsenenbildung Limburg erstellt Videos in Leichter Sprache.

Und wie hat sich die Arbeit in der Projektstelle seit Corona verändert?

Wir mussten leider viele Veranstaltungen absagen oder verschieben und unsere Aufgabenfelder haben sich verschoben. Der 3D-Drucker, der eigentlich Kunstwerke des Diözesanmuseums für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen tastbar machen sollte, druckt nun sogenannte Face-Shields für die Gehörlosenseelsorge. Ansonsten stellt sich nun die Frage: Wie kann Teilhabe auf digitalem Weg ermöglicht werden? Dies sogar inklusiv gedacht für Menschen mit und ohne Behinderung.

Welche Tipps haben Sie in dieser besonderen Zeit für Menschen mit Beeinträchtigungen?

Generell ist für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung wichtig, sich zu vernetzen. Sie sollten die Kommunikationsmöglichkeiten nutzen, die sie haben und in Kontakt miteinander treten. Am 5. Mai ist der europäische Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Gerade an diesem Tag ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass alle Menschen Teil unserer Gesellschaft sind und jeder einen Teil zu dieser Gesellschaft beitragen kann. Das Thema Inklusion ist und bleibt aber auch unabhängig von der Corona-Pandemie ein wichtiges gesellschaftliches Thema.

Für dieses wichtige Thema setzt sich die Projektstelle Inklusion seit drei Jahren ein – was hat sich seitdem getan?

Wenn wir zurückblicken, hat sich hier sehr viel getan. Wir haben Inklusionskisten zu verschiedenen Themenbereichen entwickelt. Darin sind viele Materialien, die dabei helfen, Inklusion ganz praktisch umzusetzen. Inklusion zum Anfassen sozusagen. Viele Pfarreien wurden beraten, wie sie ihre Gottesdienste inklusiv oder ihr Gemeindezentrum barrierefrei gestalten können – und natürlich auch, wo sie entsprechende Fördermittel akquirieren können. Daneben gibt es die Wanderausstellung „Inklusion – achtsam zusammen leben“, die durch das Bistum und über die Bistumsgrenzen hinaus tourt. Außerdem gab es zahlreiche Veranstaltungen, wie zum Beispiel einen Rollstuhlparcours am Begegnungszentrum punctum in Frankfurt oder einen Ausflug mit der Fachstelle Familienpastoral in den Frankfurter Opelzoo. Beim Sternsingertag 2019 haben wir gemeinsam mit 1.500 Kindern und Jugendlichen eine Rollstuhlrampe aus Spielbausteinen gebaut. Ich könnte diese Liste endlos weiterführen – Sie merken, es hat sich so einiges seit dem getan!

Welche Projekte sind für die Zukunft geplant?

Die Projektlaufzeit der Projektstelle Inklusion endet leider im September diesen Jahres, deswegen heißt es nun verstärkt: Projekte beenden.Allerdings arbeiten wir noch auf Hochtouren am barrierefreien Pilgerweg in Frankfurt, außerdem soll bis zum ökumenischen Kirchentag 2021 auch noch eine barrierefrei nutzbare App entwickelt werden. Zurzeit entsteht auch ein inklusives Spiel, welches wir auch während der Corona-Zeit zu Hause spielen können. Wir denken aber auch schon an die Zeit nach der Projektlaufzeit. Denn ab dann wird es die Stabstelle Inklusion im Bistum Limburg geben, welche sich fest verankert um die Beratung bei Projekten und Baumaßnahmen, die Drittmittel-Akquise und die vernetzte (Gremien-)Arbeit im Bistum und über dieses hinaus kümmert. Parallel haben wir gemerkt, dass der Bedarf in den einzelnen Pfarreien von einer einzelnen Stelle im Bistum nicht abgedeckt werden kann. Deswegen wird es ab dem 1. Oktober 2020 auch eine neue Projektstelle „Inklusionsbegleiter“ (Netzwerkinitiator Inklusion im Sozialraum) zur Förderung von Menschen mit und ohne Behinderung im Sozialraum der „Kirche vor Ort“ geben.

Weitere Informationen rund um das Thema Inklusion finden Sie unter https://inklusion.bistumlimburg.de/.

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