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16.10.2012

Weltkirchlicher Austausch

Rückblick von Bischof Dr. Tebartz-van Elst auf den letzten Synodentag

"In den Beratungen der Synode und in den Gesprächen mit den bischöflichen Mitbrüdern aus der Weltkirche wird spürbar, wie sehr die Eröffnungsansprache von Papst Benedikt XVI. zur Bischofssynode aktuellen Bezug hat: Zum Bekenntnis des Glaubens gehört die Bereitschaft mit unter dem Kreuz des Herrn zu stehen. Viele Bischöfe berichten aus ihren Ortskirchen von der Erfahrung einer zunehmenden Verdrängung der Kirche aus der Gesellschaft und auch von ganz konkreter Verfolgung der Kirche. Insbesondere im Nahen und Mittleren Osten muss die Kirche diese Erfahrung machen.

Das Phänomen der fortschreitenden Säkularisierung aller Lebensbereiche ist in den verschiedenen Teilen der Welt unterschiedlich ausgeprägt. Allen gemeinsam aber ist die Erkenntnis, dass die Säkularisierung des Lebens eine die Kirche bedrängende und herausfordernde Entwicklung ist. Wo Gott nicht mehr vorkommen darf, hat das Konsequenzen für die Lebenswirklichkeit der Menschen. In diesem Sinn hat Kardinal Wuerl aus Washington in seiner Eröffnungsansprache gesagt: "Wo Gott nicht mehr vorkommt, verändert sich auch das Bild vom Menschen."

Vor den ethischen Folgen einer Gesellschaft ohne Gott, einer regelrechten "Diktatur des Relativismus" (Benedikt XVI.), darf man nicht die Augen verschließen. Da ist es auch die Aufgabe der Kirche, Mahnerin für die Menschenrechte zu sein. Es ist nicht die Aufgabe der Kirche, schlicht an Vergangenem zu hängen. Die durch die Aufklärung und die Säkularisierung geprägte Gegenwart bietet dem Menschen auch die Möglichkeit, sich freier und bewusster für Gott, den Glauben und das Evangelium zu entschieden. Diese Entwicklung der Freiheit gilt es mehr zu nutzen. In dieser Hinsicht braucht es einen Bewusstseinswandel, der mehr das Augenmerk auf das richtet, was wächst.

In den Beratungen der Synode hat die hohe Berufung von Ehe und Familie eine zentrale Bedeutung. In allen unterschiedlichen Voraussetzungen - in Afrika, wo die Großfamilie eine wichtige Rolle spielt oder in Europa, mit der Entwicklung hin zu Kleinstfamilien - ist doch die Bedeutung der Familie für die Neuevangelisierung eminent: Die Kirche ist "ekklesiola", d.h. Kirche im Kleinen/Hauskirche. Sie ist der Ort, an dem die nachwachsende Generation mit zuerst dem Glauben (der Eltern) in Berührung kommt. Für und in der Gesellschaft ist die christliche Ehe Zeichen des Bundes Christi mit seiner Kirche und darin für den unbedingten Heilswillen Gottes für alle Menschen. Auf diese Weise sind christliche Ehe und Familie Zeichen der Anwesenheit Gottes unter den Menschen. Darum ist es ein zentrales Anliegen der Kirche, Ehe und Familie wo immer es geht zu unterstützen."

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