LIMBURG, 02.11.2016
Ein Zusammentreffen mit Christus
"Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen; und mitten im Tod umfängt uns das Leben. Beides gehört zu unserem Glauben dazu", hat Bischof Dr. Georg Bätzing in seiner Predigt an Allerseelen gesagt. Er feierte dieses Fest am Mittwoch, 2. November, mit einem Pontifikalamt im Limburger Dom.
"Auch wenn es manche mit allen Kräften versuchen, der Tod lässt sich aus unserem Leben nicht verdrängen", sagte der Bischof. Es gebe Erinnerungsorte, an denen die Menschen nicht vorbei kämen. Dies seien neben Friedhöfen auch Todesanzeigen in der Zeitung oder die Nachrichten über das Sterben bei Unglücksfällen und Naturkatastrophen.
Kunstprojekt in Trier
Auch die Hospize seien in den vergangenen Jahren immer mehr zu Erinnerungsorten geworden. Um dies zu verdeutlichen, sprach der Bischof von dem Kunst- und Kulturprojekt "Letzte Inszenierung", das zum 20-jährigen Jubiläum der Hospizarbeit in Trier gestaltet wurde. Dabei seien Menschen auf öffentlichen Plätzen der Stadt eingeladen gewesen, den Satz "Bevor ich sterbe, möchte ich..." auf großen Tafeln zu ergänzen. Die Reaktionen der Bevölkerung seien sehr unterschiedlich gewesen. Bischof Georg beschrieb sie als "eine lebensnahe Mischung aus bedächtigen oder eher oberflächlichen und zum Teil flapsig-unernsten Einträgen".
Dieses Projekt habe die Arbeit der Hospize sichtbar gemacht: Die doppelte Botschaft, dass die Menschen den Tod nicht verdrängen könnten und bräuchten. "Du wirst auferstehen. Du wirst leben. Die Gemeinschaft, die dich trägt; die Liebe, die in dir glüht; die Herzlichkeit, die dich mit anderen verbindet; die Ideale, die dich beflügeln; das alles hat Zukunft über den Tod hinaus", so der Bischof. Trotzdem sei die Auferstehung nicht selbstverständlich, sondern ein Geschenk Christi. Und für dieses Geschenk brauche es die Begegnung mit Christi im Tod.
Die Kostbarkeiten des Lebens schätzen lernen
Um das Zusammentreffen mit Christus vorzubereiten, schlug Bischof Georg drei Punkte vor. Zunächst die Kostbarkeit des eigenen Lebens schätzen zu lernen und das Wesentliche vom weniger Wichtigen zu unterscheiden, um auf diese Weise mehr vom Leben zu verstehen. Weiterhin sollten Christen lernen, loszulassen und nicht krampfhaft festhalten zu wollen. Der Blick solle voll Hoffnung auf die Zukunft gerichtet sein. Zuletzt beschrieb der Bischof, dass Christen versuchen sollten, wie Jesus den Menschen zu dienen.
"Denn wenn wir geübt sind, seine Stimme zu erkennen, seinen Willen zu verstehen, seine Liebe zu spüren, dann werden wir ihn leicht wiedererkennen, wenn er sich uns zeigt; wenn er uns am Ende unserer Tage im wahrsten Sinn des Wortes aufruft zum Leben, seinem größten und schönsten Geschenk", sagte Bischof Georg abschließend.
Nach dem Gottesdienst segnete Bischof Georg die Gräber der verstorbenen Bischöfe und Domkapitulare.
Hintergrund
An Allerseelen gedenkt die katholische Kirche ihrer Verstorbenen. Das Fest geht auf Abt Odilo von Cluny zurück, der das Fest im Jahr 998 eingeführt hat. Von Cluny aus verbreitete sich der Allerseelentag in der ganzen lateinischen Kirche. Allerseelen wird am 2. November begangen, einen Tag nach dem Hochfest Allerheiligen. (fes)