NIEDERFISCHBACH, 25.09.2016
Heimspiel für Bischof Georg
"Bischofsdorf": Diesen Zusatz auf dem Ortsschild haben die Niederfischbacher ihrem Ort im Kreis Altenkirchen kurzerhand für dieses Wochenende gegeben. Sie drücken damit ihre Freude aus und sind stolz darauf, dass der neue Bischof von Limburg aus ihrem Ort und aus ihrer Pfarrgemeinde kommt. Eine Woche nach seiner Bischofsweihe und Amtseinführung hat Bischof Georg am Sonntag, 25. September, in seiner Heimat sein erstes Pontifikalamt gefeiert. Hier liegen die Wurzeln des Bischofs, und hier seien sein Glaube und seine Berufung gewachsen. Die ersten Worte des festlichen Gottesdienstes sprach er daher auf Platt und grüßte die Gäste, die aus Trier und Limburg in die Pfarrkirche St. Mauritius gekommen waren. Unter ihnen war auch Weihbischof Manfred Grothe, der als Apostolischer Administrator in den vergangenen zweieinhalb Jahren den Weg für einen Neubeginn in der Diözese bereitet hat.
Die Kluft zwischen Arm und Reich überwinden
Bischof Georg blickte in seiner Predigt auf die Schrifttexte des Tages (1. Tim 6,11-16 und Lk16, 19-31). Das Evangelium zeige, wie Reichtum und Armut Tür an Tür zu finden sind. In der Gesellschaft und im Leben heute hätten Macht und Reichtum immer ein Gesicht und machten sich einen Namen. "Die Großen der Welt kennen wir alle. Armut ist dagegen oft namenlos", sagte der Bischof. Die Kluft zwischen Arm und Reich sei eine der wesentlichen Ursachen für Krieg, Flucht und Vertreibung. Sie halte dem einen den Anteil am guten Leben vor und überschütte andere damit. Diese Kluft könne nur von Menschen zu Lebzeiten, durch Beziehung, Wertschätzung und aufmerksame Sorge für die Armen geschlossen werden. Bleibe sie im Leben offen, werde sie auf ewig nicht geschlossen. "Jetzt oder nie gilt es, gerecht zu Handeln. Heute oder nie beginnt deine Umkehr zum barmherzigen Gott. Nicht, was gestern war oder morgen sein wird, zählt. Es gibt für uns immer nur eine entscheidende Zeit: die Gegenwart", erklärte Bischof Georg.
Brücken schlagen zwischen Gott und den Menschen
Er blickte auch auf die Ratschläge des Lesungstextes, die deutlich machten, was im Amt und Leben eines Gemeindeleiters wichtig ist. Sie werden im Brief des Apostels Paulus an Timotheus als "Mann Gottes" benannt. Die Menschen, so Bischof Georg, vertrauen darauf, dass ihnen Seelsorger und Seelsorgerinnen helfen, Brücken zu Gott zu schlagen. Vor allem, indem sie beten, segnen und durch die Verkündigung Inspiration für das persönliche Glaubensleben vermitteln. "Und es irritiert die Gläubigen darum so schwer, wenn ihre Geistlichen ungeistlich leben, wenn sie nie Zeit haben, nicht hörbereit und nicht gemeinschafts- und kritikfähig seien; wenn ihr Lebensstil nicht im Einklang steht mit dem Evangelium", so der Bischof. "Mann Gottes" zu sein, höre sich gut an. Bischof Georg sieht darin eine hohe Anforderung an sich selbst. "Wer in der Kirche zum Dienst der Leitung berufen ist, der ist kein Profi, der schon immer alles weiß und alles kann. Er ist ein Mensch auf dem Weg, unterwegs mit anderen, um Jesus zu folgen", sagte Bischof Georg.
Auf diesem Weg brauche es eine gute Balance zwischen Gottesdienst und Menschendienst, zwischen Gerechtigkeit und Frömmigkeit, zwischen Gottesglauben und tätiger Liebe, zwischen klaren Positionierungen zu Fragen der Zeit, der Politik, der gesellschaftlichen Entwicklung und einer Sanftmut, die Menschen nicht abstößt, nur weil sie anders leben oder andere Überzeugungen hätten. (StS)
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