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01.06.2017

#RespectOurRights

Geschichte wirkt nach

FRANKFURT.- Mit der Frage nach dem Frieden in Kamerun hat sich Laura Anyola am Mittwoch, 24. Mai, im Haus am Dom in Frankfurt beschäftigt. Laura Anyola ist die Koordinatorin der Justitia et Pax Kommission im Erzbistum Bamenda in Kamerun. Vom Außenministerium in Berlin ist sie zu einer Konferenz über die Friedensverantwortung der Religionen eingeladen worden. Im Anschluss daran besuchte Laura Anyola Frankfurt. Im Haus am Dom sprach sie über die aktuelle Lage im anglophonen Kamerun, über die Situation der Menschenrechte im Land und über mögliche Perspektiven, die das Land aus der Krise herausführen könnten. "Wir haben die Hoffnung nicht verloren. Es ist doch kein Verbrechen die uns gewährten Rechte einzuklagen", sagte Laura Anyola.

Das Problem liegt in der Geschichte

Kamerun wurde nach der Kolonialzeit 1960/61 unabhängig, aber es ist bis heute zweigeteilt, in einen frankophonen und einen anglophonen Teil. Der frankophone Teil dominiere das Land, die anglophone Bevölkerung werde gravierend benachteiligt. Das zeige sich beispielsweise im Rechtssystem, denn im anglophonen Justizsystem gelte die Unschuldsvermutung, im frankophonen müsse der Inhaftierte seine Unschuld beweisen, und im Bildungssektor, wo auch die englischsprachigen Schüler auf Französisch unterrichtet würden und wenig Chancen auf eine gute Zukunft hätten, da sie die Sprache nicht so gut oder gar nicht verstünden.

Seit Oktober 2016 streiken fast alle Schüler im anglophonen Teil, in der Hoffnung, so ihre Benachteiligung beseitigen zu können. Die Zentralregierung reagiere mit harten Sanktionen, nahm zahlreiche junge Menschen fest und habe sie in Gefängnisse im französisch-sprechenden Teil des Landes gebracht. Laura Anyola hat einige von ihnen, vor allem jüngere Schülerinnen und Schüler, mit großem Geschick und Verhandlungen befreien können. Die Repressionen - Einschränkung der Pressefreiheit, Zensur, illegale Verhaftungen - dauern noch an. Nur eine dreimonatige Abschaltung des Internets von Januar bis März 2017 im anglophonen Teil des Landes sei jetzt aufgehoben. Die katholische Kirche versuche intensiv, den Konflikt zu entschärfen. Sie setze sich dafür ein, dass ein Dialog der Regierung mit der Zivilgesellschaft stattfinde und die Auseinandersetzung nicht weiter eskaliere. Es sei zu befürchten, dass es ohne einen solchen Dialog zu verstärkten gewaltsamen Auseinandersetzungen komme.

Ein Appell an Kamerun und Deutschland

"RespectOurRights" war der Titel der Veranstaltung in Frankfurt. Damit richtete Anyola einen eindringlichen Appell an die derzeit Regierenden in Kamerun, sich von der Bevorzugung des frankophonen Teils zu lösen und die Rechte der anglophonen Bevölkerung zu respektieren. Eine föderale Struktur des Landes mit der Übertragung von Rechten auf die einzelnen Provinzen könne viel Positives bewirken. Den Appell richtete Laura Anyola auch an die Menschen in Deutschland: "Vergessen Sie uns bitte nicht. Wir brauchen Ihre Öffentlichkeit und Ihre Unterstützung. Sie können etwas beitragen zur Lösung, tun Sie es! Lassen Sie die deutsche Öffentlichkeit wissen, was in Kamerun geschieht. Tragen Sie den Politikern in Berlin die Sicht der Menschen am Ort in Kamerun vor."

In der Diskussion nach dem Vortrag wurde deutlich, wie verhärtet die Konfliktparteien argumentieren. "Diaspora-Kameruner", die seit Jahren in Deutschland leben, forderten radikal, Kamerun müsse geteilt und der anglophone Bereich unabhängig werden. Laura Anyola argumentierte dagegen: "Das würde wahrscheinlich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führen". Das wolle die katholische Kirche mit der Koordinatorin der Justitia et Pax Kommission Laura Anyola unbedingt vermeiden, denn ein bewaffneter Kampf wäre nicht nur "teuer", sondern führe auch zu einer neuen Flüchtlingswelle und großem Blutvergießen. (E. und W. Bentrup)

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