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Oberzeuzheim

Neue Wege für alte Mauern

Die Pfarrei St. Nepomuk Hadamar steht vor der Herausforderung, ihren umfangreichen Gebäudebestand von 45 Gebäuden in den neun Kirchorte an die veränderten kirchlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Dazu wurde ein Gebäudekonzept entwickelt, das am Mittwoch, 2. April 2025, in Oberzeuzheim vorgestellt wurde. Dabei wurde deutlich: Es geht vor allem darum, kirchliche Räume nachhaltig zu sichern – diesen Prozess gestaltet die Pfarrei aktiv mit.

„Vor einiger Zeit erzählte mir jemand in einem Trauergespräch: ,Wenn unser Opa drei Tage den Kirchturm nicht gesehen hat, dann wurde er unruhig.‘ Kirchturm bedeutet Heimat“, sagte Pfarrer Stephan Gras, der seit Januar 2025 die Pfarrei leitet. „Doch die Zeiten haben sich geändert, immer weniger Menschen sind Mitglied der katholischen Kirche, wie die aktuelle Kirchenstatistik zeigt. Wenn wir heute also hier miteinander sprechen, sprechen wir über diesen Generationenbruch und ein verändertes Verhältnis von Gemeindemitgliedschaft.“ In Anlehnung an den verstorbenen Bischof Franz Kamphaus fügte er hinzu: „Die Kirche ist ein wenig wie eine Dame, der die Gewänder zu groß geworden sind. Die spannende Frage ist: Welche dieser Gewänder können und wollen wir uns noch leisten?“

Veränderungen als Chance

Viele Kirchen und Gemeindehäuser der Pfarrei weisen hohe Instandhaltungskosten bei einer geringen Nutzung auf. „Wir müssen von den Inhalten her denken: Welche Orte brauchen wir wirklich für unsere pastorale Arbeit und wo gibt es alternative Lösungen?“, sagte Stefan Muth, Leiter des Bereichs Ressourcen und Infrastruktur im Bistum Limburg. Er ermutigte dazu, den Veränderungsprozess auch als Möglichkeit für neue Perspektiven zu sehen: „Es geht darum, Räume und Strukturen neu zu denken, Chancen zu erkennen und etwas Neues zu schaffen.“

Jedes Gebäude wurde individuell bewertet

Das neue Gebäudekonzept, das im Projekt Kirchliche Immobilien Strategie (KIS) erarbeitet wurde, hat jedes Gebäude individuell betrachtet und bewertet. Dauerhaft erhalten bleiben sollen die Pfarrkirche Hadamar, die Herzenberg Kapelle, die angemieteten Räume im ehemaligen Franziskanerkloster Hadamar, die Pfarrhäuser in Hadamar und Obertiefenbach, das Gemeindehaus/Pfarrhaus Oberzeuzheim, die Maria Hilf Kapelle mit dem angrenzenden Wohnhaus Beselich sowie die Kirche in Obertiefenbach. Kurzfristig erhalten bleibt das Gemeindehaus in Ahlbach, bis zu seiner erneuten Prüfung in etwa vier Jahren.

Acht Gebäude, darunter die Liebfrauenkirche Hadamar sowie die Kirchen in Niederhadamar, Niederzeuzheim und Oberweyer sollen so lange erhalten bleiben, wie Drittmittel oder Gelder aus zweckgebundenen Rücklagen zur Verfügung stehen. Dasselbe gilt für die Kapellen Hohes Holz Hadamar, St. Martin Faulbach, 14 Nothelfer Steinbach sowie die Wendelinuskapelle in Niederhadamar.

Pfarrei gestaltet Zukunft der Gebäude aktiv mit

Ein besonderer Fokus liegt auf Gebäuden, die mittelfristig aufgegeben werden sollen: Hier möchte die Pfarrei eigene Lösungen entwickeln und sich ein Nutzungsrecht sichern. Dazu gehören die Gemeindehäuser in Niederhadamar, Niederzeuzheim, Obertiefenbach und Steinbach, zudem die Pfarrhäuser in Niederhadamar, Steinbach und Niedertiefenbach, die Kirchen in Steinbach und Niedertiefenbach, die Kapelle in Niederweyer sowie der Jugendraum in Niederhadamar.

Die Kirchen in Ahlbach und Oberzeuzheim sollen ebenfalls mittelfristig aufgegeben werden. Sobald eine Zukunftsperspektive zur Gebäudeentwicklung gefunden wurde, werden entsprechende Schritte eingeleitet. Bereits in Kürze sollen zudem die Gemeindehäuser in Oberweyer und Niedertiefenbach sowie die Pfarrhäuser in Niederzeuzheim und Oberweyer aufgegeben werden. Für das Wohngebäude St. Ägidius in Obertiefenbach soll bis 2027 geprüft werden, ob bei positiver Wirtschaftlichkeitsprüfung eine Hausverwaltung möglich ist.

Ausblick

Das neue Gebäudekonzept bedeutet nicht zwangsläufig den Verlust von Räumen. Die Pfarrei setzt sich dafür ein, Mitspracherecht zu behalten und künftige Entwicklungen selbst zu gestalten. Es sollen neue Nutzungsmöglichkeiten mit zukünftigen Eigentümern erarbeitet werden, die die Bedürfnisse der Menschen vor Ort berücksichtigen.

Bis Sommer 2025 werden die Gremien der Pfarrei das Konzept weiter beraten. Anschließend folgt die nächste Phase, in der konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Klar ist: Die Kirche verändert sich, aber die Gemeinde bleibt aktiv beteiligt. „Sie sind die Fachleute für Ihre Kirchorte. Es geht darum, welchen Blick Sie auf unsere Gemeinde haben. Sie können konkret überlegen, was sich verändern kann. Je lebendiger ein Kirchort ist, desto wahrscheinlicher ist auch, dass dieser Kirchort Wege findet, lebendig zu bleiben“, so Pfarrer Gras.

Caroline Beese

Social Media-, Radio-, Online-Redakteurin der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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