Wiesbaden, 02.02.2026
Eine Aufgabe zwischen Seelsorge und Digitalisierung
Als Leiter der Telefonseelsorge Mainz-Wiesbaden konnte Dr. Christopher Linden seine beiden Professionen, die Theologie und die Psychologie, wunderbar verbinden. Erst ehrenamtlich, dann ab 1990 hauptberuflich, hat er die Entwicklung der Einrichtung entscheidend mitgeprägt und sich dabei immer wieder aufs Neue den gesellschaftlichen, aber auch technischen Herausforderungen gestellt. Nach über 35 Jahren geht er jetzt in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin ist Pastoralreferentin Silke Lechtenböhmer, die bereits Anfang Januar aus dem Limburger Bischofsbüro zur Telefonseelsorge wechselte. Das habe eine „gute Übergabe“ ermöglicht, freut sich Linden.
Die technische Entwicklung in Lindens Amtszeit war enorm. In enger Kooperation mit der Telekom wurde das Angebot stetig erweitert. Bereits 1998 wurde in Mainz und Wiesbaden die Internetseelsorge per Mail und Chat ermöglicht. Mit der Verbreitung des Handys entwickelte sich auch die Telefonseelsorge in „Riesenschritten“, erinnert sich Linden. Durch das Kabel am Telefon war vor der Digitalisierung eine Kontaktaufnahme mit der Telefonseelsorge nur möglich, wenn jemand allein in einem Raum war. Das Handy sorgte für neue Formen der Erreichbarkeit. „Das war ein Riesensprung“, erzählt Linden, gleichzeitig sei aber auch die Zahl der missbräuchlichen Anrufe gestiegen, denn wer die Telefonseelsorge anruft, bleibt anonym.
Arbeit mit hochmotivierten Ehrenamtlichen
Besonders am Herzen lag dem promovierten Theologen und Diplom-Psychologen die Ausbildung und Begleitung der Ehrenamtlichen. „Das sind hochmotivierte Menschen“, so Linden. Jedes Jahr startet eine neue Ausbildungsgruppe, die von zwei Hauptamtlichen geleitet wird. Für Linden ist das „eine intensive Zeit“, in der die Gruppe zusammenwachse und sich entwickle. Wer das Ehrenamt übernimmt, verpflichtet sich zwei Jahre lang drei Mal im Monat einen vierstündigen Dienst zu übernehmen, darunter ein Nachtdienst. Im Schnitt seien die Ehrenamtlichen acht bis neun Jahre dabei. Er habe sogar schon Menschen für ihre 30-jährige Zugehörigkeit ausgezeichnet, freut sich Linden. Viele persönliche Bindungen seien darüber entstanden. Gerade in den Supervisionsgruppen rauche nicht nur der Kopf, sondern man habe auch Spaß zusammen. Ein weiteres Herzensanliegen war Linden die Arbeit in der Beratungsstelle vor Ort. Unter anderem habe er dort viele Paare begleitet.
Dienst am Menschen und der Gesellschaft
Linden ist dankbar für die Anerkennung und die Welle der Solidarität, die seine Einrichtung in der ganzen Region findet. Etwa bei der Wiesbadener Weinwoche, als die ESWE-Versorgungs AG ihre Einnahmen aus dem Wasserverkauf der Telefonseelsorge spendete.
„Ich habe hier sehr gerne und identifiziert gearbeitet“, so der Theologe. Der Dienst am Menschen und der Gesellschaft habe ihn getragen. „Die Telefonseelsorge ist ein Krisendienst, der immer erreichbar ist. Es ist großartig, dass die Kirche das macht“, sagt Linden, der sich nach dem Wegfall der vielen Wochenend- und Abendtermine jetzt auf mehr Zeit für Wanderungen und Gartenarbeit sowie Gesangs- und Kunstprojekte freut.
Herz und Können eingebracht
Mit einem Gottesdienst und einer anschließenden Feier in Maria Hilf Wiesbaden wurde Dr. Christopher Linden am Freitagabend verabschiedet. Linden habe sein „Herz und Können eingebracht“ und „viel Wachsen und Reifen“ sehen, dankte Vorstandsmitglied Samuel Stricker dem Psychologen und Seelsorger.
Prof. Dr. Hildegard Wustmans, Bischöfliche Beauftragte des Bistums Limburg, überreichte Linden die Verabschiedungsurkunde. Durch seine verlässliche Unterstützung und sein gutes ökumenisches Wirken habe er die Telefonseelsorge zu einer geprägten Marke gemacht, so Wustmans.