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Wiesbaden

„Man ist abends dankbar für alles“

Hungertuchwallfahrende pilgern von Geisenheim nach Hofheim zur Eröffnung der Misereor-Fastenzeit

„Vorgestern ging es durch die Weinberge, gestern durch den Schnee und heute durch Schnee und Sonne – das ist doch perfekt“, kommentierte eine Teilnehmerin der Hungertuchwallfahrt kurz nach dem Aufbruch die durchaus herausfordernden Wetterverhältnisse Mitte Februar. Im Naturfreundehaus Wiesbaden hatte die neunköpfige Gruppe übernachtet und war von der Klima AG der Katholischen Region Wiesbaden | Rheingau| Taunus mit einem zünftigen Frühstück versorgt worden. Begleitet wurden die Wallfahrenden auf ihrer vormittäglichen Tagesetappe von Dr. Andreas Frick, Hauptgeschäftsführer des Bischöflichen Missionswerks Misereor. Vor dem Aufbruch feierte er mit der Gemeinschaft einen Tischgottesdienst, dann ging es, da es die Nacht gut gefroren hatte, auf Schnee und Eis vorsichtigen Schrittes Richtung Rhein.

An Aschermittwoch hatte sich die Pilgergruppe um 5 Uhr morgens in Hamm in den Zug gesetzt und war bis Geisenheim gefahren, wo sie im Rheingauer Dom das Aschekreuz empfing. Die erste Tagesetappe führte die Wallfahrenden bis nach Rauenthal. Zwei Tage lang wurden sie von Outdoorseelsorgerin Anke Jarzina begleitet. „Mir macht es immer wieder Spaß zu sehen, dass andere auch gerne in der Natur sind und durch das Wallfahren und Pilgern eine neue Welt schaffen wollen“, freute sich Jarzina.

Ein Stück Glück weitergeben

Eberhard Müller macht sich als Wallfahrer auf den Weg, weil ihm die Solidarität mit anderen wichtig ist. Er habe viel Glück im Leben erfahren und möchte ein Stück davon zurückgeben und für Misereor werben. Es sei wichtig, Jugendlichen eine Chance zu geben weiterzukommen.

Für Cornelia Breer ist die Hungertuchwallfahrt ein guter Einstieg in die Fastenzeit. Immer wieder aufs Neue begeistere sie der Zusammenhalt in der Gruppe, dass man gemeinsam unterwegs sei, gemeinsam bete, gemeinsam singe und an die Menschen in anderen Teilen der Erde denke, denen es nicht so gut gehe. Misereor ist für Breer ein guter Partner, weil das Hilfswerk „denen Unterstützung gibt, die es allein nicht so gut können.“

Pilgern als Kraftquelle

Ziel der von Markus Breer geleiteten Wallfahrergruppe ist Hofheim, wo sie am Sonntag, 22. Februar 2026, gemeinsam mit Bischof Dr. Georg Bätzing, Frick, einer Delegation aus Kamerun und weiteren Wallfahrenden den Eröffnungsgottesdienst der Misereor-Fastenaktion in St. Peter und Paul feiert. Danach sei immer der Wunsch da, noch weiterzugehen, verriet eine der Pilgerinnen, die schon öfter teilgenommen hat.

Für einen Teil der Gruppe ist die Hungertuch-Wallfahrt zudem eine Kraftquelle. Neben Gespräch und Austausch wird unterwegs auch geschwiegen. Viele genießen das „für sich sein“ oder haben ein Anliegen mit auf die Wallfahrt genommen, um dafür zu beten. Es wird aber auch gerne gelacht. „Bist du sicher, Markus, dass das ein Weg ist?“, fragte ein Wanderer, als es einen schneebedeckten Abhang zwischen den Weinreben hinuntergeht. „Die App sagt ja“, antwortete der Angesprochene prompt und stapfte unverdrossen voran.

Das Misereor-Hungertuch wird auf dem Weg deutlich sichtbar mitgetragen. Das führe zu vielen positiven Reaktionen, erzählte Markus Breer. So wurde die Gruppe nach ihrer Ankunft am Rhein von einem Schwarm Kindergartenkinder umlagert. Neugierig nahmen sie das Hungertuch in den Blick und diskutierten, ob ein Schwan oder ein Storch darauf abgebildet sei. Von Schierstein ging es weiter nach Mainz, wo in der Jugendherberge übernachtet wurde. „Man ist abends dankbar für alles – für einen Schluck Wasser, ein einfaches Essen, ein Bett“, sagte eine Wallfahrerin zufrieden.

Anne Goerlich-Baumann

Redakteurin | Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Die Hungertuchwallfahrt

Seit 1986 machen sich Wallfahrtsgruppen mit dem Misereor-Hungertuch auf den Weg, um den Eröffnungsort der letzten Fastenaktion mit dem neuen zu verbinden. Auch in diesem Jahr pilgern mehrere Gruppen mit dem von der Künstlerin Konstanze Trommer gestalteten Hungertuch, welches den Titel „Gemeinsam träumen – Liebe sei Tat“ trägt. Ziel ist Hofheim im Taunus, wo am Sonntag, 22. Februar 2026, um 10 Uhr der Eröffnungsgottesdienst der Misereor-Fastenaktion stattfindet.

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