Die Teilnehmenden können sich im Lauf des Kurses entscheiden, ob sie den Schwerpunkt Trauerbegleitung oder Bestattungsdienst wählen oder in beiden Aufgaben tätig sein wollen. Auch beim zweiten Kurs, wie schon beim ersten, wählte etwa die Hälfte der Gruppe den Bestattungsdienst – ein großes Glück für die Pfarreien, die bei Bestattungen dringend auf die Mithilfe von Ehrenamtlichen angewiesen sind. Für die Ehrenamtlichen selbst ist es ein oft intensives Erlebnis, vorab Gespräche mit der Familie des Verstorbenen zu führen, eine würdevolle Trauerrede und - feier vorzubereiten und alles rund um die Bestattungszeremonie zu planen. Da sind Empathie, Geduld und auch Kreativität gefragt.
Raum für Ideen geben
Und auch die Teilnehmenden, die sich für die Trauerbegleitung als Schwerpunkt entscheiden, haben nach dem Kurs viele Möglichkeiten, kreativ zu werden. Einige bieten in ihren Pfarreien Treffpunkte wie ein Trauercafé oder andere Begegnungsmöglichkeiten für Trauernde an. Und das Team der Trauerseelsorge ermutigt die dort Engagierten, eigene Angebote im Trauerzentrum zu entwickeln und so ihre eigenen Interessen und Charismen einzubringen – so wie Mentzing, der selbst schon seit seiner Jugend surft und sich stark zum Wasser hingezogen fühlt. Neben dem Paddling möchte er auch Präsenzdienste in der künftigen Begräbniskirche übernehmen und Einzelgespräche anbieten. „Es ist uns wichtig, nichts vorzugeben, sondern den Ehrenamtlichen die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Ideen zu entwickeln“, erklärt Verena Maria Kitz, Leiterin des Fachzentrums Trauerseelsorge und der daran angeschlossenen Begräbniskirche, die im Lauf des ersten Halbjahres 2026 eröffnet werden soll.
Wie einsam man sein kann
Viele der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer haben einen persönlichen Zugang zu Trauer. Kein Wunder, meint Verena Kitz: „Menschen, die selbst die tiefgreifende Erfahrung von Verlust gemacht haben, haben oft ein Gespür dafür, wie einsam man sein kann. Und möchten anderen zur Seite stehen.“
Auch Kurskollegin Sophie Augustin, 32 Jahre alt und Juristin aus Mainz, kennt Trauer aus eigener Erfahrung, weil sie schon als Kind einen schweren Verlust verkraften musste. Eine Kindertrauerbegleitung half ihr damals und machte ihr rückblickend klar: „Trauer kann uns entgegen einer manchmal anzutreffenden Hoffnung und Vorstellung in jedem Alter gleich stark betreffen und braucht, ganz gleich, wie jung wir sind, einen Platz.“ Verschiedene Altersgruppen brauchen also verschiedene Trauerangebote. Zunächst begann sie, zeitgleich zum Kurs im Trauercafé auszuhelfen, gemeinsam mit einer erfahrenen Trauerbegleiterin. Dann gründete sie gemeinsam mit Gemeindereferentin Judith Poser eine Trauerkochgruppe für Menschen zwischen 18 und 35, die sich seit gut einem Jahr am dritten Donnerstag im Monat trifft, um in der geräumigen Küche im ersten Stock des Trauerzentrums im Frankfurter Nordend gemeinsam zu kochen, zu sprechen und zu essen. Das wiederum inspirierte eine Runde von Frauen, die bisher als Teilnehmerinnen zu den Angeboten des Trauerzentrums kamen, selbst aktiv zu werden und eine Trauerkochgruppe für ihre Zielgruppe zu gründen.