Hofheim
Gemeinsam an der Zukunft bauen
Bischof Georg Bätzing feierte einen Gottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul in Hofheim. Gemeinsam mit der bischöflichen Bevollmächtigten Hildegard Wustmans predigte er zum Leitwort der Aktion „Hier fängt Zukunft an“.
Sie fragten, in welche Zukunft die Menschen gehen, in einer Welt, in der die Erde ausgebeutet wird, Ressourcen geraubt werden und der Klimawandel voranschreitet und wo die Kirche stehe – auf der Seite der Abgehängten, die nicht wahrgenommen werden? Genau an diesem Punkt setze die diesjährige Fastenaktion von Misereor an. Sie lenkt den Blick nach Kamerun zu jungen Menschen, die aus gesellschaftlichen Gründen nicht vorankommen und sich beispielsweise keine Ausbildung leisten können. „Hier fängt Zukunft an. Wir klingt das wohl in ihren Ohren?“, fragte Bischof Bätzing. „Ist das die gleiche Zukunft, um die wir hier bei uns bangen, weil sie so unsicher geworden ist? Wie ist das mit der Zukunft, die wie ein utopisches und unerreichbares Projekt aufscheint, wenn Präsidenten und Systeme Menschen ihrer Rechte und Chancen berauben?“
Blick in die Bibel
In solchen Zusammenhängen könne es hilfreich sein, einen Blick in die Bibel zu werfen. Auf das Entweder-oder-Spiel des Teufels lasse Jesus sich nicht ein, sondern kontere mit Größen, die darüber hinaus gingen. „Kein Mensch lebt vom Brot allein, Gott – Jahwe – ist nicht zu versuchen, Gott allein – elohim – soll man dienen. So widersteht Jesus den Versuchungen und verbindet sich mit Gott und der Welt. Das schenkt Perspektive“, sagte Bätzing. Es ermögliche einen Neuanfang. „Das heißt: Es ist noch nicht alles festgelegt. Wir können neu anfangen. Weil wir Menschen sind, können wir immer wieder anfangen“, sagte Hildegard Wustmans und zitierte damit die Publizistin Hannah Arendt. „Wo diese Fähigkeit unterdrückt wird, Menschen nicht die Möglichkeit haben, dies auszuleben, werden Zukunft und Möglichkeitssinn genommen“, sagte Wustmans.
Trotzdem bleibe es dabei: Menschen können immer wieder Anfängerinnen und Anfänger werden. „Und wir können das mit der diesjährigen Fastenaktion einüben, gemeinsam und im Kontakt mit den jungen Menschen in Kamerun und andernorts“, sagte Bätzing. Beginnen, neu hinschauen, neu fragen, neu glauben, neu handeln – dann fange Zukunft an.
Empfang in der Stadthalle
In der Stadthalle in Hofheim stand das Motto „Hier fängt Zukunft an“ noch einmal anders im Mittelpunkt. Zu Wort kam beispielsweise Pauline Maiday, eine junge Frau aus Kamerun, die durch das Projekt CODAS-Caritas Douala gefördert wurde und dadurch ihre eigene Boutique für Taschen eröffnen konnte. Studiert hatte Maiday Jura, dann eine Ausbildung in der Logistik gemacht und war trotzdem arbeitslos. Durch CODAS-Caritas Douala konnte sie ihren Traum eines eigenen Ladens verwirklichen.
Verschiedene Stände in der Halle
„Partnerschaft lebt durch Beziehungen“, sagte Stefan Hecktor von der AG Kamerun. Die Arbeitsgruppe hatte einen Stand in der Halle aufgebaut. Dort konnten sich die Besucherinnen und Besucher informieren. Weitere Stände gab es von den Weltläden in Frankfurt-Bornheim und Hofheim. Das Weingut Schreiber aus Hochheim stellte den Misereor Soli-Wein vor, eine Idee, die mit der aktuellen Fastenaktion entstanden ist. Zum Bistum Limburg gehört die Region Rheingau, die vor allem auch für ihren Wein bekannt ist. Etwa zehn verschiedene Weingüter sind dabei und verkaufen den Misereor-Soli-Wein. Pro Flasche fließt ein Euro an Misereor. Auch den Wikijung-Kaffee, der in Kamerun produziert wird, konnten die Besucherinnen und Besucher testen und kaufen.
Gelebte Solidarität zeigte sich bei einer Versteigerung. Aus einem alten Hungertuch nähten Frauen in der Justizvollzugsanstalt in Frankfurt eine Tasche. Diese wurde bei der Eröffnung versteigert. Der Erlös von 510 Euro geht an Misereor.
Kumbo darf nicht fehlen
Bischof Georg Bätzing betonte auf der Bühne in der Stadthalle in Hofheim die Partnerschaft mit dem Bistum Kumbo in Kamerun. Seit vielen Jahren herrscht dort ein Konflikt und ein Krieg, bei dem bereits viele Menschen ums Leben kamen. Daher ist es schwierig, diese Partnerschaft zu leben, insofern, dass gegenseitige Besuche nicht möglich sind. Menschen aus Kumbo können zwar ins Bistum Limburg kommen. Umgekehrt ist es jedoch nicht möglich, Kumbo zu besuchen. Das Bistum Limburg sei jedoch weiter mit dem Bistum Kumbo verbunden und unterstütze verschiedene Projekte.