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Limburg

Keine Zeit der Tristesse

An Aschermittwoch, 18. Februar 2026, beginnt die Fastenzeit. Sie lädt nach den Worten von Bischof Georg Bätzing dazu ein, sich innerlich und äußerlich fein zu machen, um an Ostern, dem Fest der Auferstehung, neu zu strahlen und diese innere Erneuerung auch auszustrahlen.

„Die Fastenzeit ist keine Zeit der Tristesse“, sagte Bätzing in seiner Predigt im Hohen Dom zu Limburg. Sie sei vielmehr eine Zeit der Klärung, der Reinigung, der bewussten Ausrichtung auf Gott und auf das Leben, das er den Menschen in Fülle schenken möchte. Der Mensch mache sich fein – nicht für einen äußeren Auftritt, sondern damit das Herz wieder leuchten könne. Ziel sei es, dass man Ostern nicht nur äußerlich feiere, sondern innerlich verwandelt sei.

Autokraten lassen unverblümt Masken fallen

Bätzing blickte besorgt auf die weltpolitische Lage und den gesellschaftlichen Umgangston. Er zeigte sich erschrocken darüber, wie unverblümt viele derzeit ihre Masken fallen lassen. „Autokraten und Diktatoren dieser Welt stört es augenscheinlich immer weniger, was die Weltgemeinschaft an Grenzen, Absprachen und moralischen Leitplanken miteinander vereinbart hat“, so der Bischof. Was über Jahrzehnte mühsam aufgebaut worden sei – Vertrauen, Völkerrecht, der Schutz der Schwachen – werde heute vielerorts mit erschreckender Gleichgültigkeit infrage gestellt oder bewusst missachtet. Freiheit in ihrem Verständnis und Demokratie passten für sie nicht zusammen. Dieses Verhalten der Führungsspitzen sei zugleich Folge und Ursache einer um sich greifenden Verrohung der Kommunikation und des Kontrollverlustes im persönlichen Verhalten. „Wieviel Bosheit, Gemeinheit, Ignoranz und Brutalität herrschen im Netz, greifen andere an, um sie gezielt zu diffamieren oder gar öffentlich zu vernichten“, so Bätzing. Gehetzt und geschossen werde oft nicht mehr aus der Deckung der Anonymität heraus, wie es lange schon üblich gewesen sie, sondern man agiere mit offenem Visier. „Ein inneres Korsett moralischer Werte, das mich gegebenenfalls zügelt und mäßigt (Gewissen genannt), scheint nicht mehr zu greifen; die schützende Maske einer form- und stilbildenden inneren Haltung wird über Bord geworfen. Wie wünschte ich mir, ich müsste manche Gesichter nicht unmaskiert sehen!“, sagte Bischof Bätzing.  

Die dünne Maske der KI

Auch der Künstlichen Intelligenz müsse man mühsam eine Maske auflegen, damit sie lerne, Fragen und Probleme nach Menschenart zu behandeln. „Von sich aus ist sie ja eine amoralische Technologie, die lediglich aufgrund der vorhandenen Daten im Netz berechnet, welches Wort mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auf das vorherige folgt. Von sich aus ist sie weder maßvoll, noch empathisch oder wertgebunden“, so Bätzing. Erziehung sei nötig durch ein aufwändiges Verfahren und ein Heer von Testern, die die Ergebnisse bewerten müssten. Nur so lerne die KI, was Menschen hören, lesen und sehen möchten. Die Maske sei dünn. Bekennende Gegner von Regulierungen probierten bereits, die Kontrollmaske zu reduzieren und das wahre Gesicht ohne Sicherheitsfilter zum Vorschein zu bringen. Auch hier würden sehr bewusst Maßstäbe verschoben. Werte, Grenzen, die Orientierung an Wahrhaftigkeit und menschlichem Urteilsvermögen würden dem eigenen Nutzen unterworfen und Nutzerinnen und Nutzer manipuliert. „Es gruselt mich bei der Vorstellung, in das unverstellte, demaskierte Gesicht unserer technologischen Assistenten blicken zu müssen“, so der Bischof. 

Am Wort Gottes orientieren

Bätzing plädierte dafür, angesichts der unbestreitbaren Einflusszone des Bösen in der Welt im eigenen Inneren ein geistliches Sicherungssystem aufzubauen, indem man sich an Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit, am Glauben und am Wort Gottes orientiere und davon prägen lasse. Durch die Taufe sei Christinnen und Christen ein ganz eigener Identitätsmarker gegeben, der sich ausprägen wolle. Es gehe darum, Christus als Gewand anzuziehen. Soziale und kulturelle Unterschiede sollten nicht verhindern, dass man sich eng mit all denen verbunden fühle, die zu Christus gehören. „Man stelle sich vor, das könnte uns gelingen; wie sehr würden wir anziehend wirken auf unsere Umgebung! Denn das Licht des Erlösers aller Menschen will doch in dieser Welt aufscheinen, die immerzu verdunkelt wird durch neue Akte der Bosheit, der Unmenschlichkeit und Gottlosigkeit“, so der Bischof. Inniges Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld und Liebe könnten die Welt verändern und das Band der Vollkommenheit bilden.

Stephan Schnelle

Pressesprecher

Die Predigt im Wortlaut

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