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Wiesbaden, 10.03.2026

Segel setzen für Vielfalt und Gemeinschaft

Wind, Wellen und ein starkes Zeichen für Vielfalt: Die Jugendkirche KANA in Wiesbaden lädt vom 26. bis 31. Juli 2026 erstmals zu einer queer-sensiblen Segelfreizeit ein. Organisiert wird das Angebot unter anderem von Eric Tilch, Jugendbildungsreferent bei der Jugendkirche KANA in Wiesbaden. Tilch engagiert sich intensiv für queere Jugendarbeit. Im Interview berichtet er von der Idee hinter der Freizeit, ihren Zielen und den Unterschieden zu einer herkömmlichen Segelfreizeit für Jugendliche.

Herr Tilch, warum braucht es queere Jugendangebote wie die queere Segelfreizeit der KANA?

Wir legen Wert darauf, dass queere Menschen sehen, dass sie im kirchlichen Kontext willkommen sind. Denn: Sowohl die kirchliche Sprache als auch die Liturgie können für queere Menschen abschreckend sein. Daher achten wir auch bei unseren Freizeiten bewusst auf das Wording.

Wenn wir als katholischer Träger Teil einer Veranstaltung sind, dann ist allein durch die mediale Berichterstattung bei vielen queeren Menschen bereits ein negatives Bild vorhanden. Deshalb versuchen wir mit der expliziten Benennung als „queersensible Freizeit“ einen Zugang zu ermöglichen.

Außerdem wollen wir mit der Bezeichnung „queer“ bewusst Schutzräume bieten. Denn queere Jugendliche erleben noch immer Diskriminierung: In der Schule, in ihrem Umfeld, manche sogar in der Familie. Davon wollen wir mit der Freizeit eine Auszeit bieten, in der die Jugendlichen wissen: Hier brauche ich keine Angst haben und kann mein Queer-Sein offen leben.

Wie genau kann man sich queere Jugendarbeit vorstellen und wieso ist sie so wichtig?

Bei uns in der Jugendkirche KANA besteht die queere Jugendarbeit vor allem aus Netzwerkarbeit. Wir als katholische Jugendkirche sind nicht per se Teil der queeren Community. Daher bringen wir uns bewusst ein und stellen unsere Ressourcen zur Verfügung. Unser Ansatz ist es mitzuhelfen: beim Christopher-Street-Day, beim Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie. Auf diesem Weg wollen wir Gesprächsräume eröffnen.

Das ist uns an einigen Stellen schon gelungen, nicht nur im Jugendbereich. Vergangenes Jahr hatten wir zum Beispiel eine queere Stadtführung. Da war alterstechnisch zwischen 20 und 80 alles dabei. Wir sind außerdem eng mit der Queeren Jugendgruppe und dem Queeren Zentrum Wiesbaden verbunden. Durch diese Kooperationen handeln wir nie allein. Das betrifft auch die Gottesdienste zum Christopher-Street-Day oder zum „Transgender Day of Rememberance“, an dem der Gewalt an Trans- und Inter-Personen gedacht wird. Zu diesen Anlässen zeigen wir als Kirche bewusst Gesicht und wollen Gesprächsräume öffnen.

Inwiefern unterscheidet sich eine queere Jugendfreizeit von einer herkömmlichen?

In erster Linie unterscheiden sich die Zielgruppen. Wir haben auch lange überlegt, wie wir die Freizeit nennen sollen: Queere Freizeit, queersensible Freizeit, Freizeit für alle? Im Endeffekt soll sie Menschen ansprechen, die queeren Themen aufgeschlossen und positiv begegnen oder die sich selbst als queer definieren. Außerdem wollen wir nicht nur eine innerkirchliche Zielgruppe ansprechen.

Dank unserer Kooperationen, unter anderem mit der Aidshilfe Wiesbaden e. V. und anderen queeren Trägervereinen, hat die Freizeit eine breite Aufmerksamkeit erzielt, auch außerhalb der Kirche. Ansonsten ist das Angebot eine klassische Segelfreizeit. Wir werden den Großteil der Tage segeln. An den Abenden wird es verschiedene Angebote geben, die queere und queersensible Themen behandeln: Körperwahrnehmung, Fragen nach der eigenen Identität aber auch spirituelle Impulse und Möglichkeiten zum persönlichen Gespräch sind Teil des Angebotes. Die meiste Zeit ist es also eine herkömmliche Segelfreizeit, die allerdings einen expliziten Schutzraum für queere Menschen bieten will.

Die Freizeit findet auf einem großen 3-Master statt. Braucht man Segelerfahrung, um teilzunehmen?

Nein. Das ist die gute Nachricht! Man braucht keine Vorkenntnisse. Wir haben einen Skipper und einen Maat an Bord, die uns alles zeigen werden. Man kann ohne jegliche Erfahrung aufs Boot kommen und einfach mitschippern.

Wie können Sie die Freizeit für lediglich knapp 300 Euro anbieten? Erhalten Sie finanzielle Unterstützung oder eine Förderung? 

Das ist ein ganz zentraler Punkt und da bin Ich auch wirklich stolz auf das Bistum! Wir erhalten eine finanzielle Förderung durch den neuen Innovationsfonds des Bistums Limburg. Das ermöglicht uns dieses Angebot so günstig anzubieten. Der niedrige Preis war uns sehr wichtig. Denn: Wir wollen ein möglichst niedrigschwelliges Angebot machen. Jugendliche haben normalerweise nicht das Geld 500 oder 600 Euro aus eigener Tasche zu zahlen. Insofern sind wir dem Bistum sehr dankbar für die großzügige Unterstützung! Damit wird vielen unterschiedlichen Jugendlichen der Zugang zu dieser Erfahrung ermöglicht.

Alexander Thiele

Volontär in der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Info

Die queer-sensible Segelfreizeit richtet sich an junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren, die neben fünf Segeltagen in den Niederlanden auf dem Dreimaster „Nil Desperandum“, ein abwechslungsreiches Programm erwartet sowie die Möglichkeit, täglich die angesteuerten Städte rund um das Ijsselmeer zu erkunden.

Zeitraum

26. bis 31.07.2026

Kosten

Gesamte Fahrt inklusive Bustransfer ab Wiesbaden: 260 €.

Wem es möglich ist, mehr zu zahlen, um so andere Teilnehmer*innen zu unterstützen, ist eingeladen einen Beitrag bis zu 300 € zu leisten.

Kontakt

Eric Tilch (e.tilch@jugendkirche-kana.de).

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