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Frankfurt

Auch die Frankfurter Eintracht kann Segen gebrauchen

100 Sternsingerinnen und Sternsinger bringen am Dienstag Segen und Licht in den Frankfurter Römer. Oberbürgermeister Mike Josef lobt die Kinder für ihr Engagement und nimmt jedes Jahr ein besonderes Erinnerungsstück mit in sein Büro.

Turbane aus dunkelrotem, grünem und blauem Samt, goldene Kronen, bestickte Gewänder – der Besuch der Sternsingerinnen und Sternsinger im Kaisersaal des Frankfurter Römers ist stets ein majestätischer Anblick, ein Fest für die Augen. Doch was ist das? Sind da zwischen den königlichen Kopfbedeckungen etwa vereinzelt Mützen mit Eintracht-Adler zu erkennen? Oberbürgermeister Mike Josef kneift die Augen zusammen, muss schließlich schmunzeln. Keine Frankfurter Veranstaltung ohne Adler! Kein Wunder, dass er nicht widerstehen kann, am Ende seiner Rede zum Sternsingerbesuch im Frankfurter Rathaus noch kurz auf seinen Lieblingsverein zu sprechen zu kommen. „Vielleicht bringt Euer Besuch ja auch der Eintracht in diesem Jahr Segen und Glück“, fügt er spontan an, bevor er Segenstafel und Friedenslicht in Empfang nimmt.

Jedes Jahr bringen Frankfurter Sternsingerinnen und Sternsinger den Segen in den Römer. Für Mike Josef ist das mehr als ein Aberglaube: „Als gläubiger Christ ist es mir sehr wichtig, von Euch den Segen für ein gutes Jahr zu bekommen“, betont er auch diesmal wieder. Und stets nimmt er nach dem Empfang im Kaisersaal noch eine handvoll Königskinder samt ihren Betreuerinnen und Betreuern mit in sein Büro, stellt die neue Segenstafel mit der Aufschrift C*M*B feierlich aufs Fensterbrett in Richtung Paulskirche, bietet Getränke an, beantwortet ein paar Fragen, schießt mit den Besuchern ein paar Selfies.

Etwas zutiefst Menschliches

„Ihr macht etwas Vorbildliches, Ihr tragt Verantwortung füreinander in Euerm jungen Alter, und das ist etwas zutiefst Menschliches, ja zutiefst Christliches“, sagt Josef. Das Engagement der Mädchen und Jungen, die bei oft eisigen Temperaturen stundenlang von Haus zu Haus ziehen, um Spenden für einen guten Zweck zu sammeln – diesmal für Kinder in Bangladesch unter dem Motto „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ – beeindruckt den Oberbürgermeister persönlich. „Ihr steht damit für Mitgefühl und Solidarität, und ich hoffe, wir können uns davon eine Scheibe abschneiden. Denkt daran: Man kann Berge versetzen, wenn man den Willen hat und den Weg gemeinsam geht!“

Eine große Ermutigung

Rund 100 Kinder sind am Dienstag aus den Frankfurter Pfarreien in diesem Jahr in die Innenstadt gekommen, um beim feierlichen Stadtsternsingergottesdienst im Bartholomäusdom und dem anschließenden Empfang im Römer dabei zu sein. Michael Thurn, Leiter der katholischen Stadtkirche in Doppelspitze mit Christiane Moser-Eggs, bedankt sich für die Wertschätzung, die mit dem jährlichen Empfang des Oberbürgermeisters einher geht. „Für die Kinder und uns Erwachsene ist das eine große Ermutigung, denn von Tür zu Tür zu gehen und Spenden zu sammeln macht zwar Spaß, kann aber in der Kälte auch anstrengend sein. Da tut es gut und wärmt, hier so empfangen zu werden.“

Vorbereitet worden ist der Sternsingertag diesmal von der Pfarrei St. Hildegard; die Zuständigkeit wechselt jedes Jahr. Dass sich das Vorbereitungsteam aus Stefanie Seubert, Rolf Müller, Harald Stuntebeck sowie Julia Koik von der Jugendkirche JONA diesmal eine andere Herangehensweise überlegt hat, kommt dabei gut an. Das Thema ist Schule. Pastoralreferent Rolf Müller lässt die Kinder an den Altar kommen und verteilt rote, gelbe und grüne Zettelchen. Wie finden sie es, dass sie am kommenden Montag wieder in die Schule gehen müssen? Viele rote Zettelchen werden nach oben gehalten. Und wie finden sie es, ihre Freunde wiederzusehen? Ganz viele grüne Zettelchen werden herausgekramt. Dass viele Kinder in Bangladesch in Fabriken arbeiten müssen und deshalb nicht in die Schule gehen dürfen, nicht lesen und schreiben lernen und deshalb später keinen guten Beruf finden? Ganz schön blöd, rote Zettelchen! Kein Wunder, dass bei der Abschlussfrage – „Wie findet Ihr es, dass in Deutschland jedes Kind in die Schule gehen darf?“ plötzlich wieder ein grünes Zettelmeer zu sehen ist. „Wir wollten das Bewusstsein dafür schärfen, dass es nicht überall selbstverständlich ist, in die Schule gehen zu können“, erklärt Müller. Bei den Kindern kommt die Botschaft an – und so rufen alle am Ende des Gottesdienstes laut im Chor: „Kinder können nicht in die Schule gehen: Das ist ungerecht!“

Info

Die Aktion Dreikönigssingen ist die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder.  Im vergangenen Jahr sammelten Kinder und Jugendliche in Deutschland unter dem Motto „Erhebt eure Stimme! Sternsingen für Kinderrechte“ unglaubliche 48 Millionen Euro für den guten Zweck. Allein im Bistum Limburg waren 49 Gruppen unterwegs und sammelten 930.461 Euro ein. Möglich ist dies nur durch den Einsatz unzähliger Sternsinger, Sternsingerinnen, Begleiterinnen und Begleiter sowie Helferinnen und Helfer in tausenden Gemeinden, Schulen, Kindergärten und weiteren Einrichtungen deutschlandweit. Die Sternsingerinnen und Sternsinger kommen nach vorheriger Absprache an die Haustür, singen Lieder und bringen den Jahressegen in Form eines Aufklebers mit den Buchstaben C*M*B am Eingang an. Die drei Buchstaben stehen für „Christus Mansionem Benedicat“ – „Christus segne dieses Haus“. Dafür freuen sie sich über eine Spende für einen jährlich festgelegten Zweck der deutschlandweiten Sternsingeraktion. Wer Interesse daran hat, Sternsingerinnen und Sternsinger zu sich einzuladen, fragt am besten bei der Pfarrei seines Stadtteils nach.

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