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Wiesbaden

Offene Räume für Begegnung

In der Diözesanversammlung stand die gesellschaftliche Dimension von Einsamkeit im Mittelpunkt – diskutiert wurden Ursachen, Folgen und Wege zu mehr Begegnung.

Anfang März rückte die Diözesanversammlung des Bistums Limburg im Wiesbadener Wilhelm-Kempf-Haus ein Thema in den Mittelpunkt, das weit über konfessionelle Grenzen hinausreicht – „weiter als katholisch oder evangelisch, sogar weiter als die Bundesrepublik“. So formulierte es Pfarrer Christian Wiener, Referent für Altenseelsorge im Zentrum für Seelsorge und Beratung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), in seiner Einführung. Im Zentrum der Sitzung am 7. März 2026 stand die Einsamkeit, ein Phänomen, das zunehmend als gesellschaftliche Herausforderung wahrgenommen wird.

Einsamkeit als gesellschaftliche Herausforderung

Mit einem geistlichen Impuls und einem thematischen Einstieg führte Wiener in die Fragestellung ein. „Alleine sein ist ein Zustand. Einsam sein ist ein Gefühl“, machte Wiener deutlich. Chronische Einsamkeit belaste ein Leben und könne gesundheitliche Nachteile mit sich bringen, etwa Demenz. Einsamkeit befördere zudem Suchterkrankungen. Wege aus der Einsamkeit seien Bildung, Glaube, Resilienz, Netzwerke und Sozialräume.

Im Anschluss stellten Sonja Sailer-Pfister, Altenpflegepastoral und Bistumsbeauftragte für Hospizseelsorge, und Dr. Lisa Straßberger, Studienleiterin für Literatur im Haus am Dom, die geplante Kampagne „Es ist offen“ des Bistums Limburg vor. Sailer-Pfister betonte, dass das Thema Einsamkeit seit der Corona-Pandemie Menschen aller Generationen und Lebenswelten zunehmend betreffe. Im Bistum wolle man sich dieser Entwicklung entgegenstellen. Ein Ansatz sei, bestehende Begegnungsorte in Pfarreien und Regionen stärker sichtbar zu machen – als offene Räume, in denen sich alle Menschen willkommen fühlen können, besonders jene, die sich einsam fühlen.

Begegnungsorte sichtbar machen

Die Strukturen seien in den Pfarreien oft vorhanden, müssten teilweise nur belebt oder in die öffentliche Wahrnehmung gerückt werden, betonte Straßberger. Persönliche Begegnung sei das wichtigste Mittel gegen Einsamkeit, deshalb müssten Strukturen geschaffen werden, die ein Andocken ermöglichten. Dafür brauche es Ankerpersonen, eine Austauschbörse sowie eine klare Kommunikation. Wichtig sei auch eine gegenseitige Unterstützung im Bistum, beispielsweise könnten die Bildungsformate der Einrichtungen in die Pfarreien gebracht werden.

Im anschließenden „World-Café“ wurde in Tischgruppen vertieft über das Thema „Einsamkeit“ diskutiert. Was bedeutet Einsamkeit für Jugendliche und über welche Netzwerke und Kanäle sind junge Menschen zu erreichen, wurde ebenso thematisiert, wie die Frage, welche Umbrüche im Leben in die Einsamkeit führen. Resilienz durch Glauben und die Möglichkeiten einer Willkommenskultur waren weitere Diskussionspunkte – ebenso wie die geplante Bistums-Kampagne „Es ist offen“.

Gedenken und ein neues Gesicht in der Diözesanversammlung

Eröffnet worden war die Diözesanversammlung mit einer Schweigeminute im Gedenken an den verstorbenen Dr. Walter Steffan, der zwischen 1976 und 1984 über zwei Amtszeiten hinweg Vizepräsident und für drei Amtszeiten von 1984 bis 1996 Präsident der Diözesanversammlung im Bistum Limburg war. In dieser Funktion war er Mitglied des Diözesansynodalrates und dessen Vorstandes.

In der Sitzung schlugen Präsidentin Daniela Erdmann und Präsident Gerhard Glas in Anerkennung des Engagements ihrer Vorgänger vor, eine Namens- oder Bildertafel der ehemaligen Amtsinhaber im Bistum anzubringen. Ein Vorschlag, den die Bischöfliche Beauftragte für den Synodalen Bereich, Dewi Maria Suharjanto, gerne aufgriff. Da es Suharjantos erste Teilnahme an einer Diözesanversammlung war – sie ist seit Januar im Amt –, wurde sie von Erdmann und Glas mit herzlichen Worten und einem bunten Frühlingsstrauß in der Runde willkommen geheißen.

Anne Goerlich-Baumann

Redakteurin | Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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